Energielabel, Rechenzentren

Energielabel für Rechenzentren: EU kennzeichnet Anlagen ab 500 kW

Veröffentlicht: 08.07.2026 um 19:35 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die EU-Kommission verpflichtet große Rechenzentren zu einem Energielabel. Deutschland lockert parallel seine Effizienzgrenzwerte.

EU führt Energielabel für Rechenzentren ab Juli 2026 ein
Energielabel - Ein futuristisches, leuchtendes elektronisches Energielabel als Hologramm auf Server-Racks in einem modernen Rechenzentrum. 08.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Kennzeichnung gilt für Anlagen mit einer IT-Leistung ab 500 Kilowatt. Hintergrund: Cloud-Dienste und KI-Anwendungen treiben den Energiebedarf massiv in die Höhe.

Neue Kennzahlen für Nachhaltigkeit

Das Label basiert auf mehreren technischen Kennzahlen. Dazu gehören die Power Usage Effectiveness (PUE), die Water Usage Effectiveness (WUE), der Energy Reuse Factor (ERF) und der Renewable Energy Factor (REF). Der EU-Durchschnitt beim PUE-Wert liegt derzeit bei 1,36. Der Anteil der Energie-Wiederverwendung erreicht im Schnitt lediglich 1,8 Prozent.

Besonders KI-Server treiben den Strombedarf nach oben. Ein einzelner KI-Server benötigt drei- bis zehnmal mehr Energie als herkömmliche Systeme. Das zeigt sich auch in den Bilanzen der Tech-Konzerne: Googles Stromverbrauch stieg 2025 um 37 Prozent auf 43,6 Millionen Megawattstunden – etwa der Jahresverbrauch Griechenlands.

Deutschland lockert Effizienzvorgaben

Parallel zu den EU-Plänen passt Deutschland sein Energieeffizienzgesetz an. Eine Novelle von 2026 lockert die PUE-Grenzwerte: Ab Juli 2027 sind maximal 1,6 erlaubt, statt ursprünglich geplanter 1,5. Ab Juli 2030 gilt ein Grenzwert von 1,4 (zuvor 1,3). Die Schwelle für verpflichtende Energiemanagementsysteme stieg von 7,5 auf 23,6 Gigawattstunden.

Deutsche Rechenzentren und kleinere IT-Installationen verbrauchten 2025 insgesamt 21,3 Milliarden Kilowattstunden. Betreiber setzen daher auf optimierte Workload-Verteilungen, energieeffiziente Chip-Architekturen wie ARM-Prozessoren und bessere Kühltechniken.

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Microsoft investiert, andere ziehen sich zurück

Trotz strengerer Transparenzvorgaben bleibt der Markt in Bewegung. Microsoft plant ein viertes KI-Rechenzentrum in Grevenbroich (NRW) – Investition: hoher dreistelliger Millionen- bis Milliardenbereich. Drei weitere Projekte in der Region sind bereits in der Umsetzung, der Betrieb soll Anfang der 2030er Jahre starten.

Andernorts scheitern Vorhaben: In Babenhausen zog sich Investor Stack Infrastructure von einem Projekt auf einem ehemaligen Industriegelände zurück. Grund: langwierige Prozesse und Forderungen der Kommunalpolitik nach jährlichen Garantiezahlungen.

Flankiert werden die Energie-Vorgaben vom „European Tech Sovereignty Package“ der EU-Kommission. Es umfasst den Cloud and AI Development Act (CADA) und eine Digitalisierungsstrategie für das Energiesystem. Ziel: weniger Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern. Ein Abschluss der Gesetzgebungsverfahren wird frühestens Ende 2027 erwartet.

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Hardware-Innovationen gegen Kostendruck

Die Hersteller reagieren auf den steigenden Platz- und Kostendruck. Anfang Juli 2026 wurden kompakte Einzelschrank- und Rack-Mount-Varianten neuer Server-Generationen angekündigt. Sie sind ab Mitte August verfügbar und zielen auf geschäftskritische Transaktionen und KI-Inferenz ab. Zudem entwickeln Hersteller Prototypen für Chips, die durch vertikales Stapeln von Transistoren eine höhere Energiedichte und Effizienz erreichen sollen.

Gleichzeitig gibt es Entlastung bei der EU-Compliance: Das „Omnibus-I-Vereinfachungspaket“ von 2026 soll die Berichtspflichten im Rahmen der Nachhaltigkeitsberichterstattung (ESRS 2.0) ab dem Geschäftsjahr 2027 um bis zu 60 Prozent reduzieren. Das senkt die administrativen Kosten für Unternehmen.

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