EU-Verpackungsverordnung: Erste Regeln für Industrie ab August
07.06.2026 - 12:54:37 | boerse-global.de
Während Vietnam die ökologische Wirtschaft zum nationalen Leitprinzip erklärt, kämpfen europäische Unternehmen mit verschärften EU-Auflagen. Große Konzerne und kleine Betriebe sind dabei unterschiedlich gut aufgestellt.
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Vietnam macht grüne Wirtschaft zur Chefsache
Der 14. Nationalkongress Vietnams hat die grüne Wirtschaft als zentrales Entwicklungsprinzip verankert. Bis 2030 will das Land den Energieverbrauch um 1 bis 1,5 Prozent des BIP pro Jahr senken – und die Emissionen um 8 bis 9 Prozent reduzieren.
Ein spezielles Programm soll zwischen 2026 und 2030 rund 25.000 Unternehmen bei der grünen Transformation unterstützen. Zudem sind 20 Pilotprojekte zur Kreislaufwirtschaft geplant. Die Zahlen zeigen: Vietnam meint es ernst.
Und die Wirtschaft zieht mit. Laut einer Studie von PwC und Viet Research bekennen sich bereits 89 Prozent der Unternehmen zu ESG-Kriterien. 61 Prozent haben eine konkrete Strategie, 44 Prozent setzen grüne Initiativen um.
Vorreiter sind ausländische Direktinvestoren mit 71 Prozent und börsennotierte Firmen mit 57 Prozent. Private Unternehmen hinken mit 27 Prozent deutlich hinterher. Treiber der Entwicklung? Verschärfte Emissionsvorschriften in der EU, den USA, Japan und Südkorea.
EU-Verpackungsverordnung setzt Industrie unter Druck
In Europa sorgt die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR) für Anpassungsdruck. Sie schreibt einheitliche Regeln für recyclingfähige Verpackungen bis 2030 vor – erste Anforderungen greifen bereits ab August 2026.
Während der Papierhersteller Delfort auf recyclingfähige Lösungen setzt, fordern Großkonzerne wie Coca-Cola, Kraft Heinz und Mondel?z eine Verschiebung der Fristen. Ihr Argument: technische Hürden. Besonders bei fetthaltigen Produkten und Fleischwaren in plastikfreien Verpackungen gibt es noch Probleme.
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Auch die Medizintechnik beschäftigt sich intensiv mit dem EU Green Deal. Ein Branchen-Webinar des BVMed Mitte Juni thematisiert Dokumentations- und Designanforderungen sowie mögliche neue Abgaben wie die Plastic Packaging Tax.
Parallel rückt die Pharma- und Kosmetikindustrie in den Fokus: Die neue EU-Kommunalabwasserrichtlinie sieht vor, dass diese Branchen ab 2029 mindestens 80 Prozent der Kosten für die Entfernung von Mikroschadstoffen in Kläranlagen tragen.
Mittelstand zwischen Innovation und Überforderung
Die sogenannte duale Transformation – Digitalisierung und Nachhaltigkeit gleichzeitig umsetzen – war kürzlich Thema einer Konferenz an der Hong Duc Universität. Experten forderten: Hochschulen müssen stärker als Innovationszentren und Ausbildungsschmieden für Fachkräfte fungieren.
Besonders kleine und mittlere Unternehmen stoßen an Grenzen. Finanzielle, technologische und personelle Ressourcen sind oft knapp. Kein Wunder also, dass viele KMU bei der grünen Transformation hinterherhinken.
Die Baubranche zeigt dagegen, wie es gehen kann. Das Start-up Gropyus realisiert in Berlin mehrgeschossige Wohnbauten in Holz-Hybrid-Bauweise für den Immobilienkonzern Vonovia. Die Kosten liegen bei rund 3.600 Euro pro Quadratmeter – auf dem Niveau konventioneller Bauweisen. Der Vorteil: deutlich kürzere Bauzeiten.
In Deutschland tobt unterdessen die Betriebe über energieintensive Betriebe. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger kritisierte auf einer Konferenz der Wirtschaftsjunioren in Landshut die hohen Energiepreise und CO2-Abgaben. Sie gefährdeten den Standort. Der Freistaat verspricht verstärkte Technologieprogramme und Investitionshilfen.
Ein Webinar von Grant Thornton und der IHK NRW soll über die finalen Förderrichtlinien für den Industriestrompreis informieren. Die EU-Kommission hat hierfür bereits die beihilferechtliche Genehmigung erteilt.
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