Betriebliche Gesundheit: 64% der Arbeitgeber erhöhen Budgets 2027
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 18:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bedeutung betrieblicher Gesundheitsleistungen nimmt in der deutschen Wirtschaft weiter zu. Laut der aktuellen „Great Employee Benefits Studie 2026“ des Dienstleisters Epassi planen 64 Prozent der Arbeitgeber, ihre Budgets für Mitarbeiter-Benefits im Jahr 2027 zu erhöhen.
Dieser Trend korrespondiert mit einem wachsenden Bedarf an Präventionsmaßnahmen am Arbeitsplatz, wobei insbesondere die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage bei körperlichen Wellness-Maßnahmen im Fokus steht.
Diskrepanz zwischen Angebot und Mitarbeiterwünschen
Trotz der geplanten Budgetsteigerungen zeigt die Analyse der vergangenen Monate deutliche Optimierungspotenziale auf. Im Jahr 2025 nutzte mehr als ein Drittel der Beschäftigten die angebotenen Benefits nicht vollständig aus. Als Hauptgrund gaben 54 Prozent der Befragten an, dass die Angebote nicht ihren persönlichen Interessen entsprächen.
Besonders deutlich wird dies im Bereich der physischen Gesundheit: Während sich 43 Prozent der Mitarbeitenden Angebote zur körperlichen Wellness wünschen, erhalten lediglich 16 Prozent entsprechende Leistungen von ihrem Arbeitgeber.
Die positiven Effekte passgenauer Angebote sind dabei statistisch belegbar. Den Daten von Epassi zufolge sind Personen, die Fitness-Angebote nutzen, zu 87 Prozent aktiver. Zudem verzeichnen diese Beschäftigten einen um 63 Prozent geringeren Krankenstand.
Verstärkter Fokus auf die Herz-Kreislauf-Prävention
Parallel zu den Budgetplanungen der Unternehmen bauen Fachorganisationen ihre Unterstützung für das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) aus. Die Deutsche Hochdruckliga stellt über das Portal Blutdruckmanager.de ab sofort kostenlose Materialien für Betriebsärzte zur Verfügung. Das Angebot umfasst eine achtteilige Poster-Ausstellung sowie Quizkarten zur Sensibilisierung der Belegschaft.
Hintergrund dieser Initiative ist die hohe Verbreitung von Bluthochdruck, von dem laut Gesundheitsatlas Deutschland etwa 20 bis 40 Prozent der 20- bis 64-Jährigen betroffen sind.
Die Resonanz in der Wirtschaft ist steigend: Im ersten Halbjahr 2026 wurden bereits mehr als 55.000 Materialien von über 150 Betrieben abgerufen, was einer Steigerung von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Wer im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsvorsorge seine Herz-Kreislauf-Werte verbessern möchte, profitiert von gezielten Strategien zur Senkung des Blutdrucks. Prof. Dr. med. Thomas Kurscheid verrät in seinem Spezialreport 7 einfache Tipps, die helfen, den Blutdruck auf natürliche Weise zu regulieren. 7 Tipps zur natürlichen Blutdrucksenkung jetzt kostenlos herunterladen
Gesetzliche Rahmenbedingungen und neue Arbeitsunfähigkeitsregeln
Auch der Gesetzgeber bereitet strukturelle Änderungen vor, die das Verhältnis von Arbeit und Gesundheit beeinflussen. Das am 30. Juli 2026 in Kraft getretene GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sieht weitreichende Neuerungen vor.
Ab dem 1. Januar 2028 wird die Teilarbeitsunfähigkeit nach § 44c SGB V eingeführt. Diese ermöglicht eine gestaffelte Arbeitsaufnahme von 25, 50 oder 75 Prozent, sofern eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als vier Wochen prognostiziert wird. Dem Arbeitgeber wird dabei eine Zustimmungsfrist von sieben Kalendertagen eingeräumt.
In der Wirtschaft wird dieses Instrument jedoch skeptisch betrachtet. Laut einer Umfrage von Randstad und dem ifo Institut aus dem zweiten Quartal 2026 erwarten 47 Prozent der Befragten keine positiven Effekte durch die Teilarbeitsunfähigkeit. Als größte Herausforderung wird von 76 Prozent der Teilnehmenden die saubere Abgrenzung der Arbeitsleistung angesehen.
Die rechtssichere Begleitung von Mitarbeitern bei der Rückkehr in den Betrieb wird für Unternehmen durch neue gesetzliche Regelungen immer komplexer. Ein kostenloser Leitfaden unterstützt Verantwortliche mit einer praktischen Anleitung und einem Gesprächsleitfaden dabei, den BEM-Prozess erfolgreich und sicher zu gestalten. Kostenlosen BEM-Leitfaden für Betriebe sichern
Unterstützung für Heilberufe und Freie Berufe
Erweiterungen im Beratungsangebot gibt es zudem für die Erbringer von Gesundheitsleistungen selbst. Der Virchowbund hat seine Praxisberatung für niedergelassene Ärzte um wirtschaftliche Vergleichsdaten aus dem Atlas Medicus ergänzt.
Die Beratung ist in einem Mitgliedsbeitrag enthalten, der rechnerisch bei weniger als einem Euro pro Tag liegt. Zudem kündigte der Verband kostenfreie Webinare zum GKV-Spargesetz für den 21. September und den 6. Oktober 2026 an.
Gleichzeitig stärkt die Standesvertretung der Freien Berufe (BFB) ihre Strukturen durch eine neue Marketingkooperation mit der Deutschen Krankenversicherung (DKV). In Deutschland sind rund 6,3 Millionen Erwerbstätige im Bereich der Freien Berufe tätig, wobei die rund 1,49 Millionen selbstständigen Freiberufler etwa 10 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beisteuern.
Einen weiteren Ausblick auf innovative Rehabilitations- und Präventionskonzepte bietet die Fachmesse Rehacare in Düsseldorf vom 23. bis 26. September 2026. Dort präsentieren unter anderem die DGUV und die Berufsgenossenschaften aktuelle Ansätze zur Teilhabe und Virtual-Reality-Therapien.
