Emissionshandel: 40 Konzerne fordern Reform – 5 Millionen Jobs gefährdet
17.06.2026 - 20:27:10 | boerse-global.de
schlagen Alarm. In einem Brandbrief an EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen fordern 40 europäische Schwerindustrien eine grundlegende Reform des Emissionshandels (ETS). Ohne Kurskorrektur drohe eine Deindustrialisierung Europas.
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Milliardenrisiko für Stahl und Chemie
Die Konzerne warnen vor Produktionsverlagerungen ins Ausland, Werksschließungen und massiven Arbeitsplatzverlusten. Der Grund: Die Kosten für CO2-Zertifikate explodieren. Während ein Zertifikat in der EU rund 80 Euro kostet, liegt der Preis in China bei gerade einmal zehn Euro. „Europa macht einen klimapolitischen Alleingang", so der Tenor der Unterzeichner.
Besonders hart trifft es die Stahlbranche. Die drei größten Produzenten ArcelorMittal, Thyssenkrupp Steel und Voestalpine – zusammen für 60 Prozent der europäischen Stahlproduktion verantwortlich – rechnen mit einem Kostenschub von bis zu 50 Prozent bis 2030. Die Folge: ein Rückgang der stahlintensiven Produktion um 30 bis 40 Prozent. Fünf Millionen Arbeitsplätze könnten verloren gehen.
Die Stahlriesen fordern eine temporäre Aussetzung der Kostensteigerungen im ETS. Erst wenn die Dekarbonisierung wirtschaftlich machbar sei, solle das System wieder hochgefahren werden.
Chemie und Keramik unter Druck
Auch andere Branchen ächzen unter den steigenden Kosten. Neue Benchmarkwerte der EU-Kommission bescheren der Chemieindustrie ab diesem Jahr jährliche Zusatzkosten in dreistelliger Millionenhöhe, so der Verband der Chemischen Industrie (VCI). Der Keramikverband Cerame-Unie erwartet für 2026 Mehrkosten von über 500 Millionen Euro. Glas- und Zementindustrie sind ebenfalls betroffen.
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Politische Unterstützung – aber nicht von allen
Portugals Energieministerin Maria da Graça Carvalho stellt sich hinter die Industrie. Sie fordert die EU-Kommission auf, die geplanten Kürzungen kostenloser CO2-Zertifikate bis 2030 zu überdenken – und schlägt einen vorübergehenden Stopp vor.
Doch innerhalb der Arbeitnehmerschaft gibt es Widerstand. Die IG Metall warnt: Ein Aufweichen der Klimaziele wäre ein ökologischer und ökonomischer Rückschritt. Die EU-Kommission will ihre Revisionsvorschläge zum Emissionshandel im Juli vorlegen. Der Druck aus der Industrie dürfte bis dahin nicht nachlassen.
