Betriebliches, Gesundheitsmanagement

Betriebliches Gesundheitsmanagement: Krankenstand wird zur strategischen Herausforderung

18.05.2026 - 10:58:14 | boerse-global.de

Hohe Fehlzeiten und neue Arbeitsmodelle fordern Firmen. Betriebliches Gesundheitsmanagement wird zum strategischen Vorteil bei Fachkräften und Investoren.

Betriebliches Gesundheitsmanagement: Krankenstand wird zur strategischen Herausforderung - Foto: über boerse-global.de
Betriebliches Gesundheitsmanagement: Krankenstand wird zur strategischen Herausforderung - Foto: über boerse-global.de

Aktuelle Daten belegen: Die Gesundheit der Mitarbeiter ist längst mehr als eine soziale Verpflichtung – sie wird zum Wettbewerbsfaktor.

Pflegebranche besonders betroffen

Die Techniker Krankenkasse (TK) hat für 2025 alarmierende Zahlen vorgelegt. Pflegekräfte fehlten im Schnitt 27,8 Tage krankheitsbedingt – der allgemeine Durchschnitt liegt bei 17,7 Tagen. Besonders hart trifft es die Altenpflege mit 32,7 Fehltagen, während die Krankenpflege auf 25,8 Tage kommt.

Psychische Erkrankungen sind ein Haupttreiber. Bei Pflegekräften wurden durchschnittlich 5,7 Fehltage registriert, deutlich über dem allgemeinen Schnitt von 3,3 Tagen. Krankenkassenvertreter fordern deshalb, Präventionsmaßnahmen fest in der geplanten Pflegereform zu verankern.

Hybride Arbeit: Segen und Risiko zugleich

Das Homeoffice bleibt fester Bestandteil der Arbeitswelt. Eine aktuelle Untersuchung des Bremer Instituts Arbeit und Wirtschaft zeigt jedoch: Die Kehrseite der Flexibilität sind soziale Isolation, verschwimmende Grenzen zwischen Job und Privatleben sowie Arbeitsverdichtung.

Studienautorin Cora Zenz betont: Hybride Modelle brauchen klare Regeln und angepasste Führungskompetenz. Die physische Relevanz untermauert eine Langzeitstudie aus dem Jahr 2024 im Journal of the American Heart Association. Bei rund 6.000 Frauen zeigte sich: Wer täglich mehr als 11,6 Stunden ununterbrochen sitzt, hat ein 78 Prozent höheres Risiko für einen Herz-Kreislauf-Tod. Bereits fünf Minuten Bewegung nach je 30 Minuten Sitzen helfen.

Was Unternehmen rechtlich beachten müssen

Das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) ruht auf mehreren Säulen. Dazu gehören der gesetzliche Arbeitsschutz, das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) und die betriebliche Gesundheitsförderung. Das BEM müssen Unternehmen anbieten, wenn ein Mitarbeiter mehr als sechs Wochen innerhalb von zwölf Monaten krank war.

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Die Arbeitsmedizin Sydow aus Hamburg weist darauf hin: Bereits ab dem ersten Mitarbeiter besteht eine gesetzliche Pflicht zur arbeitsmedizinischen Betreuung. Die Komplexität zeigt sich bei Gefährdungsbeurteilungen – etwa für Biostoffe. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) veröffentlichte im Mai 2026 aktualisierte Dokumente dazu. Biostoffe werden in vier Risikogruppen unterteilt: von harmloser Bäckerhefe (Gruppe 1) über SARS-CoV-2 (Gruppe 3) bis zum Ebolavirus (Gruppe 4). Da keine verbindlichen Grenzwerte existieren, sind individuelle Schutzmaßnahmen und sorgfältige Dokumentation entscheidend.

BGM als Recruiting-Instrument

Gesundheitsmanagement wird zum Wettbewerbsvorteil bei Fachkräften. Eine Stepstone-Auswertung vom Mai 2026 identifizierte allein in Berlin über 30 offene Positionen im Bereich – unter anderem bei der Siemens-Betriebskrankenkasse, 50Hertz Transmission und der Stiftung Stadtmuseum Berlin.

Hinzu kommen steigende ESG-Anforderungen. In einem Online-Seminar am 19. Mai 2026 thematisiert Referent Kai Manfred Bauer die Verknüpfung von BGM mit Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien. Unternehmen müssen nachweisen, wie sie soziale Nachhaltigkeit fördern – das beeinflusst die Bewertung durch Investoren.

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Technologie hilft – schafft aber neue Herausforderungen

KI-Tools wie Meetily, das seit Mai 2026 Meetings ohne Cloud-Anbindung transkribiert, entlasten Mitarbeiter und fördern Barrierefreiheit. Die Überwachungsstelle für Barrierefreiheit NRW informiert am 20. Mai 2026 über rechtliche Rahmenbedingungen für Webseiten.

Spezialisierte Fortbildungen runden das Bild ab. Das Klinikum Karlsruhe bietet im Mai 2026 Schulungen zur Hygiene im Rettungsdienst an, geleitet von Dr. Karin Mrugalla.

Der Trend ist klar: Gesundheitsschutz wird zur strategischen Managementaufgabe. Ein Seminar im November 2026 zum Arbeits- und Gesundheitsschutz für Betriebsräte unterstreicht den Bedarf an fundiertem Wissen über Mitbestimmungsrechte. Unternehmen, die jetzt investieren, senken nicht nur Fehlzeiten – sie sichern sich einen entscheidenden Vorteil im Kampf um Talente.

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