Einkommensteuerreform: Kabinett beschließt 47%-Spitzensatz ab 280.000 Euro
Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 21:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Vorfeld der für den 02.09.2026 geplanten Entscheidung des Bundeskabinetts über die anstehende Einkommensteuerreform hat der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e.V. (BGA) deutliche Kritik an den Plänen der Bundesregierung geäußert.
BGA-Präsident Dirk Jandura bezeichnete den aktuellen Entwurf als eine verschenkte Chance für eine strukturelle Reform. Die vorgesehenen Maßnahmen reichten nicht aus, um die notwendigen wirtschaftlichen Impulse zu setzen.
Kritik an Steuerstufen und geringem Entlastungsvolumen
Ein zentraler Kritikpunkt des BGA liegt in der Ausgestaltung der Steuersätze. Jandura bemängelte insbesondere die geplante Einführung einer neuen Steuerstufe von 47 Prozent, die ab einem Einkommen von 280.000 Euro greifen soll. Zudem bleibe der Spitzensteuersatz von 45 Prozent bereits ab einer Schwelle von 250.000 Euro bestehen. Diese Progression belaste Leistungsträger und Unternehmen übermäßig.
Darüber hinaus bewertet der Verband das geplante Entlastungsvolumen als unzureichend. Für das Jahr 2027 sei lediglich eine Entlastung in Höhe von 1,55 Mrd. Euro vorgesehen.
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Im Gegenzug verwies der BGA-Präsident auf zusätzliche finanzielle Belastungen durch geplante Erhöhungen der Zucker-, Tabak- und Alkoholsteuer. Auch die Anhebung der Pauschsteuer für Minijobs von derzeit 2 Prozent auf künftig 5 Prozent stoße auf Unverständnis und werde die Flexibilität am Arbeitsmarkt einschränken.
Handwerk fordert Fokus auf Lohnzusatzkosten
Unterstützung für die kritische Haltung kommt vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). ZDH-Präsident Jörg Dittrich erklärte, dass die vorliegende Einkommensteuerreform insbesondere Personenunternehmen keine spürbare Entlastung bringe. Für das personalintensive Handwerk, das einen durchschnittlichen Lohnanteil von 60 Prozent aufweist und rund 6 Millionen Menschen beschäftigt, liege das Hauptproblem in den hohen Lohnzusatzkosten.
Laut Dittrich überschreiten die Sozialversicherungsbeiträge die politisch angestrebte 40-Prozent-Marke bereits um 3 Prozentpunkte. Dies führe dazu, dass dem Sektor jährlich rund 60 Mrd. Euro an Liquidität entzogen würden. Die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit schlage sich bereits in den Unternehmenszahlen nieder.
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Wie der ZDH ausführte, wurden im Jahr 2025 over 180.000 Betriebe abgemeldet. Dabei sei auffällig, dass lediglich 13 Prozent dieser Abmeldungen auf Insolvenzen zurückzuführen waren, was auf eine generelle Geschäftsaufgabe aus Unwirtschaftlichkeit oder fehlenden Perspektiven hindeute.
Dittrich forderte die Bundesregierung auf, die Senkung der Lohnzusatzkosten zur Priorität zu machen, um die mittelständische Struktur der deutschen Wirtschaft langfristig zu sichern. Die aktuelle Reformplanung werde diesem Anspruch nach Einschätzung der Verbände nicht gerecht.
