CO2-Grenzausgleich: CBAM-Index stagniert bei 75,28 Euro
02.07.2026 - 20:27:28 | boerse-global.de
Zum Quartalsende am 30. Juni notierte der Index bei 75,28 Euro pro Tonne CO2-Äquivalent. Das sind gerade einmal acht Cent weniger als im ersten Quartal (75,36 Euro). Die EU-Kommission gibt den offiziellen Durchschnittspreis am 6. Juli bekannt.
Reibungsloser Start für den neuen Mechanismus
Seit dem vollständigen Inkrafttreten am 1. Januar hat sich die Abwicklung der Importe eingespielt. Bereits in der ersten Januarwoche gingen über 12.000 Anträge auf Zulassung als autorisierter Anmelder ein. Mehr als 4.100 Unternehmen erhielten den Status, über 10.000 Zollanmeldungen wurden validiert.
Das Handelsvolumen der CBAM-pflichtigen Güter erreichte in den ersten Januartagen rund 1,66 Millionen Tonnen. Den Löwenanteil machte Stahl mit 98 Prozent aus, gefolgt von Düngemitteln, Zement und Aluminium. Wichtigste Herkunftsländer: die Türkei, China und Indien. Auf europäischer Seite importierten vor allem Unternehmen aus Belgien, Spanien, Rumänien, den Niederlanden, Frankreich und Deutschland.
Industrie warnt vor Kostenexplosion
Trotz des reibungslosen Starts schlagen führende Stahlproduzenten Alarm. ArcelorMittal Europe, Thyssenkrupp Steel und Voestalpine – sie repräsentieren rund 60 Prozent der integrierten EU-Stahlproduktion – fordern eine pragmatische Reform des Emissionshandels. Ohne wettbewerbsfähige Strompreise und erschwinglichen grünen Wasserstoff drohe ein massiver Kostenanstieg.
Branchenvertreter warnen: Die Stahlherstellung könnte bis zum Beginn des nächsten Jahrzehnts um rund die Hälfte teurer werden. Das gefährde nicht nur die industrielle Basis in Europa, sondern könnte auch zu einem deutlichen Rückgang in stahlintensiven Fertigungsbereichen führen. Die Konzerne fordern unter anderem Klimaschutzverträge (Carbon Contracts for Difference) und Leitmärkte für CO2-armen Stahl.
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Nationaler Zertifikatemarkt unter Druck
Parallel zur europäischen Entwicklung zeigte die erste nationale Emissionshandelsauktion (nEHS) an der Energiebörse EEX eine außergewöhnlich hohe Nachfrage. Das Gebotsvolumen erreichte rund 291,7 Millionen Zertifikate – der Großteil zum gesetzlichen Höchstpreis von 65 Euro. Wegen des massiven Überhangs wurde das Auktionsvolumen auf 21,34 Millionen Zertifikate verdoppelt. Ergebnis: Die Zuteilungsquote lag bei mageren 7,6 Prozent.
Globale Reaktionen und nächste Schritte
Die EU-Klimapolitik löst international unterschiedliche Reaktionen aus. Die Ukraine bemüht sich um einen Sonderstatus innerhalb des CBAM-Rahmens, um ihre Exporteure zu schützen. Eine vollständige Ausnahme gilt als unwahrscheinlich, aber Sonderregelungen für Beitrittskandidaten mit eigenen Emissionshandelssystemen stehen im Raum.
In Asien reagieren Industriezentren mit verstärkten Investitionen. In der südkoreanischen Provinz Gyeongsangbuk-do starteten nationale Forschungsprojekte zur CO2-Abscheidung und -Nutzung (CCU) an einem POSCO-Stahlwerk. Auch thailändische Exporteure bereiten sich auf eine mögliche Ausweitung des CBAM auf nachgelagerte Produkte wie Elektronik oder Autoteile vor.
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In Brüssel stehen weitere Verschärfungen bevor. Unterhändler des EU-Parlaments schlagen vor, für Importe aus riskanten Drittstaaten Standard-Emissionswerte festzulegen, falls keine verifizierten Daten der Hersteller vorliegen. Der Umweltausschuss stimmt am 6. Juli über diesen Vorschlag und die Aufnahme weiterer Gütergruppen ab.
