Commerzbank-Übernahme: Bundesregierung lehnt UniCredit-Angebot ab
16.06.2026 - 18:15:55 | boerse-global.de
Der Bund als Großaktionär stellt sich quer: Das italienische Geldhaus UniCredit will die Commerzbank übernehmen – doch die Bundesregierung hat die Offerte zurückgewiesen. Aus Regierungskreisen heißt es, die angebotene Prämie auf den aktuellen Börsenkurs sei nicht angemessen. Der Bund unterstützt damit das Bestreben der Frankfurter Bank, eigenständig zu bleiben.
Entscheidung im Lenkungsausschuss
Die Ablehnung fiel im zuständigen Lenkungsausschuss, dem Vertreter des Kanzleramts sowie des Finanz-, Wirtschafts- und Justizministeriums angehören. Der Bund hält noch zwölf Prozent an der Commerzbank. Kritik gab es auch am aggressiven Vorgehen der UniCredit.
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Das Tauschangebot sieht 0,485 UniCredit-Aktien für jede Commerzbank-Aktie vor. Am 16. Juni entsprach das rechnerisch rund 37,18 bis 37,73 Euro pro Papier. Die Commerzbank-Aktie notierte zeitweise bei 36,60 Euro – erstmals unter dem kalkulierten Angebotswert der Italiener.
Juristische Front und Marktmanipulationsvorwürfe
Der Übernahmekampf hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Der Betriebsrat der Commerzbank erstattete Strafanzeige wegen des Verdachts der Marktmanipulation. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt bestätigte bereits Vorermittlungen. Im Kern geht es um die Frage: Hat UniCredit ihre Beteiligungsverhältnisse und Absichten korrekt dargestellt?
Das Commerzbank-Management schaltete zudem die BaFin ein. Die Bankführung bezweifelt die von den Italienern gemeldeten Zahlen zu den angedienten Aktien. UniCredit hatte mitgeteilt, ihr seien über zwölf Prozent zusätzlich zu ihrem bestehenden Paket angedient worden.
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Machtverhältnisse und Fristen
Trotz des Widerstands aus Berlin und Frankfurt baute UniCredit ihren Zugriff massiv aus. Die Italiener halten bereits einen direkten Anteil von 26,77 Prozent. Zusammen mit angedienten Aktien und Finanzinstrumenten könnte die Beteiligung rechnerisch auf bis zu 42 Prozent steigen. Das Mailänder Institut drohte bereits mit dem Austausch von Vorstand und Aufsichtsrat.
Die Annahmefrist für das Angebot läuft am 16. Juni um Mitternacht ab. Experten rechnen mit einer Verlängerung der Nachfrist bis zum 3. Juli. Während die UniCredit-Aktie ein Hoch seit Februar erreichte, steckt die Commerzbank mitten im Umbau: Rund 7.000 Stellen sollen wegfallen, um die Effizienz zu steigern und die Unabhängigkeit zu untermauern. CEO Orlopp betonte zuletzt: Eine Übernahme sei nur bei einem Aktienwert von über 40 Euro diskutabel.
