Bürokratieabbau: Bundesregierung will 30 Prozent Berichtspflichten streichen
10.06.2026 - 14:20:14 | boerse-global.de
Der Verband elektronische Rechnung (VeR) hat am heutigen Mittwoch ein Strategiepapier zur Umsetzung eines digitalen Meldesystems veröffentlicht. Es zeigt Wege auf, wie die Finanzverwaltung Kerndaten aus Geschäftstransaktionen automatisiert erfassen kann – ohne Parallelstrukturen zu schaffen.
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Integrierte Meldewege statt neuer Insellösungen
Das Papier plädiert dafür, das künftige Meldesystem als direkte Weiterentwicklung bestehender E-Rechnungsprozesse zu gestalten. Statt isolierter neuer Meldewege soll die vorhandene Infrastruktur dienen – besonders die B2B-E-Rechnung und das Peppol-Netzwerk. Zertifizierte Provider sollen die Daten automatisiert an die Finanzbehörden übermitteln.
Dr. Donovan Pfaff und Vorstandsmitglied Ivo Moszynski betonten bei der Vorstellung das erhebliche Effizienzpotenzial. Ein zentraler Punkt: die europäische Anschlussfähigkeit. Der Verband verweist auf Initiativen wie ViDA (VAT in the Digital Age), DRR (Digital Reporting Requirements) und VIES.
Politischer Rahmen für Bürokratieabbau
Flankiert werden die technischen Konzepte durch Ankündigungen der Bundesregierung. Digitalminister Karsten Wildberger will rund 30 Prozent aller Berichtspflichten streichen. Teil der Strategie: eine „Deutschland-App“ ab 2027 als zentrales digitales Rathaus. Ab demselben Zeitraum sollen Personalausweis und Führerschein komplett digital auf dem Smartphone verfügbar sein.
Wildberger treibt zudem den Austausch mit Arbeitsministerin Bärbel Bas und den Ministerpräsidenten Hendrik Wüst und Cem Özdemir voran. Letzterer plant für Baden-Württemberg ein „Effizienzgesetz“: Berichtspflichten laufen bis Ende 2027 automatisch aus, wenn sie nicht neu begründet werden.
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Fortschritte bei der Verwaltungsdigitalisierung
Auch auf Länderebene tut sich was. Thüringen unterzeichnete am Montag einen Vertrag mit dem Bund, um bis März 2027 fünf zentrale Verwaltungsleistungen zu digitalisieren: Wohngeldanträge, Wohnsitzummeldungen, Eheschließungen, Schwerbehindertenausweis und Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen.
In NRW plant Digitalministerin Ina Scharrenbach noch vor der Sommerpause einen Gesetzentwurf für das Prinzip „API First“. Einheitliche Schnittstellen sollen die Abhängigkeit von einzelnen Software-Anbietern verringern.
Milliardeninvestitionen in die Netzinfrastruktur
Parallel sichert die technische Basis die Vorhaben ab. Im Rahmen des Memorandums „Bestes Netz für Deutschland“ vom Montag investiert die Telekommunikationsbranche allein 2026 rund 10,9 Milliarden Euro in Glasfaser und Mobilfunk. Davon entfallen 8,5 Milliarden auf den Glasfaserausbau – Ziel: 3,2 Millionen Haushalte direkt anschließen.
Anpassungen im steuerlichen Verfahren
Die Digitalisierung ist im Steueralltag bereits Realität. Ein BMF-Schreiben vom Juni konkretisierte Anpassungen im Vorsteuer-Vergütungsverfahren. Für nicht im Gemeinschaftsgebiet ansässige Unternehmer sind digitale Nachweise über das BZSt-Portal jetzt Pflicht – Ausnahmen nur für Kleinbetragsrechnungen bis 250 Euro.
Auch im europäischen Ausland geht die Konsolidierung weiter. In Österreich kündigten Post Business Solutions und der Dienstleister Banqup am Dienstag eine Kooperation an. Ziel: eine gemeinsame Lösung für E-Invoicing und Zahlungsautomatisierung, die Compliance mit EU-Regeln sicherstellt und Abläufe in KMU beschleunigt.
