ESG-Berichtspflicht, EU-Kommission

ESG-Berichtspflicht: EU-Kommission senkt Anforderungen um 60%

Veröffentlicht: 08.07.2026 um 16:47 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die EU reduziert die ESG-Pflichtangaben um über 60 Prozent. Nur noch 5.000 Firmen sind direkt betroffen.

EU-Kommission kürzt ESG-Berichtspflichten drastisch
ESG-Berichtspflicht - Ein futuristisches digitales Interface mit vereinfachten ESG-Kennzahlen und Datenpunkten, das Effizienz und Datenoptimierung darstellt. 08.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Am 3. Juli verabschiedete sie die überarbeiteten European Sustainability Reporting Standards (ESRS 2.0). Kern der Reform: weniger Bürokratie, mehr Wesentlichkeit.

60 Prozent weniger Datenpunkte

Die Zahl der Pflichtangaben sinkt um über 60 Prozent. Zählt man alle Datenpunkte zusammen, sind es sogar mehr als 70 Prozent. Ziel ist es, das ESG-Reporting handhabbarer zu machen. Branchenexperten rechnen mit Kostensenkungen von über 30 Prozent für die Unternehmen.

Parlament und Rat haben nun zwei Monate Zeit für die Prüfung. Parallel dazu gibt es einen neuen freiwilligen Standard. Er richtet sich an Firmen, die nicht zur CSRD-Berichterstattung verpflichtet sind, aber dennoch Nachhaltigkeitsdaten etwa für Banken liefern müssen.

Nur noch 5.000 Unternehmen betroffen

Bereits im Frühjahr 2026 traten neue Schwellenwerte in Kraft. Seit März sind EU-weit nur noch rund 5.000 Firmen direkt zur CSRD verpflichtet. Ursprünglich hatte man mit 50.000 gerechnet. Die Pflicht greift nun bei über 1.000 Mitarbeitern und mehr als 450 Millionen Euro Umsatz. Erste Berichte nach den neuen Regeln sind für das Geschäftsjahr 2027 fällig.

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Trotz der Entlastung bleibt die Detailtiefe in Kernbereichen hoch. Der Standard ESRS S1 zur eigenen Belegschaft umfasst weiterhin 17 Angabepflichten. Dazu zählen etwa Kennzahlen zur angemessenen Entlohnung und das geschlechtsspezifische Lohngefälle. Die größte Herausforderung: Die HR-Daten liegen oft über verschiedene Systeme verstreut und müssen hohe Prüfungssicherheit bieten.

KI hilft bei der Datenflut

Viele Unternehmen setzen auf digitale Lösungen, um die verbleibende Datenlast zu stemmen. Förderprojekte zeigen: KI steigert nicht nur die Effizienz, sondern bringt auch ökologische Vorteile. Im verarbeitenden Gewerbe sank der Materialfußabdruck durch KI-Einsatz um durchschnittlich 15 Prozent, der CO2-Ausstoß um 16 Prozent. Die Investitionen amortisieren sich meist innerhalb von zwei bis drei Jahren.

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Auch außerhalb der EU gewinnt das Thema Fahrt. In der Schweiz integrieren bereits 31 von 47 großen börsennotierten Unternehmen Nachhaltigkeitsaspekte fest in ihren Geschäftsbericht. Fast alle lassen diese Berichte extern prüfen.

Südkorea zog zeitgleich mit einem verbindlichen Fahrplan nach. Ab 2028 müssen große Firmen mit über 10 Billionen Won Vermögen ihre ESG-Daten melden. Bis 2030 soll die Pflicht auf alle Unternehmen mit mehr als 2 Billionen Won ausgeweitet werden. Eine dreijährige Schonfrist erleichtert den Einstieg – bei Fehlern drohen keine Sanktionen, solange kein Vorsatz vorliegt.

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