Digitale Psychotherapie: Studie belegt Erfolg bei ADHS-Patienten
16.06.2026 - 14:40:26 | boerse-global.de
Immer mehr Unternehmen setzen deshalb auf digitale Präventionsangebote, KI-Plattformen und Online-Trainings. Doch Experten warnen: Technik allein reicht nicht.
Neues Online-Training für Führungskräfte
Die Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) hat gestern ein kostenfreies Web-Based Training veröffentlicht. Das Programm „Suchtprävention in der Arbeitswelt“ richtet sich an Führungskräfte und Präventionsberater. Es umfasst drei Module zu Grundlagen, betrieblichen Strategien und dem Umgang mit Suchtproblemen. Jedes Modul dauert bis zu 1,5 Stunden.
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Parallel dazu drängen spezialisierte Plattformen auf den Markt. Das Berliner Unternehmen nilo (Likenilo GmbH) bietet Organisationen ab 50 Mitarbeitenden Zugang zu über 500 Psychologen. KI-gestützte Begleiter sprechen mehr als 50 Sprachen. Die B2B-SaaS-Lösung soll psychologische Unterstützung direkt in den Arbeitsalltag integrieren. Das Unternehmen entstand 2024 aus einer Fusion.
2,1 Millionen Euro für KI gegen Burnout
Auch Investoren setzen auf den Trend. Das niederländische HealthTech-Startup OurMind hat gestern eine Kapitalspritze von 2,1 Millionen Euro erhalten. Die KI-Plattform soll medizinisches Personal entlasten – durch Automatisierung von Dokumentations- und Abrechnungsprozessen. Ziel: Burnout vorbeugen. An der Runde beteiligten sich neben Investmentfirmen rund 80 Mediziner.
Digitale Therapie: Belege aus der Forschung
Die Wirksamkeit digitaler Ansätze wird wissenschaftlich untermauert. Eine Studie der Universität des Saarlandes mit 337 Teilnehmenden belegt: Die digitale Anwendung Attexis erzielt bei Erwachsenen mit ADHS ähnliche Erfolge wie eine klassische Verhaltenstherapie. Die Studie erschien 2026 in der Fachzeitschrift Psychological Medicine. In Deutschland steigt die Zahl der ADHS-Erstdiagnosen seit 2015 deutlich. Attexis wird seit August 2025 von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert.
Strukturelle Probleme bleiben
Doch Fachleute mahnen: Digitale Hilfsmittel ersetzen keine gesunden Arbeitsbedingungen. Laut DGB-Index „Gute Arbeit 2025“ arbeiten 43 Prozent der Beschäftigten regelmäßig mehr als acht Stunden am Tag. Dr. Elke Ahlers vom WSI warnt vor den Plänen der Bundesregierung, die tägliche Höchstarbeitszeit abzuschaffen. Eine solche Entgrenzung führe zu Daueranspannung und Erschöpfung.
Die Soziologin Laura Wiesböck kritisiert: Präventionsprogramme dürften nicht zur „Produktivitätsfalle“ durch individualisierte Achtsamkeit verkommen. Die ökonomische Relevanz ist enorm: Psychische Störungen kosteten das deutsche Gesundheitssystem 2020 rund 56,4 Milliarden Euro – 13 Prozent mehr als 2015.
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Preisgekrönte Projekte
Am 11. Juni 2026 wurden in Frankfurt am Main besondere Leistungen gewürdigt. Die Lilly Deutschland Stiftung verlieh den KONKRET-Preis 2026. Den ersten Platz belegte die Between the Lines gGmbH mit einer App, die Kindern und Jugendlichen psychosoziale Hilfe bietet. Weitere Preise gingen an Projekte mit KI-Unterstützung für Parkinson-Patienten und an Hilfsangebote für Familien mit pflegebedürftigen Kindern.
Für den 22. Juni hat die Gewerkschaft GPA eine Pressekonferenz in Wien angekündigt. Dort will sie aktuelle Umfrageergebnisse zur Arbeitsbelastung und betrieblichen Gesundheitsförderung in Österreich vorstellen.
