IG Metall erwägt flexible Gehaltsaufschläge für Betriebe
Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 06:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur.de"Autokonzerne und Zulieferer stehen massiv unter Druck. Rüstung, Medizintechnik und andere Bereiche verdienen dagegen sehr gut."
Wenn Firmen weniger als 2,3 Prozent Umsatzrendite verdienen, können sie automatisch Teile des Gehalts streichen. Daniel Friedrich und Knut Giesler, IG-Metall-Bezirkschef NRW, fordern nun einen automatischen Gehaltsaufschlag, wenn Betriebe besonders viel verdienen. "Denkbar wäre, das T-Geld zu erhöhen, wenn ein Betrieb eine bestimmte Umsatzrendite erwirtschaftet", sagte Giesler der Zeitung. Das könnte der Gewerkschaft erleichtern, einem moderaten Lohnabschluss für die gesamte Metall- und Elektroindustrie zuzustimmen, der der angeschlagenen Autobranche hilft.
Das T-Geld beträgt 18,4 Prozent eines Monatseinkommens. Würde man es beispielsweise ab einer Umsatzrendite von 4,6 Prozent verdoppeln, würde ein Facharbeiter mit einem mittleren Einkommen von 3.917 Euro im Monat einen Gehaltsaufschlag von gut 700 Euro bekommen. Wird ein Gehaltsaufschlag so ausgestaltet, könnten ihn rund 30 Prozent der Beschäftigten der Branche bekommen.
Gleichzeitig sind die Gewerkschafter zu weiteren Zugeständnissen für Krisenbetriebe bereit. "Im Zweifelsfall brauchen wir in diesen Zeiten ein neues Werkzeug für Unternehmen, denen es besonders schlecht geht", sagte Giesler.
Der Gewerkschafter wies aber Forderungen etwa nach Abschaffung der 35-Stunden-Woche zurück. "Die großen Autokonzerne schütten immer noch Dividenden aus. Erklären Sie einem Arbeiter mal, dass er für eine Dividendenzahlung mehr Stunden arbeiten soll", so Giesler. "Mit einer 40-Stunden-Woche wird man die hochsubventionierten chinesischen Hersteller nicht schlagen. Dafür bedarf es einer Industriepolitik, die wichtige Branchen weiterentwickelt und die Energiekosten reduziert."
