Betriebliches Gesundheitsmanagement wird zur Chefsache
12.05.2026 - 03:39:51 | boerse-global.deRund 71 Prozent der Schweizer Firmen mit mehr als zehn Mitarbeitern setzen bereits auf Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM). Doch nur jedes fünfte Unternehmen verfolgt dabei einen strukturierten Gesamtansatz. Das Forum BGM Bern-Solothurn will das ändern – mit einem Fokus auf lebensphasenorientierte Angebote.
Die Arbeitswelt altert, der Fachkräftemangel wächst. Die Folge: Unternehmen müssen ihre Gesundheitsförderung individualisieren. Denn die Bedürfnisse eines 20-jährigen Lernenden unterscheiden sich massiv von denen eines 55-jährigen Experten.
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Von der Fitness-App bis zur Pflegeberatung
Ein zeitgemäßes BGM geht längst über kostenlose Obstkörbe und vergünstigte Fitness-Abos hinaus. Gefragt sind maßgeschneiderte Lösungen für jede Lebensphase.
Für Berufseinsteiger und Lernende stehen psychische Gesundheit und der gesunde Umgang mit digitalen Medien im Fokus. Programme wie „Apprentice“ helfen etwa Berufsbildungsverantwortlichen, die Resilienz von Nachwuchskräften gezielt zu stärken.
In der mittleren Lebensphase rücken Work-Life-Balance, Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen in den Vordergrund. Flexible Arbeitszeitmodelle und Beratungsangebote sind hier die zentralen Stellschrauben.
Bei älteren Mitarbeitern gewinnen ergonomische Arbeitsplatzgestaltung und der Erhalt der langfristigen Arbeitsmarktfähigkeit an Bedeutung. Wer hier frühzeitig investiert, reduziert nachweislich krankheitsbedingte Fehlzeiten.
Krankenstand steigt dramatisch
Die aktuellen Zahlen aus dem Schweizer BGM-Monitoring 2024 belegen den Handlungsbedarf. Zwar setzen 71 Prozent der Betriebe mit mehr als zehn Mitarbeitern Gesundheitsmaßnahmen um – bei Firmen über 50 Beschäftigten sind es sogar 75 Prozent.
Doch die Qualität hinkt hinterher: Nur 22 Prozent der Unternehmen verankern BGM vollumfänglich nach einem strukturierten Konzept.
Gleichzeitig steigen die Krankheitsausfälle rasant. Fehlten Arbeitnehmer 2010 durchschnittlich 6,3 Tage pro Jahr, waren es 2024 bereits 8,5 Tage pro Vollzeitstelle. Besonders Stress und psychische Erkrankungen nehmen zu.
Mehr als die Hälfte der befragten Experten stuft die Förderung psychischer Gesundheit daher als prioritäres Handlungsfeld ein. Unternehmen müssen nicht nur Symptome bekämpfen, sondern durch gesunde Führung und Unternehmenskultur präventiv handeln.
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Vom Kostenfaktor zum Wettbewerbsvorteil
BGM entwickelt sich vom freiwilligen Extra zum strategischen Führungsinstrument. Im Kampf um Fachkräfte wird ein professionelles Gesundheitsmanagement zum entscheidenden Faktor im Employer Branding.
„Unternehmen, die zeigen, dass sie die Lebensphasen ihrer Mitarbeiter verstehen, steigern ihre Attraktivität massiv“, so der Tenor auf dem Forum BGM Bern-Solothurn. Die Plattform fördert den regionalen Wissensaustausch und diskutiert beim nächsten Treffen Mitte Juni in Solothurn praxisnahe Lösungen.
Dabei geht es um mehr als Einzelmaßnahmen. Gefragt ist eine ganzheitliche Betrachtung der Arbeitsorganisation. Gesunde Zusammenarbeit und offener Dialog über Belastungsgrenzen werden zur Kernkompetenz moderner Organisationen.
Die Digitalisierung als Fluch und Segen
Der Trend zeigt eine klare Verschiebung: weg von isolierten Präventionsmaßnahmen, hin zu einem umfassenden Welfare Management. Die Grenzen zwischen physischer und psychischer Gesundheit sowie zwischen Berufs- und Privatleben verschwimmen zunehmend.
Moderne BGM-Ansätze integrieren daher auch Karriereplanung, Familienservices und soziale Absicherung.
Die Digitalisierung spielt dabei eine Doppelrolle: Einerseits ermöglicht sie durch hybride Angebote und digitale Coaching-Tools neue Formen der Individualisierung. Andererseits fordert sie neue Kompetenzen in mentaler Abgrenzung und Selbstorganisation.
Die erfolgreiche Umsetzung erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Geschäftsleitung, Personalabteilung und Mitarbeitern. Nur wenn Gesundheit strategisch in der Unternehmenskultur verankert ist, wirken Maßnahmen nachhaltig.
Zukunftstrend: BGM wird Standard
Die Professionalisierung des Betrieblichen Gesundheitsmanagements wird sich fortsetzen. Rund 60 Prozent der Schweizer Unternehmen planen, ihr Engagement in diesem Bereich zu verstärken.
Der Fokus liegt künftig auf Messbarkeit und kontinuierlicher Verbesserung. Monitoring-Instrumente, die fundierte Daten zur Gesundheitssituation liefern, gehören bald zum Standard-Repertoire jeder Führungskraft.
Auch die soziale Nachhaltigkeit im Rahmen von ESG-Kriterien wird BGM eine höhere strategische Bedeutung verleihen. Wer nachweislich in die Gesundheit seiner Belegschaft investiert, erfüllt nicht nur soziale Standards – sondern sichert sich langfristig die ökonomische Leistungsfähigkeit.
Die Orientierung an den unterschiedlichen Lebensphasen der Mitarbeiter bleibt kein Nischenthema. Sie wird zum Grundpfeiler einer zukunftsorientierten Personalpolitik.
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