Cyberangriffe: EU und Großbritannien sanktionieren FSB-Hackergruppe Turla
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 18:24 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Europäische Union und Großbritannien haben koordinierte Sanktionen gegen russische Einzelpersonen und Organisationen verhängt. Den Betroffenen wird vorgeworfen, für schwerwiegende Cyberangriffe auf staatliche Institutionen und kritische Infrastrukturen verantwortlich zu sein.
Die Maßnahmen der EU richten sich gegen neun Einzelpersonen und vier Organisationen. Parallel dazu weitete Großbritannien seine Sanktionsliste um 24 Personen und Einheiten aus. Im Zentrum der Vorwürfe steht das sogenannte Zentrum 16 des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB.
Hackergruppe Turla im Visier
Dieses soll die Hackergruppe Turla steuern, der systematische Sabotage und Spionage in EU-Mitgliedstaaten vorgeworfen wird. Die Sanktionen umfassen Einreiseverbote in die EU sowie das Einfrieren von Vermögenswerten.
Nach Erkenntnissen der EU-Behörden und nationaler Sicherheitsdienste waren zahlreiche Staaten betroffen. Dazu gehören Deutschland, Frankreich, Polen, die Niederlande, Österreich, Finnland, Rumänien, die Slowakei und Zypern.
Beinahe-Blackout in Polen
Besonders schwerwiegend stufen Ermittler einen Vorfall in Polen ein. Ein versuchter Angriff auf das polnische Stromnetz Ende Dezember 2025 hätte potenziell 500.000 Haushalte von der Energieversorgung abschneiden können. Es drohte ein Blackout. Zudem wurden in Polen Sabotageakte gegen das Schienennetz und Heizkraftwerke gemeldet.
In Frankreich werden der Gruppe Turla Aktivitäten zugeschrieben, die bis ins Jahr 2010 zurückreichen. Dazu gehören Infiltrationen des Verteidigungsministeriums im Jahr 2017 sowie der Botschaft in Moskau im Jahr 2018. Für 2025 dokumentierten Behörden zudem Fälle von Industriespionage.
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Diplomatische Konsequenzen
Die Veröffentlichung der Sanktionen löste eine Welle diplomatischer Reaktionen aus. Deutschland, Frankreich und die Niederlande bestellten umgehend die jeweiligen russischen Botschafter ein. Bundesaußenminister Wadephul warf dem FSB bösartige Cyberattacken auf Regierungsnetzwerke und kritische Infrastruktur vor. Auch die NATO drohte mit Konsequenzen.
Österreich bestellte den russischen Botschafter in Wien ein. Hintergrund ist ein Cyberangriff auf das österreichische Außenministerium aus den Jahren 2019/2020, der nun offiziell der Gruppe Turla zugeschrieben wurde.
Russland wies die Vorwürfe zurück und reagierte mit diplomatischen Gegenmaßnahmen. Der deutsche Botschafter Lambsdorff wurde in das russische Außenministerium einbestellt.
Identifizierte Akteure und nächste Schritte
Unter den sanktionierten Einheiten befinden sich neben Offizieren des militärischen Geheimdienstes GRU auch private IT-Unternehmen. Sie sollen als Tarnorganisationen oder Unterstützer für staatliche Hacker-Operationen agieren. Namentlich genannt wurden unter anderem die Firmen Media Land LLC, Z-Pentest und Impuls LLC. Auch ein GRU-Offizier namens Ivan Kasyanenko wurde auf die Sanktionsliste gesetzt.
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Britische Behörden nahmen zudem die Betreiber des sogenannten Lumma-Stealers ins Visier. Diese Schadsoftware wird zum Diebstahl sensibler Daten eingesetzt. Die EU arbeitet bereits an einem 21. Sanktionspaket, um den Druck auf russische Cyber-Netzwerke weiter zu erhöhen. Ziel ist es, die operative Handlungsfähigkeit der Gruppen einzuschränken und die Cybersicherheit innerhalb der Union zu stärken.
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