EM Stocks Review: Asien - Nordkoreas Atomwaffentest belastet
Veröffentlicht: 09.10.2006 um 14:21 Uhr, Redaktion AD HOC NEWS, Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller (Chefredaktion)
Die asiatischen Aktienmärkte gerieten heute spürbar unter Druck, nachdem Nordkorea - wie angekündigt – am Wochenende erstmals einen Kernwaffentest unternommen hat. Die Reaktionen der Nachbarländer fielen erwartungsgemäß wenig freundlich aus. Vertreter der Volksrepublik China nannten den Schritt eine „Dreistigkeit“; Japan forderte in einer Stellungnahme von der Weltgemeinschaft eine umgehende und „entschlossene“ Reaktion.
Die USA hatten bereits in der vergangenen Woche angekündigt, dass die Welt „nicht mehr die Selbe“ sein werde, falls sich das kommunistische Regime gegen den Widerstand der internationalen Staatengemeinschaft zur Zündung einer Atomwaffe entschließen sollte. Nordkorea dagegen hatte sein Atomwaffenprogramm zuletzt mit den „zunehmend aggressiveren Drohungen“ der Vereinigten Staaten begründet. Die Spannungen um das renitente Land dürften sich nun zunehmend verfestigen. Pessimistische Beobachter sehen jetzt eine ernste Krise mitten im boomenden ostasiatischen Raum heraufdämmern.
Besonders stark in Mitleidenschaft gezogen wurde durch dieses Geschehen naturgemäß der Aktienmarkt im Nachbarland Südkorea. Dort sackte der Kospi vorübergehend um bis zu 3,6 Prozent nach unten, bevor er dann mit einem Abschlag von 2,4 Prozent bei 1319,4 Punkten zum Stehen kam. Dabei stand der Markt auf ganzer Breite unter Druck; insbesondere die Titel von Unternehmen der Binnenwirtschaft gingen stark nach unten. So schlitterten Ssangyong Cement um 8,37 Prozent abwärts; Hyundai Engineering gingen um 6,24 Prozent nach unten. Korean Air verloren 5,59 Prozent. Hier befürchteten die Anleger, dass eine nachhaltige Krise den regionalen Tourismus stark beeinträchtigen könnte. Hyundai Motor gaben 1,52 Prozent ab. Erstaunlich robust präsentierten sich Pohang Iron & Steel mit einem Zuschlag von 0,63 Prozent. Der Stahlkonzern wird im Laufe dieser Woche Zahlen vorlegen.
In Hongkong verlor der Hang Seng Index 1,27 Prozent auf 17.675 Zähler. Hier lastete zudem noch der baldige Börsengang der Industrial & Commercial Bank of China auf der Entwicklung. Es dürfte sich dabei um das größte IPO aller Zeiten handeln, dass vorerst spürbar Liquidität vom Markt abziehen wird. Den Einfluss des Nordkorea-Themas hielten die Analysten dagegen verschiedentlich für begrenzt. Stattdessen hofft man in Hongkong sogar insgeheim, dass das internationale Publikum sein Kapital von den stärker betroffenen Märkten in Japan und Südkorea abziehen und vermehrt im „sicheren Hafen“ Hongkong investieren werde. Besonders schwach entwickelten sich heute die Papiere von China Mobile, die 2,17 Prozent abgaben. Hier wird mit neuen Verordnungen der chinesischen Regulierungsbehörde gerechnet, die kleinere Mobilfunkanbieter begünstigen dürften. Auch der Immobilien- und Bankensektor tendierte nach unten. Hier verbilligten sich etwa Sun Hung Kai Properties um 1,03 Prozent; HSBC gaben 1,44 Prozent und Bank of East Asia 1,84 Prozent ab.
Auch in Australien blieben die Marktteilnehmer zurückhaltend. Der S&P/ASX 200 gab 0,2 Prozent auf 5208 Stellen ab. Dabei verloren die Papiere von Telstra 1,3 Prozent, nachdem die Regierung bekannt gegeben hat, 2,15 Milliarden Titel in zwei Tranchen auf den Markt werfen zu wollen. Die Titel des Medizintechnikers Visions Systems sprangen dagegen um 10,3 Prozent nach oben, nachdem der US-Konkurrent Danaher ein Übernahmeangebot abgegeben hat. Die Papiere des Uran-Förderers Mantra Resources zogen an ihrem ersten Handelstag von 0,20 auf 0,28 A$ an.
In Japan und Taiwan blieben die Börsen feiertagsbedingt geschlossen.
Gerhard Heinrich
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