Elektroautos: TU-Studie belegt nur 41% CO2-Ersparnis gegenüber Verbrennern
Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 17:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bayerische Regierungsvertreter und Branchenexperten intensivieren die Debatte um die zukünftige Ausrichtung der europäischen Automobilpolitik. Markus Söder forderte von der Europäischen Union eine Abkehr vom geplanten Verbot von Verbrennungsmotoren und mahnte stattdessen eine umfassende Technologieoffenheit an. Er sprach sich gegen einseitige Verbote aus und plädierte für einen Kurs, der verschiedene Antriebsformen berücksichtigt.
Studie der TU München zieht Klimabilanz in Zweifel
Hintergrund der Forderungen sind unter anderem neue Erkenntnisse aus der Wissenschaft. Eine Studie der Technischen Universität München (TUM) mit dem Titel „Defossilisation statt Dekarbonisation“ kommt zu dem Ergebnis, dass Elektroautos derzeit nicht als klimaneutral eingestuft werden können.
Basierend auf der Auswertung von 19 Studien und 47 verschiedenen Szenarien reduzieren Elektrofahrzeuge den CO2-Ausstoß im Vergleich zu Verbrennern im Durchschnitt lediglich um 41 Prozent.
Die Autoren der TUM-Untersuchung kritisieren zudem die aktuelle Messmethodik der EU. Diese berücksichtige derzeit lediglich die Emissionen am Auspuff, während die gesamte Bilanz über den Lebenszyklus eines Fahrzeugs hinweg ignoriert werde. Laut der Erhebung werden im Jahr 2026 voraussichtlich noch 78 Prozent der Fahrzeugflotte aus Verbrennungsmotoren bestehen, was die Relevanz dieser Antriebsart unterstreicht.
TUM-Präsident Hofmann bezeichnete die gegenwärtige EU-Politik als Fehlsteuerung. Er forderte, dass die Bilanz des gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs zwingend berücksichtigt werden müsse, bevor im November die Abstimmung zum sogenannten Automobil-Paket der EU erfolgt.
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Wirtschaftliche Risiken für die Industrie
Neben ökologischen Aspekten rücken zunehmend ökonomische Konsequenzen in den Fokus der Diskussion. Eine Analyse der Fraunhofer-Gesellschaft weist auf erhebliche Risiken für den Arbeitsmarkt hin. Demnach könnten bis zum Jahr 2040 in der Automobilindustrie der EU rund 726.000 Arbeitsplätze wegfallen. Dies entspräche einem Rückgang von 45 Prozent der insgesamt 1,6 Millionen Stellen in diesem Sektor.
Markus Söder bekräftigte seine Ablehnung gegen ein pauschales Verbot von Verbrennungsmotoren bis 2035 bereits im Rahmen der Eröffnung der IAA. Er unterstrich die Bedeutung der Automobilbranche sowie des Maschinenbaus und der Chemieindustrie für die wirtschaftliche Substanz Deutschlands. Ein Wegfall dieser Schlüsselindustrien würde das Land seiner industriellen Basis berauben.
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Die Forderungen nach einer Korrektur des EU-Kurses erhalten Rückhalt aus der Branche und weiteren politischen Kreisen. VDA-Präsidentin Müller schloss sich der Position an und forderte ebenfalls Technologieoffenheit. Anstatt sich auf eine einzige Antriebsart festzulegen, müsse der Wettbewerb um die besten technischen Lösungen ermöglicht werden.
Auch auf politischer Ebene findet der Vorstoß Unterstützung. Der CDU-Politiker Gieseke erklärte seine Zustimmung zu den Forderungen Söders. Die Debatte verdeutlicht den wachsenden Druck auf die europäischen Entscheidungsträger, die Strategie zur Transformation des Verkehrssektors angesichts technischer und wirtschaftlicher Realitäten neu zu bewerten.
