DFZ Bau in Bautzen: Sachsen plant bis zu 100 Millionen Euro für Forschung
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 03:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie sächsische Staatsregierung hat den Beschluss zur Gründung des Deutschen Forschungszentrums für zukunftsfähiges Bauen (DFZ Bau) e. V. mit Sitz in Bautzen gefasst. Für eine begleitende Forschungsinfrastruktur sind bis zu 100 Mio. Euro vorgesehen.
Die Mittel stammen aus dem Strukturfonds für die Braunkohleregionen und enthalten eine entsprechende Landeskofinanzierung. Vorgesehen sind die Gelder für den Aufbau moderner Forschungseinrichtungen sowie die Einrichtung eines Startup-Inkubators.
Breite Trägerschaft aus Bund, Ländern und Universitäten
Das neue Forschungszentrum wird von einer institutionsübergreifenden Allianz getragen. Zu den Mitgliedern des Trägervereins DFZ Bau e. V. gehören neben dem Freistaat Sachsen auch die Bundesländer Thüringen und Baden-Württemberg sowie das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. Auf universitärer Ebene sind die Universität Stuttgart, die Bauhaus-Universität Weimar und die TU Dresden beteiligt.
Die Gründungsversammlung des Vereins, bei der die Urkunde unterzeichnet werden soll, ist noch für das Jahr 2026 vorgesehen. Vor Ort stößt das Vorhaben auf Zustimmung: Bautzens Oberbürgermeister Karsten Vogt begrüßte die Entscheidung als wegweisenden Schritt für den Strukturwandel. Neben der wissenschaftlichen Forschung soll der geplante Startup-Inkubator gezielt Ausgründungen und Innovationen im Bereich des zukunftsfähigen Bauens fördern.
Bauwirtschaft steht vor gravierenden Effizienzproblemen
Die Notwendigkeit neuer planerischer und technologischer Ansätze verdeutlichen Erhebungen des Bundesbauministeriums zu bisherigen öffentlichen Bauvorhaben. Demnach lagen in der Vergangenheit mehr als 40 % der Bauprojekte des Bundes nicht annähernd im ursprünglich prognostizierten Kostenrahmen. Bei 35 % der Vorhaben konnte zudem der vorgesehene Terminrahmen nicht annähernd eingehalten werden.
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Als Ursachen benannte das Ministerium unter anderem ungeklärte Bedarfe, Planungsänderungen während der Bauphase, Baubeginne vor einer ausgereiften Planung sowie gestiegene Bau- und Materialpreise, knappe Kapazitäten und Insolvenzen. Aus Sicht des Ministeriums gelte künftig strikt der Grundsatz, Bauprojekte erst vollständig zu planen und anschließend zu bauen.
Auch Fachverbände verweisen auf strukturelle Defizite bei der Projektierung. Beim Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) erklärte Pressesprecher Benedikt Hotze, dass zu Beginn von Projekten oftmals mit unrealistisch niedrigen Kosten argumentiert werde.
Der Architekt Frank Bornmann forderte realistischere Ausschreibungsverfahren und verwies auf das österreichische Projekt Lobautunnel als Positivbeispiel, bei dem mit gemeinsamen Daten aller Gewerke gearbeitet wurde.
Kapazitätsengpässe und technologischer Innovationsbedarf
Der Innovationsbedarf wird zudem durch anhaltende Kapazitätsgrenzen in der Bauwirtschaft verstärkt. Eine Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) für die Bertelsmann Stiftung zeigte für den Bau-Boom der Jahre 2010 bis 2020, dass die Baupreise stärker stiegen als die Kosten.
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Zudem legte die Bruttobetriebsüberschussquote der Bauwirtschaft stärker zu als in allen anderen Sektoren. Als Ursache machte das Institut nicht eine verfestigte Marktmacht aus, sondern begrenzte physische Produktionskapazitäten bei kräftiger Nachfrage und kurzfristig konstanten Löhnen.
Das DIW empfahl, Effizienz vor Schnelligkeit bei der Mittelverausgabung zu stellen und Baukapazitäten durch serielles Bauen sowie Robotik zu erweitern. Gesetzliche Rahmenbedingungen soll der seit dem 30. Oktober 2025 geltende Bau-Turbo erleichtern.
Erschwert wird die Kapazitätsausweitung durch Engpässe am Arbeitsmarkt. Nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) bestehen die größten Lücken in der Bauelektrik, der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, der elektrischen Betriebstechnik sowie der Maschinenbau- und Betriebstechnik.
Im Jahr 2025 blieben über alle Berufssparten hinweg 54.000 Ausbildungsstellen unbesetzt und knapp 40.000 Bewerber unversorgt. Zudem wurde im Jahr 2024 fast jeder dritte Ausbildungsvertrag vorzeitig gelöst, was auf den demografischen Wandel sowie Passungsprobleme zurückgeführt wird.
