ETS-Krise: 40 Konzerne fordern Kurswechsel, 5 Millionen Jobs gefährdet
18.06.2026 - 02:55:00 | boerse-global.de
BASF, Thyssenkrupp und BP ziehen an einem Strang: Rund 40 führende Industriekonzerne fordern von der EU-Spitze einen radikalen Kurswechsel in der Klimapolitik. In einem gemeinsamen Appell an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, EU-Ratspräsident António Costa und den Ratsvorsitzenden Constantinos Christodoulides warnen die Unternehmen vor den explodierenden Kosten im Emissionshandelssystem (ETS).
Warnung vor Deindustrialisierung
Die Unterzeichner sehen die internationale Wettbewerbsfähigkeit europänder Standorte in Gefahr. Der CO2-Preis in der EU liegt derzeit bei rund 80 Euro pro Tonne. Chinesische Wettbewerber zahlen dagegen nur etwa 10 Euro. Diese Diskrepanz treibe die Industrie zunehmend in die Enge, so die Konzerne.
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Die Unternehmen warnen vor Werksschließungen, Produktionsverlagerungen ins Ausland und massivem Stellenabbau. Besonders deutlich wird das Bündnis aus ArcelorMittal Europe, Thyssenkrupp Steel und Voestalpine. Es repräsentiert rund 60 Prozent der integrierten Stahlproduktion in der EU. Ohne eine pragmatische Reform des ETS sei mit einem Rückgang der stahlintensiven Fertigung um 30 bis 40 Prozent zu rechnen. Bis zu fünf Millionen Arbeitsplätze stünden damit auf dem Spiel.
Finanzielle Belastungen eskalieren
Die Industrie fordert ein Einfrieren des ETS-Kostenniveaus. Eine temporäre Pause der Preissteigerungen sei nötig, bis die Infrastruktur für klimaneutrale Produktion flächendeckend stehe und die Dekarbonisierung wirtschaftlich tragfähig sei.
Die finanziellen Auswirkungen sind enorm. Der Verband der Chemischen Industrie beziffert die Belastungen durch neue Benchmarks auf dreistellige Millionenbeträge. Die Papierindustrie rechnet mit jährlichen Mehrkosten von rund 140 Millionen Euro. Die Stahlhersteller warnen: Ohne Reformen könnten die Produktionskosten in der EU bis Anfang der 2030er Jahre um schätzungsweise 50 Prozent steigen.
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Uneinigkeit in der Wirtschaft
Trotz der breiten Front gibt es auch kritische Stimmen. Saarstahl befürchtet Wettbewerbsnachteile für Betriebe, die bereits in die Transformation investiert haben. Die IG Metall warnt davor, den Kurs der ökologischen Transformation durch ein Aufweichen der Klimaziele zurückzudrehen.
Die EU-Kommission plant bereits eine Revision der Regelungen. Vorschläge zur Reform des Emissionshandels sollen im Juli vorgelegt werden. Die Industrie drängt darauf, dass die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten und der Grenzausgleichsmechanismus CBAM die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Grundstoffindustrie sichern.
