EU-Zwangsarbeitsverordnung, Lieferketten-Prüfung

EU-Zwangsarbeitsverordnung: Lieferketten-Prüfung wird Compliance-Pflicht

22.06.2026 - 16:54:29 | boerse-global.de

Die EU verschärft die Regeln für Lieferketten. Unternehmen müssen Menschenrechtsverstöße künftig lückenlos prüfen und dokumentieren.

EU-Zwangsarbeitsverordnung: Neue Compliance-Pflichten für Unternehmen
EU-Zwangsarbeitsverordnung - Nahaufnahme von ineinander verschlungenen Händen, eine rau, die andere eine zarte Pflanze haltend, vor einem landwirtschaftlichen Feld. 22.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Im Mittelpunkt steht die neue EU-Zwangsarbeitsverordnung. Sie verpflichtet Firmen, ihre Lieferketten lückenlos auf Menschenrechtsverletzungen zu prüfen.

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Bei einer Fachkonferenz in Düsseldorf diskutierten Experten der Kanzlei orka und der frühere Menschenrechtsbeauftragte Markus Löning über die praktischen Konsequenzen. Auch die Reform des Umweltstrafrechts und der Kampf gegen Greenwashing standen auf der Agenda.

Moderne Sklaverei auf Europas Feldern

Wie dringlich eine wirksame Überwachung ist, zeigen aktuelle Vorfälle in Südeuropa. In Kalabrien kamen Anfang Juni mehrere Wanderarbeiter bei einem Brand in einem Kleinbus ums Leben. Die Betroffenen hatten zuvor auf Erdbeerfeldern gearbeitet und offenbar ausstehende Löhne gefordert.

Ermittler gehen davon aus, dass kriminelle Netzwerke aus Pakistan in Kooperation mit italienischen Mafia-Strukturen ein System moderner Sklaverei betreiben. Experten wie Vincenzo Musacchio von der Rutgers University beschreiben das Modell als arbeitsteilige Ausbeutung, bei der Gangmaster den Einsatz der Arbeiter kontrollieren.

Italiens Arbeitsministerin Marina Calderone kündigte außerordentliche Kontrollen im gesamten Agrarsektor an. Die Notwendigkeit solcher Maßnahmen unterstreichen Statistiken der italienischen Arbeitsaufsicht: Bei 74 Prozent der Kontrollen wurden 2025 Unregelmäßigkeiten festgestellt.

Auch in Norditalien gibt es Erfolge gegen Ausbeutungsstrukturen. In Bergamo wurde eine Person festgenommen, die Landsleuten aus Bangladesch unter falschen Versprechungen Arbeit vermittelt und anschließend Pässe sowie Geld erpresst haben soll.

Transparenz durch Technik und Kontrolle

Immer mehr Exportnationen setzen auf technische Lösungen, um die Rückverfolgbarkeit von Produkten zu verbessern. Vietnam plant zum 1. Juli 2026 ein nationales Rückverfolgungssystem für Agrar-, Forst- und Aquakulturprodukte. In einer Pilotphase soll das System zunächst über 18.000 Produkte von rund 149 Unternehmen erfassen.

In der Schweiz fordern Politiker strengere Kontrollen gegen organisierte Kriminalität und die Verschleierung von Firmenstrukturen. Eine Motion im Kanton Graubünden sieht die Prüfung einer zentralen Meldestelle für Scheinfirmen vor. Ziel ist es, den Missbrauch von Domizilgesellschaften für illegale Geschäfte zu erschweren.

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Historische Verantwortung und moderne Compliance

Die Auseinandersetzung mit Zwangsarbeit umfasst auch die historische Verantwortung von Unternehmen. In Königswinter fordern Bürgervertreter eine verstärkte Aufarbeitung der NS-Zwangsarbeit – unter anderem mit Blick auf die früheren Lemmerz-Werke. Das Nachfolgeunternehmen Maxion Wheels erklärte, Zwangsarbeit in jeder Form zu verurteilen. Historiker arbeiten derzeit die Geschichte betroffener Standorte auf, an denen während des Zweiten Weltkriegs mehrere hundert Menschen zur Arbeit gezwungen wurden.

Für moderne Unternehmen bedeutet die Kombination aus strengerer EU-Regulierung und erhöhter öffentlicher Sensibilität: Compliance-Prozesse müssen über rein rechtliche Mindeststandards hinausgehen. Die Experten in Düsseldorf betonten, dass lückenlose Dokumentation und proaktive Risikoanalysen unerlässlich seien – um rechtliche Sanktionen und Reputationsschäden zu vermeiden.

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