Bundeshaushalt 2027: Plastik- und Zuckersteuer ab Januar geplant
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 16:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Am 8. September 2026 hat Bundesfinanzminister Klingbeil den Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2027 im Bundestag vorgestellt. Die Planung sieht Gesamtausgaben in Höhe von 555,4 Milliarden Euro vor, was eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr darstellt.
Während die Bundesregierung auf massive Investitionen in Infrastruktur und Sicherheit setzt, formiert sich angesichts geplanter Steuererhöhungen und einer hohen Neuverschuldung deutlicher Widerstand in der Wirtschaft und bei der Opposition.
Investitionsschwerpunkte und Verteidigungsausgaben
Der Entwurf für das Jahr 2027 sieht Rekordinvestitionen von knapp 118 Milliarden Euro vor. Davon entfallen laut Regierungsangaben 17,7 Milliarden Euro auf den Ausbau von Schienen, Brücken und Straßen.
Weitere 9 Milliarden Euro sind für die Bereiche Digitalisierung und Forschung reserviert, wobei die Forschungsausgaben im Vergleich zum Vorjahr um 60 Prozent steigen sollen. Thorsten Rudolph von der SPD-Bundestagsfraktion betonte, dass die Ziele des Entwurfs insbesondere in der Stärkung der inneren und äußeren Sicherheit sowie in der Konsolidierung liegen.
Ein wesentlicher Posten im kommenden Haushalt sind die Verteidigungsausgaben, die auf 109,7 Milliarden Euro steigen sollen, was einem Zuwachs von 27,1 Milliarden Euro entspricht. Für die Unterstützung der Ukraine sind zudem 11,6 Milliarden Euro eingeplant. Der größte Einzeletat verbleibt jedoch beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales mit einem Volumen von rund 201,5 Milliarden Euro.
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Finanzierung durch Kredite und neue Abgaben
Um die geplanten Ausgaben zu decken und eine Finanzierungslücke von 34 Milliarden Euro zu schließen, sieht der Entwurf eine Nettokreditaufnahme von 118,7 Milliarden Euro vor. Diese setzt sich aus einer regulären Kreditaufnahme von 33,4 Milliarden Euro und einer Bereichsausnahme in Höhe von 85,4 Milliarden Euro zusammen.
Der Bund der Steuerzahler sowie der Bundesrechnungshof kritisierten diese Rekordneuverschuldung scharf. Zudem wird vor drastisch steigenden Zinslasten gewarnt: Während die Zinsausgaben im Jahr 2027 bei 41,9 Milliarden Euro liegen sollen, könnten sie bis zum Jahr 2030 auf 80,7 Milliarden Euro ansteigen.
Zusätzlich zur Kreditaufnahme plant die Bundesregierung die Einführung neuer Steuern. Ab 2027 soll eine Plastiksteuer als EU-Abgabe in Höhe von 80 Cent pro Kilogramm nicht verwertbaren Plastiks erhoben werden.
Zudem ist die Einführung einer Zuckersteuer vorgesehen, die im ersten Jahr rund 650 Millionen Euro in die Staatskasse spülen soll. Weitere Mehreinnahmen werden durch die Erhöhung der Tabaksteuer (756 Millionen Euro) und der Schaumweinsteuer (380 Millionen Euro) im Jahr 2027 erwartet.
Steuerreform und Kritik der Wirtschaftsverbände
Ein bereits am 2. September 2026 vom Kabinett beschlossener Teil der Finanzplanung betrifft die Einkommensteuerreform. Diese sieht unter anderem vor, dass das Kindergeld zum 1. Januar 2027 von 259 auf 267 Euro pro Monat steigen soll. Gleichzeitig wird eine neue Grenzsteuerstufe von 47 Prozent für zu versteuernde Einkommen ab 280.000 Euro eingeführt.
Zehn namhafte Wirtschaftsverbände, darunter der Zentralverband des Handwerks und der DIHK, protestierten in einem Brandbrief gegen diese Pläne. Sie warnen, dass die Steuerbelastung für mittelständische Personenunternehmen unter Einrechnung des Solidaritätszuschlags auf rund 50 Prozent steigen könnte.
Kritisiert wird zudem, dass ein vollständiger Ausgleich der kalten Progression für das Jahr 2027 fehle. Der CDU-Abgeordnete Bosbach forderte hierzu Nachbesserungen.
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Neuregelung für Kryptowährungen und Ausblick
Im Rahmen der Haushaltsberatungen wurde zudem ein Gesetzentwurf zur Krypto-Steuerreform bekannt. Ab 2027 sollen Gewinne aus Kryptowährungen unabhängig von der Haltedauer pauschal mit einer Abgeltungssteuer von 25 Prozent belegt werden, ähnlich wie bei Aktien. Diese Regelung greift jedoch nur für Kryptowerte, die nach dem 31. Dezember 2026 erworben werden.
FDP-Generalsekretär Martin Hagen kritisierte die gesamte Haushaltspolitik der Regierung und forderte eine Rückkehr zur Schuldenbremse sowie den Verzicht auf Steuererhöhungen. Er schlug stattdessen Einsparungen durch die Abschaffung zahlreicher Bundesbehörden vor. Auch Unionsfraktionschef Thorsten Frei stellte die Finanzplanung infrage und mahnte eine langfristige Reduzierung der Schuldenaufnahme an.
