DMA-Verfahren, Rekordstrafe

DMA-Verfahren: EU bereitet Rekordstrafe gegen Google vor

26.05.2026 - 06:20:36 | boerse-global.de

Google einigt sich auf 135-Millionen-Dollar-Vergleich in den USA, während die EU eine Rekordstrafe nach dem DMA vorbereitet.

DMA-Verfahren: EU bereitet Rekordstrafe gegen Google vor - Foto: über boerse-global.de
DMA-Verfahren: EU bereitet Rekordstrafe gegen Google vor - Foto: über boerse-global.de

Während in den USA ein 135-Millionen-Dollar-Vergleich wegen illegaler Datensammlung bei Android-Nutzern ansteht, droht aus Brüssel eine Rekordstrafe nach dem neuen Digital Markets Act.

Android-Datenskandal: 135 Millionen Dollar Vergleich

Google hat sich bereit erklärt, 135 Millionen Dollar (rund 124 Millionen Euro) zu zahlen, um eine Sammelklage beizulegen. Im Fall „Joseph Taylor gegen Google" warfen Kläger dem Konzern vor, Android-Geräte so programmiert zu haben, dass sie kontinuierlich Daten übertrugen – und das auf Kosten der Nutzer, die ihre mobilen Datenvolumen selbst bezahlten.

Betroffen sind US-Bürger, die zwischen dem 12. November 2017 und dem Abschluss des Vergleichs ein Android-Smartphone mit Datenvertrag nutzten. Berechtigte können maximal 100 Dollar (rund 92 Euro) erhalten. Google bestreitet weiterhin jedes Fehlverhalten, verpflichtet sich aber zu transparenteren Informationen und ausdrücklicherer Zustimmung der Nutzer.

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Wer die Bedingungen ablehnen oder aus dem Vergleich aussteigen will, muss dies bis zum 29. Mai 2026 tun. Die endgültige gerichtliche Genehmigung ist für den 23. Juni 2026 angesetzt. Erst kürzlich hatte Google bereits 68 Millionen Dollar wegen Datenschutzverstößen beim Google Assistant gezahlt.

EU-Kommission plant Rekordstrafe nach DMA

Während Google in den USA private Klagen beilegt, droht aus Europa ein weitaus härterer Schlag. Die EU-Kommission bereitet offenbar ein Rekordbußgeld gegen den Konzern vor – wegen Verstößen gegen den Digital Markets Act (DMA). Insidern zufolge könnte die Strafe in die hohen hunderten Millionen Euro gehen. Es wäre die bislang höchste Strafe unter dem neuen Regelwerk.

Im Zentrum der seit März 2025 laufenden Untersuchung steht der Vorwurf der Selbstbevorzugung. Die Regulierer prüfen, ob Google in den Suchergebnissen die eigenen Dienste unrechtmäßig bevorzugt hat – genau das, was der DMA verhindern soll. Eine Entscheidung wird noch vor der Sommerpause 2026 erwartet.

Parallel kämpft Google in den USA gegen ein Kartellurteil aus dem Jahr 2024, das sein Suchgeschäft als Monopol einstufte. Das Justizministerium hält die bisherigen Auflagen für unzureichend und hat ebenfalls Berufung eingelegt. Eine Antwort wird im Juli 2026 erwartet.

Agentische KI: Segen oder Datenschutz-Albtraum?

Mit der neuen KI-Generation kommen neue Datenschutzprobleme. Auf der I/O 2026 stellte Google Gemini Spark vor – eine „agentische" KI, die dauerhaft in der Cloud läuft und Daten aus Gmail, Google Docs, Kalender und Drittanbieterdiensten synchronisiert. Der Beta-Zugang startet nächste Woche für Abonnenten der AI-Ultra-Stufe, die monatlich 100 Dollar kostet.

Datenschützer schlagen Alarm: Eine KI, die persönliche Kommunikation und Finanztransaktionen verwalten darf, birgt immense Risiken. Eine weitere Sammelklage aus dem Jahr 2025 wirft Google vor, Gemini-Dienste ohne Zustimmung der Nutzer aktiviert zu haben.

Noch einen Schritt weiter geht Googles DeepMind. Dort entwickeln Forscher eine Technik namens „Pointer Engineering": KI-Agenten lernen Software zu bedienen, indem sie Mausklicks und Arbeitsabläufe von Menschen aufzeichnen und analysieren. Kritiker sehen darin ein Datensammel-System, das irgendwann menschliche Wissensarbeiter ersetzen könnte. Eine Integration in Chrome, Workspace und Android wird bereits geprüft.

Sicherheitslücken und die Kosten der Mobilkriminalität

Auch die technische Infrastruktur von Google gibt Anlass zur Sorge. Sicherheitsforscher von Aikido entdeckten eine Schwachstelle: Gelöschte Google-API-Schlüssel blieben im Schnitt 16 Minuten aktiv, in Einzelfällen bis zu 23 Minuten. In dieser Zeit können Angreifer unbefugte Datenabfragen durchführen und erhebliche Kosten verursachen. Google hat in drei dokumentierten Fällen bereits 154.000 Dollar erstattet. Zum Vergleich: Amazon Web Services deaktiviert Schlüssel innerhalb von vier Sekunden.

Die Bedrohungslage für mobile Geräte bleibt angespannt. Weltweit verursachte mobile Cyberkriminalität im ersten Quartal 2026 Schäden von 442 Milliarden Euro. Künstliche Intelligenz spielt dabei eine immer größere Rolle: 86 Prozent aller Phishing-Kampagnen sind inzwischen KI-gesteuert. Besonders Banking-Trojaner haben massiv zugenommen: 1,24 Millionen Fälle im ersten Quartal 2026 – ein Anstieg um 196 Prozent.

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Hinzu kommen Hardware-Lücken: Eine nicht patchbare Qualcomm-BootROM-Sicherheitslücke (CVE-2026-25262) betrifft bestimmte Chipsatz-Serien. Und im Google Play Store fanden Forscher 455 Schad-Apps, die als legitime Software getarnt waren und insgesamt 24 Millionen Mal heruntergeladen wurden. Allein der Mamont-Trojaner ist für 70 Prozent aller Android-Angriffe verantwortlich.

Marktlage und Branchentrends

Trotz aller Probleme bleibt Google für Anleger interessant. Die Aktie notiert aktuell bei rund 383 Dollar, Analysten sehen ein Kursziel von durchschnittlich 429,12 Dollar – ein Potenzial von über 12 Prozent.

Die Herausforderungen für Google sind kein Einzelfall. So hat Texas kürzlich Klage gegen Meta eingereicht, weil das Unternehmen Nutzer über die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei WhatsApp getäuscht haben soll. Apple wiederum hat iOS 26.5 veröffentlicht, das 52 Sicherheitslücken schließt und Post-Quanten-Kryptografie-Standards einführt.

Auch die DSGVO bleibt ein Thema. Eine Bitkom-Studie zum zehnjährigen Jubiläum der Verordnung zeigt: 71 Prozent der Unternehmen haben die Anforderungen bis 2024 umgesetzt, aber über 80 Prozent sehen die Geschäftsprozesse verkompliziert. 69 Prozent der Firmen berichten, dass Datenschutzregeln das Training von KI-Modellen erschweren.

Ausblick: Android 17 und Brancheninitiativen

Google hat bereits Android 17 (Codename „Cinnamon Bun") vorgestellt, das am 12. Mai 2026 erstmals gezeigt wurde. Das neue Betriebssystem bringt KI-gestützte Schutzfunktionen wie „Gemini Intelligence" und natives App-Locking mit. Eine stabile Version für Pixel-Geräte wird für Juni 2026 erwartet.

Während Google auf die endgültige Genehmigung des 135-Millionen-Vergleichs im Juni und die DMA-Entscheidung der EU-Kommission wartet, beteiligt sich der Konzern an branchenweiten Sicherheitsinitiativen. Dazu gehört die Zusammenarbeit mit OpenAI bei der digitalen Wasserzeichen-Technologie SynthID von DeepMind für KI-Inhalte. Diese Bemühungen reihen sich ein in globale Polizeiaktionen wie Interpols Operation FRONTIER+ III, bei der 3.000 Festnahmen und die Sperrung von über 750 Millionen Dollar illegaler Gelder gelangen. Der Kampf um die Sicherheit der digitalen Wirtschaft bleibt in vollem Gange.

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