Deutschland, Konjunktur

Industrie baut 2025 mehr als 120.000 Jobs in Deutschland ab

17.02.2026 - 04:00:06 | dpa.de

Die Wirtschaftskrise hinterlässt Spuren, vor allem in der Autobranche. Dieses Jahr dürfte der Stellenabbau in der Industrie weitergehen, so eine Studie. Lichtblicke gibt es in wenigen Branchen.

  • Die deutsche Industrie hat 2025 Umsatz eingebüßt (Archivbild) - Bild: Jens Büttner/dpa
    Die deutsche Industrie hat 2025 Umsatz eingebüßt (Archivbild) - Bild: Jens Büttner/dpa
  • Am stärksten ist der Stellenabbau in der Autobranche (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
    Am stärksten ist der Stellenabbau in der Autobranche (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
Die deutsche Industrie hat 2025 Umsatz eingebüßt (Archivbild) - Bild: Jens Büttner/dpa Am stärksten ist der Stellenabbau in der Autobranche (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa

In der Wirtschaftskrise hat die deutsche Industrie 2025 im großen Stil Jobs gestrichen. Ende vergangenen Jahres arbeiteten dort rund 5,38 Millionen Menschen - gut 124.000 oder 2,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Das zeigt eine Analyse der Beratungsgesellschaft EY, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Der Stellenabbau in der Industrie fiel damit fast doppelt so hoch aus wie 2024, so die Studie, die auf Daten des Statistischen Bundesamts basiert und Firmen mit mindestens 50 Beschäftigten erfasst.

Am härtesten traf es 2025 die kriselnde Autobranche, wo allein rund 50.000 Jobs verloren gingen, während die Chemie- und Pharmaindustrie mit einem Minus von rund 2.000 Stellen glimpflich davonkam.

«Die deutsche Industrie steckt in einer tiefen Krise», sagte Jan Brorhilker, Managing Partner bei EY. Seit 2023 seien die Industrieumsätze um fast fünf Prozent geschrumpft. Der Stellenabbau sei daher noch moderat. Klar sei aber: «Es bräuchte schon einen echten und deutlichen Aufschwung, um ein weiteres Abschmelzen der Beschäftigung zu verhindern.»

Zwei Branchen wachsen gegen Trend

Allein im vergangenen Jahr sank der Umsatz der Industrie laut Studie um 1,1 Prozent, das vierte Quartal 2025 war bereits das zehnte in Folge mit Rückgängen. Während besonders die Auto-, Papier- und Textilbranche Umsatz verloren, legte die Metallindustrie und Elektrotechnik zu.

Mittelfristig fällt der Stellenabbau in der Industrie noch größer aus als 2025. Seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 sank die Zahl der Beschäftigten um rund 266.000 – laut EY ein Minus von knapp fünf Prozent. In der Autobranche schrumpfte die Beschäftigung seitdem sogar um 13 Prozent oder 111.000 Menschen.

Einen kräftigen Stellenabbau gab es auch in der Textilindustrie mit minus 16 Prozent und der Metallindustrie mit minus 13 Prozent. Dagegen wuchs die Beschäftigung in der Chemie- und Pharmaindustrie seit 2019 um drei Prozent und in der Elektroindustrie um zwei Prozent.

Weiterer Stellenabbau 2026 erwartet

Unterm Strich dürfte die Industrie dieses Jahr wegen schwacher Aufträge und des hohen Wettbewerbsdrucks weiter Stellen abbauen, glaubt EY. Dazu komme die steigende Zahl von Insolvenzen, gerade bei Autozulieferern, sagt Brorhilker. Auch bauten Autokonzerne verstärkt Produktion sowie Forschung und Entwicklung im Ausland auf – «das geht auf Kosten der Arbeitsplätze in Deutschland». 

Zwar erwarteten Ökonomen, dass die deutsche Wirtschaft nach Jahren der Flaute 2026 wieder um rund ein Prozent wächst. Doch bis sich das in den Betrieben niederschlägt, vergeht Zeit. Einen breiten Aufschwung erwarten Volkswirte erst 2027, wenn die staatlichen Milliardenausgaben für Rüstung und Infrastruktur ihre volle Wirkung entfalten.

de | wirtschaft | 68586733 |

Weitere Meldungen

ZEW-Konjunkturerwartungen erholen sich überraschend stark. Was hinter dem Aufschwung steckt - und warum Experten dennoch vorsichtig bleiben. Das Stimmungsbarometer steigt unerwartet deutlich. (Wirtschaft, 16.06.2026 - 12:11) weiterlesen...

Einigung mit dem Iran – Entspannung für Wirtschaft in Sicht Der Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar war für die seit Jahren stagnierende deutsche Wirtschaft nur die jüngste Hiobsbotschaft. (Politik, 15.06.2026 - 11:52) weiterlesen...

Bundesbankchef warnt vor verfrühter Hoffnung nach Iran-Deal. Doch Bundesbankpräsident Nagel warnt vor langen Folgen der Kämpfe. Ein Rahmenabkommen zwischen Iran und den USA weckt Hoffnung auf ein Ende des Kriegs und eine Erholung der Wirtschaft. (Wirtschaft, 15.06.2026 - 10:01) weiterlesen...

Einigung mit dem Iran: Entspannung für Wirtschaft in Sicht Der Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar war für die seit Jahren stagnierende deutsche Wirtschaft nur die jüngste Hiobsbotschaft. (Politik, 15.06.2026 - 05:47) weiterlesen...

Coface Deutschland / +6 Prozent: Coface hebt globale Insolvenzprognose ... +6 Prozent: Coface hebt globale Insolvenzprognose deutlich an (FOTO) Mainz - Die globale Konjunktur gerät zunehmend unter Druck: Obwohl der seit Ende Februar eskalierende Nahostkonflikt im ersten Quartal 2026 kaum Auswirkungen auf die Insolvenzentwicklung hatte, ist die Zahl der Firmenpleiten weltweit bereits um 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. (Boerse, 12.06.2026 - 13:49) weiterlesen...

Bundesbank senkt Prognose: Hoher Ölpreis bremst Wirtschaft. Nun erwartet auch die Bundesbank weniger Wachstum - und rechnet mit Folgen für Inflation und Arbeitsmarkt. Der Iran-Krieg zieht die deutsche Wirtschaft nach unten. (Wirtschaft, 12.06.2026 - 11:09) weiterlesen...