E-Rechnung, Pflicht

E-Rechnung ab Januar 2027: Pflicht für 800.000-Euro-Unternehmen

Veröffentlicht: 19.07.2026 um 06:00 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Industriekonzerne wie Salzgitter und Wacker Neuson heben Prognosen an, während Konsumgüterhersteller wie Berentzen ihre Ziele senken.

Deutsche Wirtschaft: Industrie optimistisch, Konsumgüter schwächeln
Geteiltes Bild: Eine Hälfte zeigt eine belebte, moderne Industriefabrik, die andere einen leeren, dunklen Laden. Symbolisiert divergierende Wirtschaftsentwicklungen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die deutsche Wirtschaft zeigt ein gespaltenes Bild: Während Industrie- und Technologiekonzerne ihre Jahresziele anheben, senken Konsumgüterhersteller ihre Prognosen.

Grund für die unterschiedliche Entwicklung sind eine anhaltende Konsumzurückhaltung der Privathaushalte einerseits und eine robuste Nachfrage in spezialisierten Industriebereichen andererseits.

Industrie und Technik mit deutlichen Gewinnsteigerungen

Salzgitter legte Mitte Juli positive Halbjahreszahlen vor. Trotz eines leichten Umsatzrückgangs auf 4,6 Milliarden Euro (Vorjahr: 4,7 Milliarden) stieg das Vorsteuerergebnis massiv auf 258 Millionen Euro – nach einem Verlust von 84 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Haupttreiber waren ein deutlich gestiegener Ergebnisbeitrag der Beteiligung Aurubis in Höhe von 193 Millionen Euro sowie Effekte aus der Konsolidierung der HKM. Für das Gesamtjahr hob Salzgitter die Umsatzprognose auf rund 10,0 Milliarden Euro an.

Wacker Neuson blickt ebenfalls optimistisch nach vorne. Der Baumaschinenhersteller steigerte den Umsatz im ersten Halbjahr um 16,9 Prozent auf über 1,25 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (EBIT) verdoppelte sich nahezu auf 104,7 Millionen Euro.

Die Prognose für die EBIT-Marge korrigierte das Unternehmen am 17. Juli auf 7,0 bis 8,0 Prozent nach oben. Der vollständige Halbjahresbericht erscheint am 13. August.

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Der Wiener Technologiekonzern Frequentis schloss sich dem Trend an. Nach einem Umsatzsprung auf rund 340 Millionen Euro im ersten Halbjahr erwartet das Management nun ein jährliches Wachstum von etwa 15 Prozent.

Konsumflaute belastet Berentzen und edding

Ganz anders sieht es bei Konsumgüterherstellern aus. Die Berentzen-Gruppe musste ihre Jahresprognose nach unten korrigieren. Der Umsatz sank im ersten Halbjahr auf 71,0 Millionen Euro – nach knapp 80 Millionen Euro im Vorjahr. Das bereinigte Betriebsergebnis brach von 3,2 Millionen auf 0,6 Millionen Euro ein.

Das Unternehmen macht die allgemeine Marktschwäche verantwortlich und hofft auf Impulse durch eine neue Strategie in der zweiten Jahreshälfte.

Ähnliche Herausforderungen meldete der Schreibgerätehersteller edding. Das Unternehmen senkte am 17. Juli seine Umsatzprognose leicht auf 138 bis 150 Millionen Euro. Neben dem schwachen Marktumfeld belasten hohe Restrukturierungskosten und Aufwendungen für die Umstellung der IT-Systeme auf SAP S/4HANA.

Für die Muttergesellschaft wird nun ein negatives Nettoergebnis zwischen 0 und minus 2 Millionen Euro erwartet. Auch die Circus SE sah sich gezwungen, ihre Umsatzziele deutlich zu reduzieren.

DATEV mahnt zur E-Rechnung

Der IT-Dienstleister DATEV steigerte den Umsatz im ersten Halbjahr auf 881 Millionen Euro – ein Plus von rund 70 Millionen Euro. Im Rahmen der Zahlenvorlage warnte der DATEV-Chef vor zeitlichen Engpässen bei mittelständischen Unternehmen.

Hintergrund: Die Pflicht zum Versand elektronischer Rechnungen rückt näher. Zwar verarbeitete DATEV im ersten Halbjahr bereits 51 Millionen E-Rechnungen, doch viele Firmen haben das Thema noch nicht ausreichend im Fokus.

Ab dem 1. Januar 2027 gilt die Versandpflicht zunächst für Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 800.000 Euro. Ab 2028 wird sie für alle Unternehmen verbindlich.

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Kostenexplosion bei Nürnberger Großprojekten

Abseits der privaten Wirtschaft sorgen öffentliche Großprojekte für Diskussionen. In Nürnberg wird die Sanierung des historischen Volksbads deutlich teurer als geplant. Die Kosten stiegen von 56 Millionen auf 90 bis 100 Millionen Euro.

Ursachen sind unvorhersehbare Schäden an der Bausubstanz, Anforderungen des Denkmalschutzes und gestiegene Baukosten. Die Wiedereröffnung verzögert sich bis mindestens in die zweite Jahreshälfte 2027.

Positiv: Für die Neugestaltung des Nürnberger Obstmarktes sicherte sich die Stadt eine Förderung von 13 Millionen Euro aus Bundes- und Landesmitteln. Das rund 17,5 Millionen Euro teure Projekt soll das Areal bis Ende 2029 in einen begrünten Stadtplatz verwandeln. Die Bauarbeiten beginnen 2027.

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