EU-Greenwashing-Verbot ab September: Schmuck- und Uhrenindustrie rüstet auf
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 00:12 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Am 7. Juli 2026 diskutierte die Schmuck- und Uhrenindustrie beim Sustainable Jewellery Day in Pforzheim über neue Standards und den wachsenden Regulierungsdruck aus Brüssel. Im Zentrum standen unabhängige Nachhaltigkeitsprüfungen und technologische Fortschritte beim Metall-Recycling.
Zertifizierung schafft Vertrauen
Purvi Shah, Executive Director des Responsible Jewellery Council (RJC), machte deutlich: Bloße Transparenz reicht nicht mehr. Entscheidend sei die unabhängige Überprüfung von Nachhaltigkeitsversprechen. Der RJC setzt dabei auf etablierte Regelwerke wie den Code of Practices und den Chain-of-Custody-Standard.
Ein neuer Standard für im Labor gezüchtete Materialien (Laboratory Grown Material Standard) soll der wachsenden Bedeutung dieses Marktsegments Rechnung tragen. Dass Labordiamanten international an Relevanz gewinnen, zeigt die Expansion des New Yorker Unternehmens Verlas. Die Marke startete Anfang Juli seinen digitalen Vertrieb in Indien – mit IGI-zertifizierten Steinen und Nachhaltigkeitssiegeln wie dem Butterfly Mark.
EU-Greenwashing-Verbot kommt
Die Dringlichkeit verifizierbarer Angaben wird durch das EU-Greenwashing-Verbot verschärft. Ab dem 27. September 2026 sind allgemeine Werbeslogans ohne ausreichende Belege untersagt. Der Handelsverband Deutschland (HDE) warnte vor den Konsequenzen und forderte praktikable Übergangs- und Abverkaufsfristen.
Das Ziel: Die Vernichtung von rechtlich nicht mehr konformen Waren und Verpackungen verhindern. Da in Deutschland private Klagebefugnisse bestehen, sehen Fachleute ein erhebliches Risiko für Händler, deren Sortimente ab dem Stichtag nicht den neuen Anforderungen entsprechen.
Neben dem Greenwashing-Verbot verschärft Brüssel auch die Anforderungen an Lieferketten massiv – viele Händler wissen noch nicht, ob ihre Produkte unter die neuen Nachweispflichten fallen. Dieser kostenlose Leitfaden inklusive Checkliste zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie die aktuellen Vorgaben rechtssicher erfüllen. EU-Entwaldungsverordnung: So erfüllen Sie Ihre Sorgfaltspflichten ohne Aufwand
Parallel dazu will die EU die bürokratische Last der Nachhaltigkeitsberichterstattung senken. Anfang Juli legten Aufsichtsbehörden Pläne vor, die eine Reduzierung der Datenpunkte in der EU-Taxonomie um über 70 Prozent vorsehen. Die Berichtskosten sollen um mehr als 30 Prozent sinken. Große Kapitalgesellschaften müssen die neuen Anforderungen ab 2027 erfüllen, für KMU gelten Übergangsfristen bis 2028.
Technologie für die Kreislaufwirtschaft
Ein wesentlicher Baustein für nachhaltige Produktion bleibt die Rückgewinnung von Rohstoffen. In Hamburg nahm der Metallproduzent Aurubis am 7. Juli die Anlage „Complex Recycling Hamburg“ (CRH) in Betrieb. Bei einer Investitionssumme von 190 Millionen Euro floss ein Drittel in die Luftreinhaltung.
Jährlich können dort über 30.000 Tonnen Recyclingmaterial verarbeitet werden. Die Anlage ist darauf ausgelegt, strategische Metalle wie Kupfer, Blei und Edelmetalle zurückzugewinnen.
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Ergänzend dazu wurde am SKZ Würzburg die Initiative „TransBIB“ vorgestellt. Ein „One-Stop-Shop“ mit KI-gestützter Datenbank soll Unternehmen künftig helfen, sich im komplexen Umfeld der Nachhaltigkeitszertifizierungen in der Bioökonomie zurechtzufinden. Ziel ist eine stärkere Harmonisierung der Standards.
Luxussegment zeigt sich unbeeindruckt
Trotz der Diskussionen um Nachhaltigkeit und Regulierung bleibt das Luxussegment aktiv. Bvlgari präsentierte eine neue Variante des Octo Finissimo Perpetual Calendar in blau beschichtetem Titan für rund 76.000 Euro. Vacheron Constantin erweiterte seine Overseas-Kollektion um zwei Modelle mit 34,5 Millimetern Durchmesser – eine Variante in Roségold für 58.500 Euro und ein Edelstahlmodell für 26.100 Euro.
