Importpreise, Energiepreise

Importpreise steigen wegen Iran-Krieg um 8,3 Prozent – stärkster Anstieg seit 2022

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 10:17 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Deutschlands Importpreise sind im August so stark gestiegen wie seit Dezember 2022 nicht mehr. Vor allem die um 43 Prozent höheren Energiepreise treiben den Anstieg und könnten die Inflation weiter befeuern.

Teures Öl wegen des Iran-Kriegs treibt die Importpreise in Deutschland nach oben. (Archivbild) - Bild: Alain Jocard/AFP/dpa
Teures Öl wegen des Iran-Kriegs treibt die Importpreise in Deutschland nach oben. (Archivbild) - Bild: Alain Jocard/AFP/dpa

Die Preise für nach Deutschland importierte Güter sind im August wegen des Iran-Kriegs deutlich stärker gestiegen als erwartet.

Stärkster Anstieg seit Ende 2022

Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, lagen die Einfuhrpreise 8,3 Prozent über dem Wert des Vorjahresmonats. Das war der stärkste Anstieg seit Dezember 2022. Volkswirte hatten mit einem Plus von 8,0 Prozent gerechnet.

Auch im Monatsvergleich zog der Importpreisindex an: Gegenüber Juli stieg er um 1,0 Prozent. Damit fiel der Anstieg ebenfalls stärker aus als erwartet.

Energie verteuert sich besonders stark

Den größten Einfluss hatten erneut die Energiepreise. Sie lagen 43,0 Prozent über dem Vorjahresniveau und stiegen allein gegenüber Juli um 7,5 Prozent.

Vorleistungsgüter verteuerten sich im Jahresvergleich um 11,0 Prozent. Gegenüber dem Vormonat betrug der Anstieg 0,6 Prozent. Höhere Preise für Energie und Vorprodukte können die Kosten der deutschen Industrie und anderer Unternehmen erhöhen.

Auswirkungen auf Verbraucherpreise

Die Einfuhrpreise beeinflussen tendenziell auch die Verbraucherpreise, an denen die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik ausrichtet. Deutschland importiert viele Rohstoffe und ist deshalb besonders von Preisbewegungen an den internationalen Energiemärkten abhängig.

Rekordpreise für Diesel und Benzin könnten die deutsche Inflationsrate im September über die Marke von 3,0 Prozent treiben. Das wäre der höchste Stand seit Ende 2023. Das Statistische Bundesamt wollte dazu am Mittwoch erste Daten vorlegen.

Energie bleibt der zentrale Preistreiber

Der kräftige Anstieg der Importpreise zeigt, wie schnell geopolitische Krisen auf die deutsche Wirtschaft durchschlagen. Energie verteuerte sich im Jahresvergleich um 43,0 Prozent und hatte damit den größten Einfluss auf den Gesamtindex. Für ein rohstoffarmes Land mit hoher Abhängigkeit von Einfuhren wirken steigende Öl-, Gas- und Transportkosten unmittelbar auf Unternehmen.

Die Weitergabe an Verbraucher erfolgt jedoch meist nicht vollständig und nicht sofort. Unternehmen können Kosten zunächst über Verträge, Lagerbestände oder geringere Margen abfedern. Bei Kraftstoffen ist der Effekt schneller sichtbar; bei Waren wie Lebensmitteln entstehen Preiswirkungen häufig mit Verzögerung, weil Produktion, Verarbeitung, Logistik und Handel dazwischengeschaltet sind.

Bedeutung für Inflation und Geldpolitik

Der Importpreisanstieg erhöht den Druck auf die deutsche Inflationsrate. Besonders relevant sind die Energiepreise, weil sie sowohl direkt im Verbraucherpreisindex als auch indirekt über Transport, Dünger, industrielle Vorprodukte und Dienstleistungen wirken. Ein anhaltender Kostenschub könnte den Rückgang der Inflation bremsen und die Kaufkraft der Haushalte belasten.

Für die Europäische Zentralbank entsteht damit ein schwieriges Umfeld: Höhere Zinsen können die Nachfrage dämpfen, lösen aber keine geopolitisch verursachten Energieengpässe. Für Verbraucher sind deshalb zunächst vor allem Tankkosten und später möglicherweise weitere Alltagsausgaben entscheidend. Der geplante Tankrabatt kann den Preisanstieg bei Kraftstoffen zeitweise abmildern, ändert aber nichts an der grundlegenden Abhängigkeit von Energieimporten.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv: „EU-Energie: Mehr als 100 Milliarden Euro Zusatzkosten“ (29.09.2026)

Der Bericht hebe hervor, die Einfuhr fossiler Brennstoffe habe die Europäische Union seit Beginn des Iran-Kriegs zusätzlich mehr als 100 Milliarden Euro gekostet. Anders als die dpa-Meldung, die die deutschen Importpreise in den Mittelpunkt stelle, richte der Artikel den Blick auf die europäische Größenordnung und die strukturelle Abhängigkeit von importierter Energie.

tagesschau: „Lebensmittelpreise: Droht die nächste Inflationswelle?“ (28.09.2026)

Der Beitrag schreibe, steigende Energie- und Agrarrohstoffpreise könnten mit Verzögerung auch Lebensmittel verteuern, während dieser Kostendruck im deutschen Supermarkt bislang kaum angekommen sei. Damit bestätige er den möglichen Übergang von Importkosten zu Verbraucherpreisen, setze den Schwerpunkt aber auf Agrarrohstoffe, Wetterextreme und die zeitverzögerte Wirkung.

Medienübergreifend werde der Zusammenhang zwischen Energieimporten, geopolitischer Krise und wachsendem Preisdruck betont. Unterschiede gebe es vor allem bei der Betrachtungsebene: Der eine Bericht fokussiere Europa, der andere die Lebensmittelkette; offen bleibe, wie lange der Energieschub anhält und wie stark Unternehmen ihn weitergeben.

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