Erzeugerpreise steigen im September um 6,7 Prozent
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 08:10 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSPreisbewegungen bei Energie und Vorleistungen
- Die Energiepreise stiegen im September gegenüber August 2026 um 5,8 Prozent.
- Metalle verteuerten sich binnen Jahresfrist um 14,0 Prozent, Kupfer und Halbzeug daraus um 31,4 Prozent.
- Bei Verbrauchsgütern sanken die Nahrungsmittelpreise insgesamt um 4,1 Prozent.
Erzeugerpreise steigen auf breiter Front
Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte in Deutschland sind im September 2026 um 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Das Statistische Bundesamt teilte am Dienstag mit, dass dies der stärkste Anstieg seit März 2023 war; gegenüber August legten die Preise um 1,9 Prozent zu.
Energie treibt den Jahresvergleich
Hauptgrund für den Anstieg waren die Energiepreise, die 14,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats lagen. Ohne Energie erhöhten sich die Erzeugerpreise um 3,2 Prozent gegenüber September 2025 und um 0,1 Prozent gegenüber August.
Mineralölerzeugnisse verteuerten sich binnen Jahresfrist um 51,3 Prozent, Rohbenzin um 53,8 Prozent, leichtes Heizöl um 91,8 Prozent und Kraftstoffe um 48,6 Prozent. Erdgas kostete 15,0 Prozent mehr, Strom 8,2 Prozent; Fernwärme wurde um 0,5 Prozent günstiger.
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Vorleistungsgüter werden teurer
Die Preise für Vorleistungsgüter lagen 6,4 Prozent über dem Vorjahresniveau und stiegen gegenüber August um 0,2 Prozent. Metalle verteuerten sich um 14,0 Prozent, darunter Kupfer und Halbzeug daraus um 31,4 Prozent; Edelmetalle kosteten 26,5 Prozent mehr.
Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen wurden 8,4 Prozent teurer, Betonstahl 7,0 Prozent. Chemische Grundstoffe verteuerten sich um 11,3 Prozent, Düngemittel um 8,9 Prozent. Holz sowie Holz- und Korkwaren kosteten 7,1 Prozent mehr, Pellets, Briketts und Scheite 38,5 Prozent mehr.
Investitionsgüter steigen moderat
Investitionsgüter waren im September 2,4 Prozent teurer als ein Jahr zuvor und 0,1 Prozent teurer als im August. Maschinen kosteten 2,1 Prozent mehr, Kraftwagen und Kraftwagenteile 2,0 Prozent.
Gebrauchsgüter verteuerten sich binnen Jahresfrist um 2,2 Prozent und gegenüber August um 0,2 Prozent. Bei Verbrauchsgütern gingen die Preise dagegen um 1,8 Prozent zum Vorjahr zurück und stiegen um 0,2 Prozent zum Vormonat.
Lebensmittelpreise entwickeln sich uneinheitlich
Die Nahrungsmittelpreise insgesamt sanken gegenüber September 2025 um 4,1 Prozent. Butter wurde 34,8 Prozent günstiger, Schweinefleisch 13,9 Prozent und Rindfleisch 9,9 Prozent.
Pflanzliche Öle verteuerten sich dagegen um 14,5 Prozent, Zucker um 4,1 Prozent. Papier, Pappe und Waren daraus kosteten 1,6 Prozent mehr; Futtermittel für Nutztiere verteuerten sich um 8,8 Prozent.
Die Erzeugerpreisdaten zeigen damit einen starken, vor allem energiegetriebenen Anstieg am Beginn der industriellen Preiskette, während sich die Entwicklung bei Verbrauchsgütern und Lebensmitteln deutlich differenziert.
Der Anstieg der deutschen Erzeugerpreise markiert einen deutlichen Kostenschub am Beginn der Wertschöpfungskette. Besonders stark wirkt der Energiekanal: Mineralölerzeugnisse, Erdgas und Strom verteuern sich, wodurch energieintensive Unternehmen höhere Produktionskosten tragen. Diese Kosten können sich zeitversetzt auf Großhandels- und Verbraucherpreise auswirken, müssen aber nicht vollständig weitergegeben werden.
Die Entwicklung ist zugleich nicht in allen Warengruppen gleich. Metalle, chemische Grundstoffe, Holz und bestimmte Brennstoffe verteuern sich deutlich, während Verbrauchsgüter insgesamt günstiger sind. Der Rückgang bei Nahrungsmitteln, insbesondere bei Butter und Fleisch, dämpft den Preisdruck für private Haushalte teilweise.
Auswirkungen auf Unternehmen und Haushalte
Für Unternehmen verschärfen steigende Energie- und Vorleistungskosten die Kalkulation, vor allem in Industrie, Bau, Chemie und verarbeitenden Branchen. Höhere Erzeugerpreise können Margen belasten oder zu späteren Verkaufspreisanhebungen führen. Für Haushalte ist entscheidend, ob der Energiepreisschub auf Strom, Heizung, Kraftstoffe und Waren durchschlägt.
Die aktuelle Entwicklung steht zudem im Zusammenhang mit einer europaweiten Energieverteuerung. Ein Euronews-Bericht beschreibt für September einen starken Anstieg der Energiepreise im Euroraum und verweist auf Belastungen für energieintensive Branchen. Der Deutschlandfunk ordnet die hohen Energiepreise als Grund für eine weiterhin erhöhte deutsche Inflationsrate ein.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: „Nahost-Krieg verteuert Europas Alltag: Energiepreise steigen um fast 19 Prozent“ (19.10.2026)
Der Beitrag stellt die Energiepreise als zentralen Treiber der Teuerung in Europa heraus und beschreibt Belastungen für energieintensive Branchen. Er setzt den deutschen Erzeugerpreisanstieg in einen europäischen Kontext, behandelt aber nicht die einzelnen deutschen Warengruppen.
Deutschlandfunk: „Rekordpreise für Energie - Bundesbank rechnet mit hoher Inflationsrate bis ins nächste Jahr“ (19.10.2026)
Der Beitrag verbindet hohe Energiepreise mit einer erhöhten deutschen Inflationsrate und blickt auf die weitere Entwicklung. Anders als die dts-Meldung liegt der Schwerpunkt auf den Folgen für die Verbraucherpreise und der Einschätzung der Bundesbank.
Beide Beiträge betonen die Bedeutung der Energiepreise. Unterschiede bestehen vor allem beim Blickwinkel: Der Euronews-Bericht vergleicht Europa, während der Deutschlandfunk die deutsche Inflationsperspektive hervorhebt.
