Großhandelspreise, Energiepreise

Iran-Krieg treibt Großhandelspreise in Deutschland auf höchsten Stand seit 2023

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 08:48 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Großhandelspreise in Deutschland sind im August so stark gestiegen wie seit dreieinhalb Jahren nicht – vor allem Energie und Rohstoffe treiben die Teuerung. Das erhöht den Druck auf Unternehmen und könnte Verbraucher in den kommenden Monaten stärker belasten.

Hauptursächlich für den Anstieg der Großhandelspreise insgesamt gegenüber dem Vorjahresmonat war im August der Preisanstieg bei Mineralölerzeugnissen. (Archivbild) - Bild: Marijan Murat/dpa
Hauptursächlich für den Anstieg der Großhandelspreise insgesamt gegenüber dem Vorjahresmonat war im August der Preisanstieg bei Mineralölerzeugnissen. (Archivbild) - Bild: Marijan Murat/dpa

Die Großhandelspreise in Deutschland sind im August deutlich gestiegen und haben den stärksten Jahresanstieg seit Anfang 2023 verzeichnet.

Deutlicher Preisschub binnen Jahresfrist

Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, lagen die Verkaufspreise im Großhandel im August 2026 um 6,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Einen größeren Sprung binnen Jahresfrist hatte es zuletzt im Februar 2023 gegeben, als die Großhandelspreise um 9,5 Prozent zulegten. Damit setzt sich der Trend steigender Preise auf dieser wichtigen Handelsstufe fort.

Krieg im Iran und Nahost als Hauptursache

Die Behörde führt den aktuellen Anstieg wesentlich auf die Kriegshandlungen im Iran und im Nahen Osten zurück. In deren Folge haben sich insbesondere die Großhandelspreise für Energieprodukte und Rohstoffe erhöht. Mineralölerzeugnisse waren nach Berechnungen des Bundesamtes mehr als ein Drittel, konkret 36,1 Prozent, teurer als ein Jahr zuvor.

Monatliche Entwicklung und Bedeutung für die Inflation

Auch im Vergleich zum Vormonat zogen die Preise an: Von Juli auf August erhöhten sich die Großhandelspreise insgesamt um 0,9 Prozent. Der Großhandel ist eine von mehreren Stufen, auf denen sich das allgemeine Preisniveau bildet. Dazu gehören auch die Preise für nach Deutschland eingeführte Güter sowie die Erzeugerpreise der Hersteller.

Einfluss auf Verbraucherpreise und Geldpolitik

Alle diese Größen wirken auf die Verbraucherpreise, die als Inflationsmaßstab gelten. An der Entwicklung der Verbraucherpreise richtet die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik aus. Steigende Großhandelspreise für Energie und Rohstoffe erhöhen damit den Druck auf Unternehmen und können mittelfristig auch zu höheren Preisen für Verbraucher führen.

Starker Preissprung auf einer zentralen Wirtschaftsstufe

Der kräftige Anstieg der Großhandelspreise im August markiert eine deutliche Zäsur für die Preisentwicklung in Deutschland. Wenn eine zentrale Stufe der Wertschöpfungskette binnen eines Jahres um 6,8 Prozent teurer wird, signalisiert das erheblichen Kostendruck für viele Branchen, die Waren und Vorleistungen über den Großhandel beziehen. Besonders ins Gewicht fällt, dass Mineralölerzeugnisse um mehr als ein Drittel zugelegt haben – Energie ist ein Querschnittsfaktor für nahezu alle Produktions- und Transportprozesse.

Der Großhandel steht zwischen Importeuren und Herstellern auf der einen sowie dem Einzelhandel und weiterverarbeitenden Betrieben auf der anderen Seite. Steigen hier die Preise deutlich, geraten Margen ins Rutschen: Unternehmen müssen entscheiden, ob sie die höheren Kosten selbst tragen, ihre Preise an Kunden weitergeben oder Leistungen einschränken. Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass sich die aktuelle Entwicklung mittelfristig in der Inflationsrate für Verbraucher niederschlägt, die für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank entscheidend ist.

Geopolitische Risiken als Treiber der Energiepreise

Die statistische Behörde führt den Preisschub ausdrücklich auf die Kriegshandlungen im Iran und im Nahen Osten zurück. Konflikte in dieser Region wirken traditionell schnell auf die Weltmärkte für Öl und Gas, weil wichtige Förderländer und Transportwege betroffen sind. Steigende Preise für Rohöl und andere Energieprodukte schlagen in Deutschland insbesondere auf Treibstoffe, Heizöl und industrielle Energieversorgung durch. Für Unternehmen mit energieintensiver Produktion erhöht das die laufenden Kosten, was ihre Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen kann.

Ausblick für Verbraucher und Wirtschaft

Für private Haushalte bedeutet die aktuelle Entwicklung, dass sich die Belastung durch Energie- und Kraftstoffkosten weiter erhöhen kann, wenn Großhandelspreise in den kommenden Monaten an Einzelhandel und Versorger weitergegeben werden. Zugleich steigt der Druck auf die Geldpolitik: Bleibt die Teuerung bei Energie und Rohstoffen hoch und wirkt sich spürbar auf die Verbraucherpreise aus, könnte der Spielraum für Zinssenkungen begrenzt bleiben. Für die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland sind die Großhandelspreise damit ein wichtiger Frühindikator, der auf einen von globalen Konflikten geprägten Preisauftrieb verweist.

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