Bundeshaushalt 2027: Rechnungshof beziffert Deckungslücke auf 160,7 Milliarden
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 00:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Bundesrechnungshof schlägt Alarm: In einem Bericht an den Haushaltsausschuss des Bundestags warnen die Rechnungsprüfer vor einer immer weiter auseinandergehenden Schere zwischen den Ausgaben des Bundes und den tatsächlichen Steuereinnahmen. Das 58 Seiten umfassende Gutachten zeichnet ein kritisches Bild der fiskalischen Lage und wirft Bundesfinanzminister Lars Klingbeil eine fahrlässige Schuldenpolitik vor.
Die Prüfer sprechen mit Blick auf die mittelfristige Entwicklung von einem finanziellen Drama und fordern das Parlament auf, die Bundesregierung bei der Haushaltsdisziplin in die Pflicht zu nehmen.
Klaffende Milliardenlücke im kommenden Etat
Für das kommende Haushaltsjahr 2027 beziffert der Bundesrechnungshof die Diskrepanz sehr präzise: Geplanten Gesamtausgaben von 555,4 Mrd. Euro stehen prognostizierte Einnahmen von lediglich 394,7 Mrd. Euro gegenüber. Daraus ergibt sich eine Deckungslücke von 160,7 Mrd. Euro.
Damit steigt die rechnerische Deckungslücke um 2,7 Prozentpunkte auf nunmehr 28,9 Prozent der gesamten Ausgaben. Die Rechnungsprüfer heben hervor, dass diese Lücke mittlerweile mehr als elfmal so groß ausfällt wie noch im Vor-Krisen-Jahr 2019. Die Kluft verfestige sich zunehmend und bedrohe die Handlungsfähigkeit der öffentlichen Hand.
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Verschärfung bis zum Ende des Jahrzehnts
Eine Entspannung der finanziellen Lage ist nach den Berechnungen der Bonner Behörde vorerst nicht in Sicht. Da die Ausgaben des Bundes weiterhin schneller zunehmen als die Einnahmen, soll die Deckungslücke ab 2028 und in den darauffolgenden Jahren die Marke von 30 Prozent überschreiten. Bis zum Jahr 2030 prognostiziert der Bundesrechnungshof einen Anstieg der Lücke auf 31,2 Prozent.
Im aktuellen Finanzplan sei für den Zeitraum der Jahre 2028 bis 2030 bereits ein ungedeckter Handlungsbedarf in Höhe von 108 Mrd. Euro ausgewiesen. Vor diesem Hintergrund betonen die Prüfer, dass der Druck zur fiskalischen Konsolidierung in den kommenden Jahren unvermindert hoch bleibe und strukturelle Gegenmaßnahmen unausweichlich seien.
Beratungen im Parlament und politische Reaktionen
Die Mahnungen des Rechnungshofs treffen den Bundestag mitten in den Vorbereitungen auf die anstehenden Etatberatungen. Geplant ist derzeit die traditionelle Bereinigungssitzung des Haushaltsausschusses für Mitte November, gefolgt von der abschließenden Abstimmung im Plenum Ende November.
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Ob dieser Zeitplan in der schwarz-roten Koalition gehalten werden kann, gilt parlamentarisch allerdings noch nicht als gesichert; Verschiebungen gelten als möglich.
Unterdessen mehren sich die Stimmen aus den Fraktionen, die deutliche Korrekturen einfordern. Der CDU-Haushaltspolitiker Andreas Mattfeldt mahnte konkrete Kürzungen an und forderte Einsparungen von 30 Mrd. Euro bei dem für 2028 anvisierten Etat von rund 600 Mrd. Euro.
CDU-Finanzchef Fritz Güntzler bezifferte die Unterdeckung im Etat 2028 auf rund 28 Mrd. Euro. Angesichts der angespannten Kassenlage schließen einzelne Mitglieder der Regierungskoalition auch steuerliche Schritte nicht mehr aus; so wird für das Jahr 2028 unter anderem über eine mögliche Erhöhung der Mehrwertsteuer diskutiert.
