Betriebliche, Gesundheit

Betriebliche Gesundheit: 16.000 Fitness-Angebote ab September

Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 17:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Unternehmen setzen stärker auf selbstbestimmte Benefits, während Entgeltfortzahlung, Vorsorgefragen und rechtliche Grenzen an Bedeutung gewinnen.

Flexible Mitarbeiterleistungen treffen auf steigende Ausfallkosten
Ein minimalistisch gestaltetes, modernes Büro mit einem leeren Schreibtisch und ergonomischem Stuhl bei hellem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Untersuchungen zeigen eine deutliche Verschiebung in der betrieblichen Personalpolitik: In mehr als einem Drittel der deutschen Unternehmen wird die Inanspruchnahme von Mitarbeiterleistungen inzwischen in die Eigenverantwortung der Beschäftigten gelegt.

Dieser Trend zur Flexibilisierung und Selbstverwaltung von Zusatzleistungen prägt zunehmend das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Belegschaften, während gleichzeitig die Kosten für Entgeltfortzahlungen neue Höchststände erreichen.

Ausbau flexibler Fitness- und Gesundheitsangebote

Ein zentraler Bereich dieser Entwicklung ist die betriebliche Gesundheitsförderung. Zum 1. September startet eine Kooperation zwischen dem Benefit-Anbieter Probonio und EGYM Wellpass. Durch diese Zusammenarbeit erweitert Probonio sein Angebot im Bereich Firmenfitness und ermöglicht Beschäftigten den Zugriff auf ein Netzwerk von über 16.000 Sport- und Wellnesseinrichtungen sowie mehr als 6.500 Kursangeboten im Live- und On-Demand-Format.

Das Modell von EGYM Wellpass wird bereits von 21.500 Unternehmen genutzt, womit über 3,4 Millionen Mitarbeitende Zugang zu diesen Leistungen haben. Die Entscheidung über die konkrete Nutzung und die Auswahl der Aktivitäten verbleibt dabei vollständig beim einzelnen Arbeitnehmer.

Parallel dazu setzt die Versicherungsbranche auf Anreize für gesundheitsbewusstes Verhalten. Die Continentale zahlt für das Jahr 2025 rund 163 Millionen Euro an Beitragsrückerstattungen an Kunden aus, die keine Leistungen in Anspruch genommen haben.

Diese Summe setzt sich aus 81,0 Millionen Euro erfolgsabhängiger und 37,7 Millionen Euro erfolgsunabhängiger Rückerstattung sowie 44 Millionen Euro an Pauschalleistungen zusammen. Das Unternehmen nutzt dieses Prinzip bereits seit 1927 und ermöglicht Rückzahlungen von bis zu sechs Monatsbeiträgen pro Jahr.

Rechtliche Risiken bei eigenverantwortlicher Nutzung

Die zunehmende Eigenverantwortung bringt jedoch rechtliche Abgrenzungsfragen mit sich, insbesondere beim Versicherungsschutz. Das Sozialgericht München entschied im Juli 2026, dass ein Sturz auf dem Weg zu einer betrieblich angebotenen Massage nicht als Arbeitsunfall zu werten ist.

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Da die Massage primär eigenwirtschaftlichen Interessen diene und nicht mit gemeinsamem Betriebssport vergleichbar sei, bestehe kein Schutz durch die gesetzliche Unfallversicherung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Bereits im Sommer 2022 hatte das Bundessozialgericht klargestellt, dass allein das Angebot einer Leistung durch den Arbeitgeber noch keinen automatischen Versicherungsschutz begründet. Auch im Bereich der Arbeitszeitgestaltung mahnen Gerichte zur Sorgfalt.

Das Bundesarbeitsgericht urteilte Anfang 2025, dass ein automatischer Pausenabzug in der Zeiterfassung die tatsächliche Gewährung einer Pause nicht ersetzen kann. In dem verhandelten Fall musste eine Klinikärztin über 59 Stunden nachvergütet bekommen.

Herausforderungen bei Altersvorsorge und Krankheitskosten

Auch in der betrieblichen Altersversorgung (bAV) ist die Eigeninitiative der Beschäftigten gefragt. Laut Daten der Bundesregierung verfügen aktuell 52 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten über eine Anwartschaft.

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Für das Jahr 2026 gelten angepasste Rahmenbedingungen: Beiträge bis zu 4.056 Euro sind sozialversicherungsfrei, bis zu 8.112 Euro können steuerfrei in die bAV fließen. Bei einer Entgeltumwandlung ist zudem ein Arbeitgeberzuschuss von 15 Prozent vorgesehen.

Im Bereich der Sozialpartnermodelle, wie sie der ChemiePensionsfonds seit 2022 anbietet, zeigen sich erste Erfolge der reinen Beitragszusage mit Aktienanteilen. Seit dem Start erzielte das Modell eine Rendite von über 4 Prozent pro Jahr.

Die Rentenkommission empfahl in ihrem Bericht vom Juni 2026 einen verstärkten Sozialpartnerdialog, um die Verbreitung dieser Modelle weiter zu fördern. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat hierzu Mitte August Stellungnahmen zur möglichen Öffnung der Modelle für weitere Branchen angefragt.

Der Druck auf Unternehmen, effiziente Gesundheits- und Vorsorgemodelle anzubieten, wächst angesichts steigender Kosten. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) beziffert die Kosten der Entgeltfortzahlung für das Jahr 2025 auf geschätzt 85,6 Milliarden Euro. Dies entspricht mehr als einer Verdopplung gegenüber dem Jahr 2010. Besonders Atemwegserkrankungen (29 Prozent der Fälle) und psychische Leiden (13 Prozent der Ausfalltage) belasten die Produktivität.

Gleichzeitig erreichte die Teilzeitquote im zweiten Quartal 2026 mit 40,3 Prozent einen neuen Höchststand, während das gesamte Arbeitsvolumen in Deutschland leicht rückläufig war.

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