Cosco, Konrad Zippel

Cosco-Übernahme von Zippel: Bundesregierung will Hamburger Logistikdeal verhindern

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 14:06 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Bundesregierung will einem Medienbericht zufolge verhindern, dass Cosco 80 Prozent des Hamburger Transportunternehmens Konrad Zippel übernimmt. Ausschlaggebend seien erhebliche Sicherheitsbedenken und die Gefahr strategischer Abhängigkeiten.

Die chinesische Reederei Cosco will eine Hamburger Spedition kaufen. (Archivbild)  - Bild: Marcus Brandt/dpa
Die chinesische Reederei Cosco will eine Hamburger Spedition kaufen. (Archivbild) - Bild: Marcus Brandt/dpa

Die Bundesregierung will nach einem Bericht des Handelsblatts verhindern, dass die chinesische Staatsreederei Cosco 80 Prozent des Hamburger Transportunternehmens Konrad Zippel übernimmt.

Regierung sieht Sicherheitsrisiken

Dem Bericht zufolge hat die Bundesregierung erhebliche Sicherheitsbedenken. Es bestehe die Gefahr, dass Abhängigkeiten bei wichtigen Transport- und Logistikabläufen als Druckmittel genutzt werden könnten. Das Bundeswirtschaftsministerium äußerte sich zunächst nicht zu dem Bericht.

Die Konrad Zippel Spediteur GmbH teilte mit: „Wir haben die Entscheidung der Bundesregierung zur Kenntnis genommen.“ Der Geschäftsbetrieb laufe unverändert weiter. Fragen zum weiteren Umgang mit der Entscheidung seien an Cosco zu richten, da die Reederei Antragstellerin des Verfahrens sei.

Cosco kommentiert Vorgang nicht

Cosco wollte den Bericht auf Anfrage nicht kommentieren. Das Unternehmen hatte die Übernahme der Mehrheit an Zippel angestrebt.

Kartellamt hatte Übernahme erlaubt

Das Bundeskartellamt hatte im Februar mitgeteilt, dass Cosco aus Wettbewerbssicht 80 Prozent der Zippel-Anteile übernehmen darf. Ende April wurde bekannt, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz Bedenken gegen die Transaktion hat.

Nach Angaben von Zippel-Geschäftsführer Axel Plaß prüfte das Bundeswirtschaftsministerium die Übernahme zuletzt genauer. Damit steht die wettbewerbsrechtliche Freigabe einer sicherheitspolitischen Prüfung gegenüber.

Logistikunternehmen mit Hafenverbindungen

Zippel transportiert Waren mit Zügen, Schiffen und Lastwagen. Die Güter kommen unter anderem an den Seehäfen Hamburg und Bremerhaven an. Das Unternehmen hat nach früheren Angaben rund 350 Beschäftigte.

Cosco bereits am Terminal Tollerort beteiligt

Cosco zählt gemessen an der Transportmenge zu den größten Reedereien der Welt. Die chinesische Staatsreederei hält bereits 24,99 Prozent am Hamburger Containerterminal Tollerort.

Der Einstieg am Terminal im Jahr 2023 löste eine Debatte über den Einfluss Chinas auf kritische Infrastruktur in Deutschland aus.

Strategische Kontrolle entlang der Lieferkette

Der Vorgang berührt eine zentrale Frage deutscher Wirtschaftssicherheit: Nicht nur Häfen und Terminals, sondern auch vorgelagerte Logistikunternehmen können für die Steuerung von Warenströmen relevant sein. Zippel verbindet den Umschlag in den Seehäfen Hamburg und Bremerhaven mit Transporten per Bahn, Schiff und Lastwagen. Eine Beteiligung an einem solchen Unternehmen würde Cosco damit potenziell einen zusätzlichen Einfluss auf Abläufe hinter dem Hafen ermöglichen.

Coscos Beteiligung von 24,99 Prozent am Hamburger Containerterminal Tollerort hatte bereits zuvor eine politische Debatte über chinesischen Einfluss auf kritische Infrastruktur ausgelöst. Die nun bekannt gewordenen Sicherheitsbedenken stehen in diesem Zusammenhang: Abhängigkeiten können nach Einschätzung der Bundesregierung als wirtschaftlicher oder politischer Druck genutzt werden. Das betrifft insbesondere die Ausweichmöglichkeiten von Kunden und die Widerstandsfähigkeit logistischer Netzwerke.

Signal für Investitionsprüfung

Für Unternehmen und Beschäftigte bedeutet die Entscheidung zunächst, dass der Geschäftsbetrieb bei Zippel unverändert weiterläuft. Politisch dürfte der Fall jedoch über das einzelne Hamburger Unternehmen hinausweisen. Er zeigt, dass Investitionen chinesischer Staatsunternehmen in strategisch wichtigen Bereichen stärker unter Sicherheits- und Abhängigkeitserwägungen geprüft werden als allein unter kartellrechtlichen Gesichtspunkten. Das Bundeskartellamt hatte die Übernahme von 80 Prozent der Zippel-Anteile aus Wettbewerbssicht im Februar noch erlaubt.

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