Betriebsrente: 86% der Großunternehmen bieten bAV – Kleinstbetriebe hinten nach
Veröffentlicht: 07.07.2026 um 07:04 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Das zeigt eine aktuelle Untersuchung der Allianz. Doch der Zugang ist höchst ungleich verteilt.
Für die Studie wurden bis Ende April 2026 insgesamt 1.073 Beschäftigte und 162 Unternehmen befragt. Das Ergebnis: 86 Prozent der Großunternehmen bieten ihren Mitarbeitern eine Betriebsrente an. Bei Kleinstbetrieben mit weniger als zehn Angestellten sind es gerade mal 25 Prozent.
Auch das Einkommen entscheidet über den Zugang. Von den Beschäftigten mit einem Bruttolohn von bis zu 2.500 Euro hat nur etwa ein Drittel Anspruch auf eine betriebliche Altersvorsorge. Neben der Betriebsrente zählen Homeoffice-Möglichkeiten und Gesundheitsmanagement zu den am höchsten bewerteten Leistungen. Die Prioritäten unterscheiden sich: Führungskräfte schätzen eher das Gesundheitsmanagement, Angestellte bevorzugen häufiger eine betriebliche Krankenversicherung.
Reformdruck wächst
Die Alterssicherungskommission empfiehlt für 2026 einen verstärkten Sozialpartnerdialog. Ziel: Die Verbreitung der bAV besonders in kleineren Unternehmen fördern. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sieht dringenden Handlungsbedarf. In einem Rentenreport für Nordrhein-Westfalen Ende Juni 2026 fordert er eine verpflichtende Betriebsrente und die Einbeziehung von Minijobs in das Rentensystem.
Die Zahlen untermauern die Dringlichkeit. Im Juni 2026 lag die durchschnittliche Rente für Männer in Nordrhein-Westfalen bei 1.535 Euro, Frauen erhielten im Schnitt nur 876 Euro. Bundesweit sind rund 650.000 Rentner von erheblicher materieller Entbehrung betroffen. Die Armutsquote bei den über 65-Jährigen liegt bei 19,5 Prozent.
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Viele zweifeln am Erreichen des Rentenalters
Der DGB-Index „Gute Arbeit“ zeigt eine ausgeprägte Skepsis unter den Erwerbstätigen. Rund 40 Prozent glauben nicht daran, ihren Beruf bis zum regulären Rentenalter ausüben zu können. Besonders hoch ist der Anteil in körperlich oder psychisch belastenden Berufen: im Sanitär- und Heizungsbau (72 Prozent), in der Krankenpflege (71 Prozent) und in der Altenpflege (67 Prozent).
Hauptgründe sind anhaltender Zeitdruck, Lärm und körperliche Belastungen. DGB-Vorsitzende Fahimi fordert gesündere Arbeitsbedingungen und würdige Übergänge in den Ruhestand.
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Neue Modelle am Start
Finanzdienstleister bereiten bereits neue Vorsorgemodelle vor. Die DEVK plant für 2027 zwei geförderte Produkte: ein ETF-basiertes Standarddepot ohne Garantien mit jährlichen Kosten unter einem Prozent sowie ein individuelles Vorsorgeprodukt mit verschiedenen Garantievarianten. Beide Modelle sehen wahlweise eine lebenslange Rente oder einen Auszahlungsplan vor.
Auch die junge Generation zeigt Offenheit für neue Wege. Eine Forsa-Studie vom Juni 2026 ergab: Rund die Hälfte der 18- bis 39-Jährigen hält die Nutzung eines Altersvorsorgedepots für wahrscheinlich. Gleichzeitig bewerten 81 Prozent der Befragten die bisherigen politischen Reformbemühungen als unzureichend.
Der Branchenverband VOTUM plädiert für eine gesetzliche Kapitalrente nach internationalem Vorbild. Dabei solle zwischen staatlichen und privaten Fonds gewählt werden können. Zudem fordert der Verband eine Vorsorgepflicht für Selbstständige – mit Wahlfreiheit zwischen gesetzlicher Rentenversicherung und privaten Lösungen.
