Drohnenabwehr: Grüne fordern bundeseinheitliche Standards für KRITIS
Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 03:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Angesichts zunehmender Sicherheitsrisiken durch unbemannte Flugsysteme drängen politische Entscheidungsträger und führende Energieversorger auf eine Verschärfung der Sicherheitsvorgaben sowie bundeseinheitliche Standards für die Drohnenabwehr.
Wie aus verschiedenen Berichten vom 11. September 2026 hervorgeht, zielen die Forderungen darauf ab, rechtliche Unklarheiten bei der Sicherung kritischer Infrastrukturen (KRITIS) zu beseitigen und die operative Handlungsfähigkeit von Behörden und Unternehmen zu stärken.
Gesetzliche Neuregelungen und Zuständigkeiten
Die Fraktion der Grünen hat mit dem Antrag 21/7669 einen Gesetzentwurf zur Drohnenabwehr vorgelegt. Dieser sieht vor, die primäre Zuständigkeit bei der Bundespolizei anzusiedeln. In eindeutigen Gefahrenlagen soll zudem eine Unterstützung durch die Bundeswehr ermöglicht werden.
Ein wesentlicher Aspekt des Vorschlags ist die Berechtigung für KRITIS-Betreiber, in enger Abstimmung mit der Bundespolizei eigene Abwehrmaßnahmen zu ergreifen. Auch Bundesinnenminister Dobrindt signalisierte die Absicht, KRITIS-Betreibern die Drohnenabwehr zu erlauben, verwies jedoch auf die noch fehlenden Rechtsgrundlagen.
Auf Landesebene kündigte Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) nach Sabotageaktionen am 1. September 2026 einen umfangreichen Maßnahmenkatalog an. Geplant ist unter anderem ein bundesweit bisher einmaliges Beleihungsgesetz, das privaten Betreibern kritischer Infrastrukturen erstmals eigene Drohnenabwehr und Kameraüberwachung gestatten soll.
Ergänzend dazu ist die Einrichtung eines 360-Grad-Sicherheitszentrums sowie eine Novellierung des Akteneinsichts- und Informationszugangsgesetzes (AIG) vorgesehen, um die freie Verfügbarkeit von sensiblen Trassen- und Standortdaten einzuschränken.
Die Neufassung des Polizeigesetzes soll bis Ende 2026 die Ressortabstimmung durchlaufen, gefolgt von einer Überarbeitung des Verfassungsschutzgesetzes Anfang 2027.
Perspektiven der Energieversorger auf physischen Schutz
Innerhalb der Wirtschaft herrscht Uneinigkeit über die Verteilung der Verantwortlichkeiten. Christoph Müller, Chef des Übertragungsnetzbetreibers Amprion, betonte, dass die Drohnenabwehr grundsätzlich unter das staatliche Gewaltmonopol falle und keine originäre Unternehmensaufgabe sei. Er äußerte Bedenken hinsichtlich der Arbeitssicherheit und der Empfindlichkeit technischer Anlagen bei aktiven Abwehrmaßnahmen.
Dennoch forderte Müller eine Ausweitung der Videoüberwachung auf einen Bereich von 20 bis 50 Metern im Umfeld kritischer Anlagen, insbesondere vor dem Hintergrund zurückliegender Sabotageangriffe auf Amprion-Umspannwerke.
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E.ON-Chef Leonhard Birnbaum sieht den dringenderen Handlungsbedarf eher bei der Netz-Resilienz, etwa durch Redundanzen und Ausfallszenarien, als beim rein physischen Schutz. Er berichtete von nahezu täglichen Attacken auf Umspannwerke, Leitungsmasten und Steuerungsanlagen.
Birnbaum plädierte für einen verstärkten Einsatz von Drohnen zur Überwachung der eigenen Netzanlagen, gab jedoch zu bedenken, dass dies derzeit durch das Luftraumrecht, den Datenschutz und komplexe Genehmigungsverfahren stark begrenzt werde.
Statistische Zunahme von Bedrohungsszenarien
Die Relevanz der Forderungen wird durch aktuelle Zahlen unterstrichen. Laut Bundeskriminalamt wurden im Jahr 2025 mehr als 1.000 verdächtige Drohnensichtungen in Deutschland registriert. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt berichtete für denselben Zeitraum von 116 Drohnen-Störfällen an 25 deutschen Flughäfen, die einen Gesamtschaden von mindestens 60 Millionen Euro verursachten.
Zudem gab die Bundesregierung am 1. September 2026 bekannt, Russland für eine Anfang August 2026 am Flughafen Leipzig/Halle entdeckte Sprengstoff-Drohne verantwortlich zu machen. Zwei Verdächtige mit mutmaßlichen Verbindungen zu Geheimdiensten wurden in diesem Zusammenhang identifiziert, während Moskau die Vorwürfe bestreitet.
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Internationale Zusammenarbeit und technologische Entwicklung
Auch auf internationaler Ebene gewinnt das Thema an Bedeutung. Die NATO-Staaten planen, innerhalb der nächsten fünf Jahre über 40 Milliarden US-Dollar in Fähigkeiten zur Drohnenabwehr zu investieren. In diesem Kontext werden kosteneffiziente Lösungen wie der Interceptor P-1 von ZenaTech mit einem Zielpreis von unter 5.000 US-Dollar entwickelt.
Parallel dazu verstärkt Deutschland die Kooperation mit internationalen Partnern. Innenminister Manuel Hagel (CDU) unterzeichnete in Kiew eine Absichtserklärung zur polizeilichen Zusammenarbeit mit der Ukraine. Der Austausch soll insbesondere die Spionageabwehr, Cybersicherheit und taktische Drohnenabwehr umfassen.
Baden-württembergische Betriebe sollen in diesem Rahmen neue Technologien entwickeln und produzieren. In Deutschland wurde bereits Mitte August 2026 in Cochstedt ein Technologiezentrum für Drohnensicherheit eröffnet, um die Forschung in diesem Sektor voranzutreiben.
