E-Rechnung, Betriebe

E-Rechnung: 92% der Betriebe beschäftigen sich damit – Umsetzung hinkt

Veröffentlicht: 11.07.2026 um 08:50 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Hohe Nachfrage nach Buchhaltern mit Digitalkompetenz. E-Rechnung und KI verändern die Branche, während viele Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben.

Fachkräftemangel im Finanzwesen: E-Rechnung treibt Digitalisierung
Hände eines Finanzprofis, die auf einem Tablet mit Finanzdaten tippen, im Hintergrund ein unscharfes Büro. Fokus auf Digitalisierung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der deutsche Arbeitsmarkt meldet für die Sommermonate eine anhaltend hohe Nachfrage nach Fachkräften im Finanz- und Rechnungswesen. Neben klassischen Buchhaltungskenntnissen sind zunehmend Kompetenzen in der Prozessharmonisierung und im Umgang mit digitalen Schnittstellen wie der E-Rechnung gefragt.

Kreditoren und Bilanzen: Wer wird gesucht?

Zahlreiche Unternehmen haben in den vergangenen Tagen neue Positionen im Rechnungswesen ausgeschrieben. Die IFCO Management GmbH in Berlin sucht einen Kreditorenbuchhalter, der neben der Rechnungsverarbeitung auch Prozessharmonisierung und Reisekostenmanagement übernimmt. Die Anforderungen: SAP-FI-Kenntnisse, fließendes Englisch und eine weitere europäische Sprache.

Auch der Mittelstand ist aktiv. Die H.B. Möller KG in Hannover und die Slea-Tec GmbH in Berlin suchen Finanzbuchhalter für Debitoren, Kreditoren und Sachkonten. In Süddeutschland bietet die Toll Betreuung und Pflege GmbH eine Teamleitung in der Finanzbuchhaltung ab Herbst 2026 an.

Im benachbarten Ausland und für Remote-Positionen werden ebenfalls Spezialisten gesucht. Die Kanzlei Austrian TAX & AUDIT veröffentlichte Anfang Juli Angebote für Bilanzbuchhalter mit fundierten Kenntnissen in der Software BMD NTCS. Das Gehalt liegt laut Ausschreibung bei bis zu 5.400 Euro brutto monatlich.

E-Rechnung treibt Digitalisierung voran

Ein wesentlicher Treiber für die Aufrüstung der Buchhaltungsabteilungen ist die Einführung der E-Rechnung. Eine Umfrage des Verbands elektronische Rechnung (VeR) unter 143 Teilnehmern im Juni 2026 zeigt: 92 Prozent der Befragten beschäftigen sich regelmäßig mit dem Thema. Dennoch bewerten 81 Prozent den Umsetzungsstand in Deutschland als unzureichend. Besonders beim digitalen Meldesystem fühlen sich 69 Prozent schlecht informiert.

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Die fortschreitende Digitalisierung und die neue E-Rechnungspflicht stellen viele Buchhaltungsabteilungen vor große Herausforderungen. Dieser kostenlose Experten-Ratgeber erklärt Schritt für Schritt, welche Formate und Archivierungsregeln Sie jetzt kennen müssen, um rechtssicher aufgestellt zu sein. E-Rechnung richtig einführen: So machen Sie Ihr Unternehmen ab sofort unangreifbar

Die Berliner Effektengesellschaft AG setzt bereits auf spezialisierte Softwarelösungen für die E-Rechnung. Parallel gewinnen Automatisierungstools an Bedeutung. Die Inwerken AG stellte kürzlich eine Erweiterung für das SAP-Mahnwesen vor. Das Tool minimiert manuelle Buchungsrisiken, indem es Mahngebühren GoBD-konform automatisiert verbucht. Anwender aus der Versorgungswirtschaft berichten von erheblichen Zeitersparnissen.

KI in der Buchhaltung: Helfer mit Risiken

Die Rolle der Künstlichen Intelligenz wird derzeit intensiv erprobt. Ein Testlauf mit dem KI-Modell GLM 5.2 zeigte im Frühjahr 2026 das Potenzial: Das Modell erstellte eine Umsatzsteuer-Erklärung für ein britisches Unternehmen in 68 Minuten zu minimalen Kosten. Die Ersparnis gegenüber menschlichen Honoraren ist beträchtlich – aber die Fehlerrisiken auch. Bei 354 Prüfpunkten unterliefen der KI 20 Fehler, darunter eine rechtlich problematische Fehlbuchung von Gründungskapital.

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In Deutschland, Österreich und der Schweiz bleibt der KI-Einsatz regulatorisch begrenzt. Das Steuerberatungsgesetz (StBerG) verbietet KI, eigenständig Umsatzsteuer-Voranmeldungen für Dritte zu erstellen. Dennoch verändert die Technologie das Berufsbild. Eine Analyse der Jobplattform Indeed vom ersten Quartal 2022 bis zum ersten Quartal 2026 zeigt: Deutschland ist europaweit führend bei neuen KI-bezogenen Jobtiteln. Im ersten Quartal 2026 wurden 288 neue Titel registriert, über 60 Prozent davon außerhalb des Tech-Sektors – etwa als Sachbearbeiter für Digitalisierung mit KI.

Ausbildung: Viele Plätze bleiben leer

Trotz des hohen Bedarfs bleibt die Besetzung von Ausbildungsplätzen schwierig. In Brandenburg waren zum 30. Juni 2026 über 3.000 Ausbildungsverträge bei den Industrie- und Handelskammern registriert – aber mehr als 5.100 Plätze blieben unbesetzt. Besonders im Bereich Büromanagement werden weiterhin Bewerber gesucht. Regionale Zuwächse in Gebieten wie dem Barnim oder Havelland deuten auf eine leichte Entspannung hin. Die Wirtschaft bleibt jedoch auf verstärkte Nachwuchsgewinnung angewiesen.

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