Batteriespeicher, Anlagen

Batteriespeicher: 225.000 neue Anlagen in H1 2026 am Netz

22.06.2026 - 16:54:29 | boerse-global.de

Deutscher Batteriespeichermarkt wächst rasant, doch Netzanschlussprobleme bremsen die Expansion. Industrie setzt auf flexible Stromnutzung.

Batteriespeicher-Boom in Deutschland: 225.000 neue Anlagen
Batteriespeicher - Ein futuristisches Batteriespeicher-System mit leuchtenden Zellen in einer modernen Industrieanlage, symbolisiert Energieeffizienz. 22.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Rund 225.000 neue Speicher mit einer Gesamtkapazität von 3,4 Gigawattstunden gingen ans Netz – ein Plus von 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders Großspeicher legten zu: Ihre Kapazität vervierfachte sich auf 1,47 GWh.

Doch der Boom hat Hürden. Projekte mit einem Gesamtvolumen von 58 GWh stecken in der Planung – ob sie realisiert werden, ist unklar. Grund sind langwierige Netzanschlussverfahren. Optimisten rechnen bis 2029 mit einem Zubau von 15 GWh, Pessimisten mit deutlich weniger.

Die Industrie setzt parallel auf alternative Technologien. Ein Rahmenvertrag über zinkbasierte Großbatteriespeicher mit zwei Gigawattstunden Volumen für den DACH-Raum wurde unterzeichnet. Das erste Projekt soll Ende 2026 ans Netz gehen.

Industrie als Stromnetz-Puffer

Die Energiewende braucht flexible Verbraucher. Im Pilotprojekt „SynErgie“ testet die Papierfabrik UPM in Augsburg, wie sich ihr Stromverbrauch an die Netzsituation anpassen lässt. Seit zwei Jahren nutzt das Unternehmen einen 33-MW-Elektrokessel zur Dampferzeugung, Fasertanks dienen als thermische Speicher.

Die Ergebnisse gehen Ende 2026 an die Bundesnetzagentur. Sie sollen als Grundlage für eine neue Berechnungsformel der Netzentgelte dienen – möglich ab 2029.

Der Investitionsbedarf ist enorm: Die Übertragungsnetzbetreiber schätzen die Kosten bis 2045 auf bis zu 392 Milliarden Euro, plus 200 Milliarden für die Verteilnetze. Flexiblere Großverbraucher gelten als Schlüssel, um diese Kosten zu steuern.

In Österreich plant der Holzwerkstoffhersteller Egger ab dem vierten Quartal 2027, industrielle Abwärme in das Fernwärmenetz von St. Pölten einzuspeisen. Das erhöht den Eigenstromanteil und stützt die regionale Wärmeversorgung.

Rechenzentren unter Druck

Die Digitalisierung – vor allem KI – treibt den Energiebedarf von Rechenzentren auf rund 415 Terawattstunden pro Jahr. Die Internationale Energieagentur (IEA) prognostiziert eine Verdopplung bis 2030.

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Deutschland reagiert mit dem Energieeffizienzgesetz (EnEfG): Ab Mitte 2026 dürfen Neubauten einen PUE-Wert von 1,2 nicht überschreiten. Ab 2027 müssen sie zu 100 Prozent Ökostrom nutzen.

Technologieanbieter stellen sich darauf ein. Neue Systeme setzen auf Flüssigkühlungen für Server, ARM-basierte Prozessoren mit optimiertem Energieprofil und unterbrechungsfreie Stromversorgungen mit Wirkungsgraden von bis zu 99 Prozent.

Weniger Unternehmen müssen berichten

Auch bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung tut sich was. Die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) schaffen einen gemeinsamen Rahmen. Doch eine Überarbeitung der EU-Vorgaben führt dazu, dass künftig deutlich weniger Unternehmen berichtspflichtig sind – Branchenkreise sprechen von 92 Prozent weniger.

UPM Adhesive Materials meldet Fortschritte: Die Emissionsintensität in den Bereichen Scope 1 und 2 sank bis 2025 um 58 Prozent gegenüber 2015. Bis 2030 sind 65 Prozent das Ziel.

International wird nachgezogen: In Vietnam tritt Anfang 2026 eine Gesetzesnovelle zur wirtschaftlichen Energienutzung in Kraft, die unter anderem einen Fonds für Energieeinsparungen vorsieht.

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