EU-Zölle: Neue Regelung gefährdet 1000 Jobs bei EEW Rostock
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 22:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Rostocker Spezialist für Offshore-Windkraftkomponenten EEW sieht sich durch aktuelle handelspolitische Entscheidungen der Europäischen Union in seiner wirtschaftlichen Grundlage gefährdet. Eine Neuausrichtung der EU-Schutzzölle führt dazu, dass das Unternehmen angesichts eines massiven Preisvorteils der chinesischen Konkurrenz um sein Überleben am Standort Deutschland bangt.
Einstufung als verarbeitetes Produkt öffnet Markt für Importe
Hintergrund der existenzbedrohenden Lage ist die seit dem 1. Juli 2026 geltende Anpassung der sogenannten EU-Steel-Safeguard-Maßnahmen. Im Rahmen dieser Regelung wurden Monopiles – die tonnenschweren Stahlfundamente für Offshore-Windenergieanlagen – als verarbeitetes Produkt eingestuft. Diese Klassifizierung hat zur Folge, dass chinesische Monopiles nun zollfrei in den europäischen Binnenmarkt importiert werden können.
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Für europäische Hersteller wie EEW bedeutet dies einen erheblichen Wettbewerbsnachteil. Branchenangaben zufolge führt die neue Regelung zu einer Preisdifferenz von mindestens 40 % zugunsten der Anbieter aus Fernost. Während europäische Produzenten weiterhin den strengen EU-Auflagen und Rohstoffkosten unterliegen, können chinesische Wettbewerber ihre Produkte durch die entfallenden Zollschranken deutlich günstiger auf dem europäischen Markt platzieren.
Vom Volllastbetrieb in die Kurzarbeit
Die Auswirkungen auf den Produktionsstandort in Rostock sind unmittelbar spürbar. Nachdem das Werk in der Vergangenheit eine kontinuierliche Produktion im 24/7-Modus gefahren hatte, sah sich die Unternehmensleitung nun gezwungen, Kurzarbeit anzumelden. In Rostock sind aktuell rund 1000 Mitarbeiter beschäftigt.
Die gegenwärtige Krise trifft das Unternehmen nach einer Phase erheblicher Investitionen. Insgesamt flossen mehr als 100 Mio. € in den Ausbau und die Modernisierung des Standorts an der Ostsee, um die wachsende Nachfrage nach Fundamenten für den Ausbau der Windenergie auf See zu bedienen. Die nun eingetretene Marktverzerrung stellt die Rentabilität dieser Investitionen infrage.
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Politischer Besuch und globale Kapazitätsverlagerung
Am 27. Juli 2026 besuchte die Ostbeauftragte Kaiser das Werk in Rostock, um sich vor Ort ein Bild von der Situation der Belegschaft und der industriellen Substanz zu machen. Das Unternehmen verdeutlichte dabei die Dringlichkeit politischer Nachbesserungen bei den Zollvorgaben, um die heimische Produktion von Schlüsselkomponenten für die Energiewende zu sichern.
Während der Standort in Mecklenburg-Vorpommern unter Druck gerät, treibt EEW den Ausbau seiner internationalen Präsenz voran. In Südkorea erweitert das Unternehmen derzeit seine Kapazitäten deutlich. Die dortigen Produktionsmöglichkeiten sollen von bislang 60.000 Tonnen auf jährlich 200.000 Tonnen gesteigert werden. Diese Expansion unterstreicht die globale Strategie des Unternehmens, während der Heimatstandort in Rostock unter den aktuellen europäischen Rahmenbedingungen um seine Zukunft kämpft.
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