ESRS-Reform, Berichtspflichten

ESRS-Reform: Berichtspflichten um 60 Prozent reduziert

Veröffentlicht: 10.07.2026 um 18:56 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die EU entlastet Firmen bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung: Pflichtangaben sinken um über 60 Prozent, die Kosten um mehr als 30 Prozent.

EU-Kommission beschließt neue Nachhaltigkeitsstandards mit weniger Bürokratie
Eine minimalistische Grafik, die die Vereinfachung von Datenverbindungen und Berichtspflichten darstellt, mit einer dezenten EU-Flagge im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ziel: den bürokratischen Aufwand für Firmen spürbar senken.

Branchenanalysten zufolge reduziert die Neuregelung die Pflichtdatenpunkte um mehr als 60 Prozent. Die jährlichen Berichtskosten sollen dadurch um über 30 Prozent sinken.

Neue Schwellenwerte durch die Omnibus-Richtlinie

Grundlage der Deregulierung ist die EU-Omnibus-Richtlinie (EU) 2026/470, seit Mitte März in Kraft. Sie hebt die Schwellenwerte für die Berichtspflicht nach der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) an.

Unternehmen fallen erst ab 1.000 Beschäftigten und einem Umsatz von mehr als 450 Millionen Euro unter die Pflicht. Die überarbeiteten ESRS führen zudem ein neues Prinzip ein: Immaterielle Informationen sollen explizit nicht gemeldet werden.

Ein Top-down-Ansatz fokussiert die Berichterstattung weiter. Transparenzanforderungen bei Klima-Übergangsplänen bleiben aber bestehen – besonders wenn sie nicht mit dem 1,5-Grad-Ziel vereinbar sind. Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) gibt es einen freiwilligen Standard.

Die neuen Regeln gelten regulär ab dem Geschäftsjahr 2027. Eine freiwillige Anwendung ist bereits für 2026 möglich.

Zeitplan verschiebt sich – nationale Entlastungen

Die Fristen für die nationale Umsetzung der CSRD haben sich verlängert. Dem Finanzausschuss des Bundestages zufolge gilt nun der 1. Januar 2027. Auch für die Lieferkettenrichtlinie (CSDDD) gibt es einen Aufschub: neuer Stichtag ist der 26. Juli 2027.

Das Bundeskabinett hat im Juli zudem ein Berichtsentlastungsgesetz beschlossen. Rund 1.000 Berichtspflichten sollen pauschal ausgesetzt werden. Ziel: die Bürokratiekosten um 25 Prozent senken. Das entspräche einer Entlastung von etwa 16 Milliarden Euro pro Jahr. Die gesamte Bürokratiebelastung in Deutschland wird derzeit auf 64 Milliarden Euro geschätzt.

Kritik von Verbänden und Zivilgesellschaft

Trotz der Erleichterungen formiert sich Widerstand. Wirtschaftsverbände kritisieren die Änderungen an der EU-Taxonomie als unvollständig. Ein Sprecher des Verbandes deutscher Pfandbriefbanken bezeichnete die Anpassungen als unzureichend für die Branche.

Nichtregierungsorganisationen wie PowerShift warnen vor den Folgen der Deregulierung. In einer Analyse zu den Omnibuspaketen heißt es: Die Schwächung von Berichtspflichten gefährde den Schutz von Menschenrechten und Umweltstandards. Kritisiert werden verkürzte Konsultationsphasen, fehlende Folgenabschätzungen und der Wegfall zivilrechtlicher Haftungsregeln.

Strengere Regeln für Industrie und Cybersicherheit

Während die Berichterstattung entlastet wird, verschärfen sich die Anforderungen in anderen Bereichen. Der Bundestag hat Anfang Juli eine EU-Richtlinie zu Industrieemissionen umgesetzt. Rund 10.000 Anlagen in Deutschland sind betroffen. Sie müssen strengere Schadstoffgrenzwerte einhalten und bis 2030 Umweltmanagementsysteme einführen.

Auch bei der Cybersicherheit steigt der Druck. Bei der Umsetzung der NIS2-Richtlinie hat der Mittelstand erheblichen Nachholbedarf. Von rund 29.500 betroffenen Betrieben haben sich erst etwa 11.500 beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) registriert. Ab 2026 treten zudem die Anforderungen des Data Act in Kraft.

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Freiwillige Vorreiter nutzen die neuen Standards

Trotz der verschobenen Fristen orientieren sich erste Unternehmen an den neuen Regeln. Der Verpackungsspezialist Gerresheimer hat einen freiwilligen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht, der sich an den CSRD-Vorgaben für 2025 orientiert.

Das Unternehmen konnte seine CO2-Emissionen (Scope 1 und 2) im Vergleich zu 2019 um 31 Prozent senken und setzt verstärkt auf erneuerbaren Strom. Solche Vorreiter nutzen die Berichterstattung zunehmend als strategisches Instrument – während der regulatorische Rahmen auf europäischer Ebene weiter neu justiert wird.

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