EU AI Act: Transparenzpflichten ab August – bis zu 35 Mio. Euro Strafe
23.06.2026 - 18:28:23 | boerse-global.deDie Vorgaben konkretisieren, wie KI-generierte Inhalte künftig für Nutzer erkennbar sein müssen.
Besonders relevant sind die Regeln für visuelle Darstellungen – etwa in der Architekturbranche. Texte, die nach ihrer Erstellung einer menschlichen Prüfung unterzogen wurden, sollen weniger strengen Kennzeichnungspflichten unterliegen.
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Handel fordert Ausnahmen für Werbebilder
Bereits gestern positionierte sich der europäische Dachverband Eurocommerce gegen eine umfassende Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Werbebilder. Dem Verband gehören unter anderem Amazon, H&M, Ikea und Inditex an.
Die Technologie trage bereits maßgeblich zur Kosteneffizienz bei, argumentieren die Händler. Der Online-Händler Zalando konnte seine Content-Kosten durch KI-Einsatz um 90 Prozent senken. Unternehmen wie H&M und Zara setzen zudem verstärkt auf digitale Model-Klone in ihren Webshops.
Strenge Strafen bei Verstößen
Mit dem Inkrafttreten des EU AI Act am 2. August müssen Chatbots und Deepfakes gemäß Artikel 50 klar gekennzeichnet werden. Für bestehende Systeme gilt eine Übergangsfrist bis zum 2. Dezember 2026 – dann müssen technische Lösungen wie maschinenlesbare Wasserzeichen implementiert sein.
Die Strafen sind empfindlich: Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 35 Millionen Euro oder sieben Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
Governance-Defizite trotz hoher Akzeptanz
Trotz der regulatorischen Verschärfungen schreitet die KI-Integration in der Wirtschaft rasant voran. Eine gestern veröffentlichte KPMG-Studie zeigt: 86 Prozent der befragten Unternehmen nutzen bereits KI, nahezu alle Betriebe haben eine entsprechende Strategie.
Doch die Umsetzung hinkt hinterher. 42 Prozent der Unternehmen gaben an, Defizite in der strategischen Verankerung der KI-Governance zu haben. Auch der Druck durch Aufsichtsbehörden nimmt zu.
Die Berliner Datenschutzbeauftragte Meike Kamp berichtete für 2025 von einem Anstieg der KI-Beschwerden um 52 Prozent. Prüfungen vor Ort hätten vor allem Mängel bei der Transparenz während des KI-Trainings aufgedeckt.
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Gerichte konkretisieren Haftungsfragen
Die Rechtsprechung wird zunehmend konkreter. Das Landgericht München entschied in einem aktuellen Verfahren: Google haftet für Falschaussagen seiner KI-Systeme. Ordnungsgelder von bis zu 250.000 Euro stehen im Raum.
Auch im Marketingrecht werden die Regeln strenger. Laut einem Urteil des Landgerichts Köln muss Werbung bereits in Vorschaubildern als solche erkennbar sein.
Technologiekonzerne bauen Angebote aus
Parallel zum regulatorischen Rahmen treiben Tech-Konzerne ihre KI-Angebote voran. Meta verzeichnete bei seinen KI-gestützten Marketing-Tools seit 2022 eine Steigerung des Werbe-Ertrags um 25 Prozent. Das Unternehmen führt derzeit automatisierte KI-Übersetzungen für Texte und Videos in zahlreichen Sprachen ein.
Auch im Bereich Datenanalyse entstehen neue Allianzen. Palantir und Zeta Global gaben während des Cannes Lions Festivals eine strategische Partnerschaft bekannt. Ziel: KI-gestützte Marketingentscheidungen in Echtzeit auf Basis der Palantir Foundry-Plattform.
Gestaffelte Fristen für Hochrisiko-Anwendungen
Die allgemeinen Transparenzregeln greifen ab August. Die strengeren Pflichten für Hochrisiko-KI-Systeme – etwa zur Bewertung von Prüfungsleistungen – sind zeitlich gestaffelt. Sie treten für die meisten Anwendungen erst am 2. Dezember 2027 in Kraft. In Produkte eingebettete KI-Systeme müssen die Anforderungen bis zum 2. August 2028 erfüllen.
Experten raten Unternehmen ungeachtet der Fristverlängerungen zu einer zeitnahen Inventur ihrer Systeme. Thomas Maxeiner von Palo Alto Networks betonte in einem Fachvortrag: Bis zum Stichtag im August müsse eine funktionierende Governance-Struktur stehen, um die rechtlichen Anforderungen zu erfüllen.
