Burnout: WHO definiert Syndrom in ICD-11 als Berufsphänomen
Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 06:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Gemäß der aktuellen Klassifizierung ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird Burnout explizit als Berufsphänomen definiert, das aus chronischem Stress am Arbeitsplatz resultiert.
Diese Einordnung grenzt das Syndrom deutlich von anderen Lebensbereichen ab und benennt Erschöpfung, eine zunehmende geistige Distanz zur Arbeit sowie eine verringerte berufliche Leistungsfähigkeit als Kernsymptome.
Experten weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass eine seriöse Diagnose nicht über Online-Verfahren möglich sei und Betroffene bei schwerwiegenden Krisensymptomen umgehend professionelle Hilfe in Anspruch nehmen sollten.
Gesetzgeberische Hürden und steigende Fallzahlen
Die rechtliche Anerkennung von Burnout als Berufskrankheit bleibt international ein kontroverses Thema. In Rumänien wurde ein entsprechender Gesetzentwurf für einen spezifischen Burnout-Krankenstand am 4. März 2025 zurückgezogen, obwohl das Land laut einer Studie aus dem Jahr 2022 den zweiten Platz bei der Burnout-Inzidenz in Europa belegte. Die Partei USR kündigte jedoch die Erarbeitung eines neuen Entwurfs an.
Global zeichnen sich drastische Entwicklungen ab. In Brasilien stieg die Zahl der Burnout-Fälle zwischen 2014 und 2024 um 96,4 Prozent an, wobei das Jahr 2024 den bisherigen Höchststand markierte. Besonders betroffen sind Frauen, die 71,6 Prozent der Fälle ausmachen, sowie die Altersgruppe der 35- bis 49-Jährigen mit einem Anteil von 56,7 Prozent.
Auch in Belgien zeigt die Statistik des Landesinstituts für Kranken- und Invalidenversicherung (Likiv) eine besorgniserregende Tendenz: Ende 2025 waren mehr als 155.000 Menschen aufgrund von Depressionen oder Burnout länger als ein Jahr arbeitsunfähig, was einem Anstieg von 32 Prozent innerhalb von vier Jahren entspricht.
Präsentismus und strukturelle Fehlbelastungen
Ein wesentliches Problem in der modernen Arbeitswelt stellt der sogenannte Präsentismus dar. Laut dem DGB-Index 2025 arbeiteten zwei Drittel der Beschäftigten trotz Krankheit, 44 Prozent davon sogar eine Woche oder länger.
Besonders ausgeprägt ist dieses Verhalten bei Jüngeren unter 29 Jahren sowie im Homeoffice, wo 46 Prozent der Befragten angaben, im Krankheitsfall zu arbeiten. Als notwendige Gegenmaßnahmen werden eine stabilere Personaldecke sowie verstärkte Aufklärungsarbeit genannt.
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Wie gefährlich chronische Überlastung sein kann, zeigt ein tragischer Vorfall aus China: Der 39-jährige Programmierer Xing Zhi verstarb am 23. April auf der Toilette seines Arbeitsplatzes in Shenzhen, nachdem er regelmäßig bis spät in die Nacht gearbeitet hatte.
Die zuständigen Behörden lehnten am 3. Juli die Anerkennung als Arbeitsunfall ab, da er zum Zeitpunkt des Todes noch nicht mit der Arbeit des neuen Tages begonnen habe. Die Witwe kämpft seither um eine Entschädigung in Höhe von etwa 1,1 Millionen Yuan (circa 142.000 Euro).
Strategien für Prävention und Arbeitsorganisation
Angesichts dieser Belastungen fordern Organisationen wie die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) eine stärkere Einbindung der Arbeitsmedizin in die Prävention. Bei einem Gespräch im Bundesgesundheitsministerium am 16. Juli 2026 wurde die Rolle der rund 9000 Betriebsärzte für die bundesweit 46 Millionen Erwerbstätigen thematisiert.
Wissenschaftliche Ansätze wie die Chronobiologie liefern zudem Hinweise für eine gesündere Arbeitsgestaltung. Da nur etwa 20 Prozent der Menschen dem Chronotyp der „Lerche“ entsprechen, führt ein dauerhafter „Social Jetlag“ zu gesundheitlichen Schäden.
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Die Klinik Wartenberg konnte durch die Berücksichtigung von Chronotypen und die Verlegung von Meetings in das Zeitfenster zwischen 10 und 15 Uhr die Müdigkeit um 72 Prozent und die Krankheitstage um 48 Prozent reduzieren.
Ergänzend dazu raten Experten wie der Psychologe Guy Winch zu einer bewussten Reduzierung der Arbeitslast um fünf bis zehn Prozent, da neue Technologien wie Künstliche Intelligenz oft zu mehr statt weniger Belastung führten. Zur Stressbewältigung werden zudem klare E-Mail-Zeiten, strukturierte Wochenplanungen und regelmäßige Bewegung empfohlen.
Auch der Social-Media-Trend „Cortisolmaxxing“ thematisiert die Senkung des Stresshormons, wobei Fachleute betonen, dass Cortisol lebensnotwendig sei und ein gesundes Maß durch Schlaf, Ernährung und Bewegung erreicht werden sollte.
