Cosco, Konrad Zippel

Cosco: Bundesregierung will Zippel-Übernahme verhindern

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 17:22 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Bundesregierung will einem Medienbericht zufolge verhindern, dass die chinesische Staatsreederei Cosco 80 Prozent des Hamburger Logistikunternehmens Konrad Zippel übernimmt. Das Wirtschaftsministerium prüft die Transaktion weiter im Investitionsprüfverfahren.

Die chinesische Reederei Cosco will eine Hamburger Spedition kaufen. (Archivbild)  - Bild: Marcus Brandt/dpa
Die chinesische Reederei Cosco will eine Hamburger Spedition kaufen. (Archivbild) - Bild: Marcus Brandt/dpa

Die Bundesregierung will nach einem Bericht des „Handelsblatts“ verhindern, dass die chinesische Staatsreederei Cosco 80 Prozent des Hamburger Transportunternehmens Konrad Zippel übernimmt.

Sicherheitsbedenken gegen Übernahme

Dem Bericht zufolge gibt es erhebliche Sicherheitsbedenken, weil Abhängigkeiten in der Logistik als Druckmittel genutzt werden könnten. Das Bundeswirtschaftsministerium teilte mit, die Übernahme werde in einem Investitionsprüfverfahren untersucht; der Prozess dauere an.

Zur Kernaussage des Berichts, die Bundesregierung sei gegen die Übernahme, äußerte sich das Ministerium nicht. Zippel teilte mit, man habe die Entscheidung der Bundesregierung zur Kenntnis genommen. Der Geschäftsbetrieb laufe unverändert weiter.

Cosco als Antragsteller

Zippel erklärte, Antragstellerin des Verfahrens sei Cosco. Fragen zum weiteren Umgang mit der Entscheidung seien daher an die chinesische Reederei zu richten. Cosco wollte den Bericht nicht kommentieren.

Kartellamt erlaubte Übernahme von 80 Prozent

Das Bundeskartellamt hatte im Februar mitgeteilt, dass Cosco aus Wettbewerbssicht 80 Prozent der Zippel-Anteile übernehmen darf. Ende April waren Bedenken des Bundesamts für Verfassungsschutz gegen die Transaktion bekannt geworden.

Zippel transportiert mit Zügen, Schiffen und Lastwagen Waren, die unter anderem an den Seehäfen Hamburg und Bremerhaven ankommen. Das Unternehmen beschäftigt nach früheren Angaben rund 350 Menschen.

Cosco bereits am Terminal Tollerort beteiligt

Cosco gehört gemessen an der Transportmenge zu den größten Reedereien der Welt und hält bereits 24,99 Prozent am Hamburger Containerterminal Tollerort. Der Einstieg im Jahr 2023 löste eine Debatte über den möglichen Einfluss Chinas auf kritische Infrastruktur in Deutschland aus.

Investitionsprüfung als Sicherheitsinstrument

Die geplante Transaktion steht für den politischen Wandel im Umgang mit chinesischen Investitionen in Deutschland. Während wirtschaftliche Beteiligungen lange vor allem unter Wettbewerbs- und Standortgesichtspunkten bewertet wurden, rücken inzwischen mögliche Abhängigkeiten in kritischen Liefer- und Transportketten stärker in den Mittelpunkt. Das Investitionsprüfverfahren ermöglicht dem Bund, Übernahmen aus Gründen der öffentlichen Ordnung oder Sicherheit zu untersagen.

Die Größenordnung von Zippel ist dabei nicht allein an Beschäftigtenzahl oder Umsatz zu messen. Entscheidend ist die Rolle des Unternehmens in der Verbindung von Seehäfen mit Industrie- und Handelsstandorten. Fällt ein Logistikdienstleister an wichtigen Knotenpunkten aus oder wird sein Zugang im Krisenfall eingeschränkt, können sich Verzögerungen über die gesamte Transportkette ausbreiten.

Hamburger Hafen bleibt strategischer Bezugspunkt

Besondere politische Sensibilität verleiht der Fall Coscos bestehende Beteiligung am Hamburger Containerterminal Tollerort. Die auf 24,99 Prozent begrenzte Beteiligung hatte bereits eine Debatte über chinesischen Einfluss auf deutsche Hafeninfrastruktur ausgelöst. Eine zusätzliche Beteiligung an einem Unternehmen, das Transporte von und zu Häfen organisiert, würde deshalb nicht isoliert betrachtet.

Für Unternehmen und Beschäftigte bedeutet die Prüfung zunächst, dass der operative Geschäftsbetrieb weiterläuft, die Eigentümerfrage aber offen bleibt. Für die Bundesregierung geht es zugleich um einen Präzedenzfall: Künftige Übernahmen in Logistik, Hafenwirtschaft und anderen kritischen Bereichen dürften noch stärker danach bewertet werden, ob wirtschaftliche Effizienz und sicherheitspolitische Vorsorge miteinander vereinbar sind.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

FOCUS online: „Bund will offenbar Cosco-Einstieg bei Zippel verhindern“ (29.09.2026)

Der Bericht schreibe, mehrere Ministerien sähen in der geplanten Übernahme erhebliche Sicherheitsrisiken und die Bundesregierung wolle den Einstieg verhindern. Anders als die dpa-Meldung nenne er zusätzliche Einzelheiten zur vorgesehenen Beteiligung, zur logistischen Bedeutung Zippels und zu möglichen Folgen für Transportwege im Krisenfall; zugleich betone er, die Entscheidung sei noch nicht endgültig gefallen.

Der Deutschlandfunk berichte in seinem Nachrichtenüberblick ebenfalls, die Bundesregierung wolle den Verkauf des Hamburger Logistikunternehmens an Cosco verhindern. Der Beitrag bestätige damit den Kern des Vorgangs, setze aber keinen eigenen Schwerpunkt über die knappe Nachricht hinaus und lasse die Einzelheiten des laufenden Prüfverfahrens offen.

Medienübergreifend bestehe Einigkeit über den politischen Widerstand gegen die geplante Übernahme; der FOCUS-Bericht hebe vor allem die sicherheitspolitische und logistische Bedeutung hervor, während der Deutschlandfunk den Vorgang knapp einordne. Offen bleibe, wann und in welcher Form das Investitionsprüfverfahren abgeschlossen werde.

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