Elternunterhalt, Bundesregierung

Elternunterhalt: 100.000-Euro-Grenze soll komplett fallen

Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 12:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Bundesregierung verschärft Sozialleistungen: Neue Grundsicherung mit Sanktionen, Wohngeldkürzungen drohen und der Elternunterhalt wird ausgeweitet.

Sozialreformen 2026: Grundsicherung, Wohngeld und Elternunterhalt im Umbau
Schreibtisch mit Taschenrechner und Finanzunterlagen als Symbol für staatliche Leistungen und Unterhaltszahlungen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Bundesregierung hat weitreichende Sozialreformen auf den Weg gebracht. Das Bürgergeld ist Geschichte, das Wohngeld steht vor einem massiven Umbau und auch beim Elternunterhalt drohen Verschärfungen. Ein Überblick über die wichtigsten Änderungen.

Neue Grundsicherung ersetzt Bürgergeld

Seit dem 1. Juli 2026 gilt in Deutschland eine neue Grundsicherung. Die Regelsätze bleiben zunächst stabil: Alleinstehende erhalten weiterhin 563 Euro pro Monat, Partner in einer Bedarfsgemeinschaft 506 Euro. Für Kinder und Jugendliche sind gestaffelte Sätze zwischen 357 und 471 Euro vorgesehen. Der Anpassungsmechanismus wurde allerdings auf das Niveau vor der Corona-Pandemie zurückgeführt.

Deutlich verschärft wurden die Sanktionsmöglichkeiten. Bei Pflichtverletzungen im Rahmen des verbindlicheren Kooperationsplans droht eine Kürzung des Regelbedarfs um 30 Prozent – bei Alleinstehenden entspricht das 169 Euro. Wer Termine versäumt, muss ab dem zweiten Mal mit Abzügen rechnen, im Wiederholungsfall ist sogar der komplette Leistungsentzug möglich. Die Regelungen zur Förderung schwer erreichbarer junger Menschen zwischen 15 und 25 Jahren greifen erst im August 2027.

Wohngeld-Reform: Millionen Haushalte bangen

Das Bundeskabinett hat Anfang Juli einen Gesetzentwurf beschlossen, der zum 1. Januar 2027 Milliarden einsparen soll. Kernpunkte: eine neue Berechnungsformel und die Halbierung der Heizkostenkomponente. Schätzungen zufolge könnte etwa ein Drittel der aktuell berechtigten Haushalte den Anspruch verlieren. Zudem soll die Dynamisierung der Leistung ausgesetzt werden. Sozialverbände und Opposition laufen bereits Sturm.

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Parallel wird über eine Reform des Unterhaltsvorschusses diskutiert. Rund 1,62 Millionen Alleinerziehende leben in Deutschland, die meisten von ihnen Frauen. Da viele unterhaltspflichtige Väter nicht oder nur unregelmäßig zahlen, ist der staatliche Vorschuss für viele Familien existenziell. Die Familienministerin plant Anpassungen – auch Kürzungen sind im Gespräch. Eine im Koalitionsvertrag versprochene Entlastung durch die Halbierung der Kindergeldanrechnung wird nach aktuellem Stand nicht umgesetzt.

Elternunterhalt: Grenze soll fallen

Ein Referentenentwurf zum Pflegeneuordnungsgesetz sieht vor, die seit Januar 2020 geltende Einkommensgrenze von 100.000 Euro beim Elternunterhalt zu streichen. Bisher müssen Kinder erst ab diesem bereinigten Bruttoeinkommen für die Pflegekosten ihrer Eltern aufkommen. Fällt die Grenze, würde die Unterhaltspflicht bereits ab einem Nettoeinkommen von 2.650 Euro pro Monat geprüft.

Die Pflegebevollmächtigte Katrin Staffler und verschiedene Verbände lehnen eine vollständige Streichung ab. Der Druck wächst: Die durchschnittliche Eigenbeteiligung für einen Heimplatz stieg bis Juli 2026 auf 3.364 Euro monatlich – ein Plus von 256 Euro gegenüber dem Vorjahr.

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Krankengeld sinkt, Sozialabgaben steigen

Ende Juli wurde eine Reform des Krankengelds im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Ab Januar 2027 sinkt die Leistung auf 60 Prozent (67 Prozent für Versicherte mit Kindern), falls das Arbeitsverhältnis während einer Erkrankung endet. Ab 2028 soll zudem die teilweise Arbeitsunfähigkeit eingeführt werden.

Dazu kommen steigende Sozialabgaben: Analysen der Friedrich-Alexander-Universität zeigen, dass mittlere und höhere Einkommen trotz geplanter Steuerreformen ab 2027 stärker belastet werden. Der Rentenbeitrag soll bis 2028 auf 19,9 Prozent steigen, auch die Zusatzbeiträge in der Krankenversicherung dürften deutlich zulegen.

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