Entgelttransparenz, Bundesregierung

Entgelttransparenz: Bundesregierung verpasst EU-Frist zum 7. Juni

09.06.2026 - 16:49:20 | boerse-global.de

Die Bundesregierung hat die Frist zur Umsetzung der EU-Richtlinie verstreichen lassen. Unternehmen drohen nun rechtliche Konsequenzen.

EU-Entgelttransparenz: Deutschland verpasst Umsetzungsfrist
Entgelttransparenz - Eine Gruppe von Frauen in Anzügen sitzt an einem Konferenztisch, einige diskutieren, andere schauen auf einen Tablet-Computer. 09.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Seit dem 7. Juni 2026 hätte das Gesetz in nationales Recht überführt sein müssen. Passiert ist nichts.

Verzug bei gesetzlichen Transparenzpflichten

Ein entsprechendes Umsetzungsgesetz liegt in Deutschland bisher nicht vor. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) und der Deutsche Juristinnenbund (djb) warnen vor einem Vertragsverletzungsverfahren durch die Europäische Kommission.

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Die Regierung plant die nationale Inkraftsetzung nun für Anfang 2027. Erste Berichtspflichten für Unternehmen würden dann voraussichtlich erst ab Juni 2028 greifen.

Die Richtlinie verlangt von Arbeitgebern mit mehr als 250 Beschäftigten jährliche Berichte zu Entgeltunterschieden zwischen den Geschlechtern. Liegt eine unbegründete Lohnlücke von über fünf Prozent vor, müssen Betriebe innerhalb eines halben Jahres Korrekturmaßnahmen ergreifen.

Da die Frist bereits abgelaufen ist, können sich Beschäftigte im öffentlichen Dienst ab sofort unmittelbar auf die Richtlinie berufen.

Stagnation in den europäischen Chefetagen

Die Verzögerung fällt mit ernüchternden Daten zur Geschlechterverteilung zusammen. Ein aktuelles Ranking der 500 größten Unternehmen in Europa zeigt: Nur 38 Konzerne werden von einer Frau geführt – ein Anteil von 7,6 Prozent.

Unter den weltweit 100 einflussreichsten Frauen stammen derzeit 20 aus Europa. Zu den profilierten Führungspersönlichkeiten zählen Ana Botín (Banco Santander), Catherine MacGregor (ENGIE) und Estelle Brachlianoff (Veolia).

Auch Anna Borg (Vattenfall), Marta Ortega Perez (Inditex) und Meg O'Neil (BP) besetzen Spitzenpositionen. Analysten betonen: Die Sichtbarkeit von Frauen in Führungsstrukturen bleibt ein zentrales Thema internationaler Wirtschaftskonferenzen.

Kritik von Gewerkschaften und Fachverbänden

IG Metall und djb üben deutliche Kritik am Vorgehen der Bundesregierung. Die djb-Präsidentin Susanne Baer bezeichnet die systematische Schlechterbezahlung von Frauen als anhaltenden Missstand.

Es bestehe ein einklagbarer Anspruch auf Entgeltgleichheit, den die Richtlinie absichern solle. Die IG Metall fordert eine ambitionierte Umsetzung, um Rechtssicherheit für Unternehmen und Beschäftigte zu schaffen.

In der Schweiz zeigt eine aktuelle UBS-Studie zudem die wirtschaftliche Perspektive von Frauen: 57 Prozent der Befragten priorisieren finanzielle Sicherheit vor Rendite. Über die Hälfte sorgt sich um die Altersvorsorge.

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Veränderungen in deutschen Vorständen

Während die politische Debatte um Quoten und Transparenz anhält, vollziehen sich personelle Wechsel. Bei der Jenoptik AG – Umsatz 2025: 1.046 Millionen Euro – wurde auf der Hauptversammlung die künftige Leitung thematisiert.

Dr. Dominic Dorfner übernimmt zum 1. August 2026 den Vorstandsvorsitz. Im Bereich der Vereinsführung wurde zudem Dr. Jörg Biastoch als Präsident des 1. FC Magdeburg bestätigt.

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