CO2-Grenzausgleich: USA werfen EU Protektionismus vor
Veröffentlicht am: 15.08.2026 um 19:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der US-Botschafter bei der Europäischen Union, Andrew Puzder, hat am Freitag offiziell eine Lockerung der europäischen Nachhaltigkeitsrichtlinien sowie Anpassungen am CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) gefordert.
In seinem Vorstoß berief sich der Diplomat auf das im Juli 2025 vereinbarte Turnberry-Rahmenwerk. Die US-Regierung wertet die aktuellen Regulierungen als potenzielle Handelshemmnisse für amerikanische Unternehmen und drängt auf weitreichende Zugeständnisse seitens Brüssels.
Kritik an Lieferkettenrichtlinie und Berichterstattungspflichten
Im Zentrum der US-Forderungen stehen die Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) sowie die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD). Botschafter Puzder verlangte, dass diese Richtlinien keine unangemessenen Hürden für den transatlantischen Handel darstellen dürften. Konkret forderte er eine Begrenzung der Geltungsbereiche auf in der EU ansässige Unternehmen.
Zudem drängen die USA darauf, als Land mit einem „vernachlässigbaren Risiko“ eingestuft zu werden, um den bürokratischen Aufwand für US-Firmen zu minimieren. Puzder betonte dabei die Notwendigkeit, bestehende Ausnahmeregelungen im Rahmen von Net-Zero-Initiativen zu respektieren. Die bisherigen Anpassungen der EU werden von Washington als unzureichend kritisiert.
Zwar hatte die Europäische Union den Geltungsbereich der CSDDD bereits auf die größten Unternehmen reduziert und den Beginn der Compliance-Phase auf Mitte 2029 verschoben, doch die US-Seite sieht darin keine ausreichende Entlastung. Auch die Anhebung der CSRD-Schwelle auf Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern genüge den Anforderungen der US-Regierung nicht.
Vorwurf des Protektionismus beim CO2-Grenzausgleich
Hinsichtlich des CO2-Grenzausgleichsmechanismus CBAM verschärfte der Botschafter den Ton. In einem Gastbeitrag für die Financial Times bezeichnete Puzder das Instrument als protektionistisch und stufte es faktisch als Zoll ein. Als Beleg für die wirtschaftliche Belastung führte er die Auswirkungen auf die Ukraine an. Für das Land gelte der Mechanismus bereits seit dem 1. Januar 2026, wobei Kosten von rund 80 Euro pro Tonne CO2 anfielen.
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Zusätzlich zu den klimapolitischen Differenzen belastet ein aktueller Bericht aus dem Weißen Haus das Verhältnis. In diesem Weißbuch wirft die US-Regierung der EU vor, die Umgehung von US-Zöllen durch China zu ermöglichen. Dieses sogenannte Transshipment-Risiko müsse von europäischer Seite konsequenter adressiert werden.
EU-Kommission beharrt auf regulatorischer Autonomie
Die Reaktion aus Brüssel erfolgte prompt. Arianna Podesta, Sprecherin der EU-Kommission, wies die Forderungen der USA zurück. Sie erklärte, dass die regulatorische Autonomie der Europäischen Union nicht verhandelbar sei. Zwar betonte die Kommission, dass die enge Zusammenarbeit mit den USA fortgesetzt werde, weitere Zugeständnisse bei den Nachhaltigkeitsregeln seien jedoch derzeit nicht geplant.
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Trotz der aktuellen Spannungen wird der Dialog zwischen den Handelspartnern aufrechterhalten. Botschafter Puzder forderte die EU auf, die Verpflichtungen aus den Handelsgesprächen des Vorjahres vollständig zu erfüllen.
Für den kommenden Herbst werden erste gemeinsame Erklärungen erwartet, die Aufschluss darüber geben könnten, ob in den strittigen Punkten eine Annäherung erzielt werden kann. Das Turnberry-Rahmenwerk von 2025 dient dabei weiterhin als maßgebliche Grundlage für die laufenden Verhandlungen.
