Elektrotechnik, DGUV

Elektrotechnik: DGUV lockert Prüfregeln – 335.000 Fachkräfte fehlen

Veröffentlicht: 19.07.2026 um 00:48 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Verschärfte Regeln und Milliardeninvestitionen erhöhen den Bedarf an Servicetechnikern. Der demografische Wandel verschärft die Personalsuche zusätzlich.

Fachkräftemangel trifft auf neue Prüfstandards für Elektroanlagen
Ein Servicetechniker prüft elektrische Schaltanlagen in einer modernen Industrieanlage, symbolisch für den Bedarf an qualifiziertem Personal. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der demografische Wandel verschärft die Personalsuche zusätzlich.

Flexiblere Prüfregeln – aber mehr Verantwortung

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hat Mitte Juli ihre Vorschriften 3 und 4 zur Prüfung elektrischer Anlagen überarbeitet. Künftig können Unternehmen Prüfintervalle betriebsspezifisch festlegen. Das macht die Vorgaben praxisnäher – erfordert aber hochqualifizierte Fachkräfte, die Risiken richtig einschätzen.

Jährlich ereignen sich rund 2.500 Arbeitsunfälle im Zusammenhang mit Strom, manche tödlich. Die neuen Regeln sollen das Schutzniveau halten, ohne Unternehmen zu überfordern.

Gleichzeitig steigt die technische Komplexität. Die Ed. Züblin AG und Geiger Bauwerksanierung gründeten Mitte Juli das Joint Venture capsys. Es kombiniert kathodischen Korrosionsschutz mit digitaler Sensorik – für eine nachhaltige Überwachung von Infrastrukturbauten.

Siemens, SR Technics und Co. suchen händeringend Personal

Mehrere Großkonzerne haben in den letzten Tagen massive Investitionen angekündigt. Siemens baut in Offenbach eine Fertigung für gasisolierte Schaltanlagen und investiert rund 300 Millionen Euro. Ab Frühjahr 2027 startet die Produktion im Drei-Schicht-Betrieb – bis 2030 sollen bis zu 700 neue Jobs entstehen.

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Auch andere Branchen ziehen nach:

  • Luftfahrt: SR Technics erweitert die Triebwerkswartung in Kloten und Bad Zurzach. Ab 2027 wartet das Unternehmen bestimmte Triebwerkstypen für Drittkunden.
  • Rüstung: Rolls-Royce Power Systems sucht rund 1.000 neue Mitarbeiter, die Hälfte davon in Friedrichshafen. Auch Hensoldt und Thales planen fast 2.000 zusätzliche Stellen. Die Folge: Fachkräfte wechseln verstärkt aus der Automobilindustrie in die Rüstung.
  • Klimatechnik: WISAG und TROX SE suchen Anlagenmechaniker und Fertigungsmonteure für Lüftungs- und Filtersysteme.

Demografische Lücke: 335.000 Fachkräfte fehlen

Die Regionalberichte der Arbeitsagenturen zeigen das ganze Ausmaß. In Schleswig-Holstein scheiden bis 2035 rund 335.000 Beschäftigte altersbedingt aus – eine Lücke von über 100.000 Fachkräften. In der Region Schweinfurt stehen in den nächsten fünf Jahren 90.000 Renteneintritten nur 70.000 Schulabgänger gegenüber.

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Die Agentur für Arbeit rät Unternehmen dringend, Ausbildungsplätze zu sichern und auf Förderinstrumente wie Sprachförderung oder Einstiegsqualifizierungen zu setzen.

Die Digitalisierung technischer Berufe könnte helfen. Die Stadtwerke Brühl betonen, dass die fortschreitende Digitalisierung der Netze die Anforderungen an Techniker verändert – aber auch neue Chancen bietet.

Dr. Helena Melnikov vom DIHK bewertet die jüngsten Reformbeschlüsse der Bundesregierung zur Entlastung von Berichtspflichten als Schritt in die richtige Richtung. Sie fordert jedoch weitreichendere Strukturreformen. Nur so lasse sich die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und die Fachkräftesicherung langfristig gewährleisten.

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