EM Stocks Review: Asien - Panik in Thailand bleibt aus
Veröffentlicht: 21.09.2006 um 15:24 Uhr, Redaktion AD HOC NEWS, Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller (Chefredaktion)
An den asiatischen Börsen ging es heute trotz des Staatsstreichs in Thailand unterm Strich wieder bergauf. Positiv wurde insbesondere die anhaltende Schwäche der Rohölnotierungen vermerkt, die die Gewinne der großen Konzern in der Regel steigern dürfte. Auch sollten niedrigere Energiekosten die Kauflust der Konsumenten stimulieren und dem globalen Inflationsdruck entgegenwirken. Dies wiederum dürfte die Notenbanken der Welt dazu animieren, die Zinsen nicht so stark zu erhöhen, wie dies möglicherweise zu befürchten gewesen wäre.
Die Tatsache, dass die FED den Leitzins in den USA am Vortag bei 5,25 Prozent belassen hat, schien hier gut ins Bild zu passen. Zwar hatten die US-Notenbanker naturgemäß darauf hingewiesen, dass die Gefahr zu hoher Preissteigerungsraten noch nicht gebannt sei. Dennoch sahen viele Akteure die bereits zweite Zins-Pause als Indiz dafür an, dass die Straffung der amerikanischen Geldpolitik wahrscheinlich zu ihrem Ende gekommen ist.
Der unblutigen Machtübernahme in Thailand wiederum wurde an den asiatischen Märkten relativ wenig Bedeutung beigemessen. Analysten rieten sogar verschiedentlich dazu, einen möglichen Rückschlag am dortigen Aktienmarkt zum Neueinstieg zu nutzen, da die dortigen Titel nach wie vor günstig bewertet seien. Das Militär, das in der Nacht auf den Mittwoch Ministerpräsident Thaksin gestürzt hat, will eigenen Angaben zufolge die Regierungsgewalt bald wieder an ein neu zu wählendes Parlament übertragen. Der Staatsstreich wurde mit der „Korruption“ begründet, die unter der Regierung Thaksin um sich gegriffen habe. Diese hatte außerdem bereits vor einem halben Jahr das Parlament auflösen lassen.
In Japan konnte sich der Nikkei 225 um 0,74 Prozent auf 15.834 Punkte verbessern. Bridgestone legten um 3,3 Prozent zu, da am Markt davon ausgegangen wird, dass der Putsch in Thailand die dortige Kautschuk-Produktion nicht beeinträchtigen werde. Toyota Motor konnten sich um 1,8 Prozent verbessern. Der Autobauer hatte gestern seine Gewinnprognosen angehoben und einen optimistischen mittelfristigen Ausblick abgegeben.
In Taiwan stieg der TAIEX um 0,18 Prozent auf 6889 Punkte. Hierbei konnten die Chiptitel von den guten Vorgaben der Halbleiterwerte aus den USA profitieren. So gewannen Taiwan Semiconductor 1,0 Prozent und United Microelectronics 0,54 Prozent hinzu. China Airlines stiegen angesichts niedriger Ölpreise um 0,35 Prozent. Der übrige Markt entwickelte sich dagegen vergleichsweise schwach. So mussten etwa Acer einen Abschlag von 0,7 Prozent hinnehmen. BenQ gaben 0,83 Prozent ab. Zuvor war gemeldet worden, dass der Konzern in der verlustbringenden Handy-Sparte die Produktion ausgliedern wolle.
Der koreanische Kospi gab sogar 0,05 Prozent auf 1365 Stellen ab. Dabei zeigten sich die Investoren vor allem im Bankensektor zurückhaltend, für den allgemein ein deutlich abflachendes Gewinnwachstum erwartet wird. Zudem rechnen die Ökonomen auch für die Wirtschaftsentwicklung insgesamt mit niedrigeren Wachstumsraten im zweiten Halbjahr. Unter den Blue Chips mussten Samsung Electronics und Hyundai Motor jeweils Abschläge von 0,3 Prozent und 1,19 Prozent hinnehmen. Dagegen konnten sich Korean Air um 3,88 Prozent verbessern; die Titel des stark vom Ölpreis abhängigen Versorgers Korea Electric Power legten um 1,07 Prozent zu.
Der Hang Seng Index in Hongkong konnte sich dagegen um 0,61 Prozent auf 17.619 Punkte verbessern und erreichte damit das höchste Schlussniveau seit sechs Jahren. Dabei gewannen die Titel des weltgrößten Schuh-Produzenten Yue Yuen Industries nach erfreulichen Zahlen 4,38 Prozent hinzu. China Mobile stiegen um weitere 2,59 Prozent; China Unicom legten um 3,86 Prozent zu. Lenovo Group erholten sich um 0,53 Prozent. Dagegen gaben die Papiere von CNOOC ölpreisbedingt weitere 1,69 Prozent ab.
An der Börse in Bangkok, wo der Handel nach dem gestrigen Putsch heute wieder geöffnet worden war, blieb eine Panik aus. Der SET gab lediglich 1,4 Prozent auf 692 Punkte ab. Dabei wurden vor allem die Titel jener Firmen verkauft, die mit der Familie des gestürzten Ministerpräsidenten Thaksin in Verbindung stehen. So verbilligten sich Shin Corp um 5,7 Prozent; die Papiere der Mobilfunkgesellschaft Advanced Info Service gaben 2,7 Prozent ab. Die Aktien des Satelliten-Betreibers Shin Satellite rutschten um 13 Prozent ab.
Gerhard Heinrich
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