Ergonomie, Arbeitsplatz

Ergonomie am Arbeitsplatz: 613 Minuten Sitzen täglich in Deutschland

Veröffentlicht: 10.07.2026 um 20:10 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Immer mehr Firmen setzen auf Exoskelette und Roboter, um Beschäftigte zu schonen. Gewerkschaften fordern derweil Anpassungen bei der Rente für körperlich schwer arbeitende Berufe.

Exoskelette und Robotik: Technik entlastet Arbeiter im Job
Ein Bauarbeiter trägt ein fortschrittliches Exoskelett auf einer modernen Baustelle und hebt schwere Materialien. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Immer mehr Betriebe setzen auf Exoskelette, Robotik und ergonomische Hilfsmittel, um ihre Mitarbeiter zu entlasten. Gleichzeitig fordern Gewerkschaften Anpassungen der Rente für körperlich hart arbeitende Berufe.

Hilfe vom Rücken

Auf einer Baustelle in Esslingen zeigte sich am 7. Juli, wie moderne Technik Handwerkern den Alltag erleichtert. Exoskelette des Herstellers SUITX by Ottobock kamen zum Einsatz. Betriebe wie Schühle Abdichtungen nutzen die Systeme bereits, um Mitarbeiter bei belastenden Tätigkeiten zu unterstützen.

Auch in der Solar- und Energietechnik sind solche Helfer gefragt. Das Unternehmen hTRIUS aus Horb hat mit dem Modell BionicBack ein Rücken-Exoskelett entwickelt. Es hilft beim Heben und Bücken – und ist in einer neuen Variante mit Absturzsicherungen kompatibel.

Roboter übernehmen schwere Arbeit

Doch nicht nur am Körper der Arbeiter, auch als autonome Helfer hält die Technik Einzug. In Frankfurt bohren zwei Bauroboter von fischer rund 16.000 Löcher für Deckenpaneele in einem Bürogebäude. Fertigstellung ist 2027.

In Baden-Württemberg wurde zudem ein Malerroboter von ConBotics getestet – auf einer Baustelle in Weil am Rhein. Der Roboter unterstützt beim Farbauftrag, die Steuerung und Materialversorgung bleiben aber in menschlicher Hand.

Leichtere Werkzeuge, gesündere Arbeitsplätze

Auch in der Produktion geht der Trend zur Ergonomie. IBD Wickeltechnik hat eine Spannwelle aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff entwickelt. Sie ist bis zu 60 Prozent leichter als Stahlmodelle und hält manuelle Rollenwechsel innerhalb ergonomischer Grenzwerte.

Der Automobilzulieferer AUMOVIO setzt am Standort Frankfurt auf gesundheitsfördernde Maßnahmen in der Schichtarbeit. Dazu gehören Parcours-Schulungen mit Virtual-Reality-Anwendungen.

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Neuroergonomie im Büro

Das Problem betrifft nicht nur Handwerker und Arbeiter. Laut DKV-Report 2025 sitzen Menschen in Deutschland durchschnittlich 613 Minuten pro Tag. Die volkswirtschaftlichen Kosten durch Rückenbeschwerden sind enorm.

Experten beobachten einen Trend zu neuroergonomischen Sitzsystemen. Sie aktivieren den sensomotorischen Regelkreis. Prognosen zufolge könnte der weltweite Markt für ergonomische Büromöbel bis 2027 ein Volumen von rund 94 Milliarden US-Dollar erreichen.

Behörden prüfen, Gewerkschaften fordern

Die Arbeitsbedingungen in körperlich fordernden Branchen stehen unter Beobachtung. Die niederländische Arbeitsinspektion startete im Juli ein landesweites Projekt. Rund 120 Hotels werden auf physische Belastung und Arbeitssicherheit überprüft – besonders beim Reinigungspersonal.

In Deutschland warnt die IG BAU vor den Folgen der alternden Belegschaft. In Krefeld sind von 1.860 Bauarbeitern nur 90 älter als 63 Jahre. In Hannover liegt das Verhältnis bei 550 zu 13.100.

Die Gewerkschaft fordert einen flexibleren Rentenzugang für körperlich Belastete. Das Rentenniveau dürfe nicht unter 48 Prozent sinken. In den kommenden zehn Jahren gehen allein in Hannover rund 170.500 Babyboomer in den Ruhestand.

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Inklusion durch Anpassung

Dass ergonomische Maßnahmen auch nach Unfällen die Rückkehr in den Beruf ermöglichen, zeigt das Beispiel Lumberg. Nach einem privaten Unfall im Juli 2022 baute der Betrieb die Geschäftsräume barrierefrei um – mit Unterstützung der Agentur für Arbeit. Sanitäranlagen, Rettungswege und Aufzüge wurden angepasst, damit der Konstrukteur im Rollstuhl arbeiten kann.

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