Beton, Kilo

Beton bindet 110 Kilo CO2: Japan setzt auf Mineralisierung

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 19:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschungsteams und Industrieallianzen präsentieren innovative Wege, Kohlendioxid in wertvolle Produkte wie Aminosäuren, Beton und Reifen umzuwandeln.

CO2 als Rohstoff: Neue Verfahren für Aminosäuren und Beton
Moderner chemischer Reaktor in einem Forschungslabor zur industriellen Nutzung von CO2. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Nutzung von Kohlendioxid als industrieller Rohstoff nimmt Fahrt auf. Gleich mehrere Forschungsteams und Industrieallianzen präsentieren neue Verfahren, die das Klimagas in wertvolle Produkte verwandeln.

Aminosäuren aus Sonne, Wasserstoff und Methanol

Forschende der Technischen Universität München haben einen Proof of Concept vorgestellt: Sieben verschiedene Aminosäuren – darunter Glycin, Serin und L-Valin – lassen sich aus CO2 herstellen. Die Basis: Solarstrom, Wasserstoff und Methanol. Veröffentlicht wurde das Verfahren im Fachjournal Nature Communications. Eine kommerzielle Nutzung steht noch aus.

Die Universität Bayreuth geht einen anderen Weg. Ihr Team entwickelte einen lichtgetriebenen Sauerstofftransfer. Dabei dient CO2 als Sauerstoffquelle für die oxidative Spaltung von Alkenen. Ein Eisen-basierter Photokatalysator macht’s möglich – bei Raumtemperatur und Normaldruck. Das gilt als sicherer und umweltfreundlicher als herkömmliche Methoden. Die Ergebnisse erschienen in Science.

In Südkorea setzt das KAIST auf Sonnenlicht und Luft. Ein Hybridkatalysator produziert Amine, wobei Nebenprodukte den Katalysator regenerieren. Einziges Abfallprodukt: Wasser.

Beton bindet 110 Kilo CO2 pro Kubikmeter

In Japan läuft die Erprobung von CO2-fixierendem Beton auf Hochtouren. Die Organisation NEDO schloss gemeinsam mit Sumitomo Osaka Cement und Taisei Corp. dreijährige Feldversuche an zwei Standorten ab. Das Ergebnis: keine Risse, keine Abplatzungen, keine Korrosion an der Bewehrung. Der Beton bindet bis zu 110 Kilogramm CO2 pro Kubikmeter. Die japanischen Industrienormen (JIS) wurden bereits im Frühjahr angepasst.

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Altreifen werden zu neuen Reifen

Pirelli, BASF, Pyrum und Synthos starten eine „Tyre-to-Tyre“-Initiative. Ziel: Aus Altreifen gewonnenen Industrieruß und Pyrolyseöl für neuen Synthesekautschuk nutzen. Der landet dann wieder in der Reifenproduktion. Das Verfahren ist nach dem ISCC-PLUS-Standard zertifiziert.

Schifffahrt: CO2-Abscheidung an Bord wird regulatorisch anerkannt

Das Projekt CAPTURED meldet einen Durchbruch für die maritime Wirtschaft. Die International Maritime Organization (IMO) unterstützt die Carbon-Mineralisierung als Methode zur dauerhaften Speicherung von CO2 an Bord. Das ist die Voraussetzung, um abgeschiedene Mengen vom EU-Emissionshandel abziehen zu können. In Pilotversuchen erreichte das System eine CO2-Reinheit von über 99,95 Prozent. Die Treibhausgasreduktion: bis zu 17,8 Prozent.

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Elektrolyse: Schutz vor Stromausfällen

Ein Problem der CO2-Konversion: Erneuerbare Energien liefern nicht immer Strom. Forscher der Washington University haben eine Methode entwickelt, die Kupferkathoden bei Stromunterbrechungen schützt. Ein kontrolliertes Herunterfahren verlängert die Betriebsdauer und senkt die Kosten um etwa ein Viertel.

In Osaka läuft parallel ein System zur Produktion von Ameisensäure – ohne externe Batterien oder Wandler. Unter schwankender Sonneneinstrahlung erreichte es einen Nutzungsfaktor von rund 85 Prozent. Stabile Kraftstoffproduktion direkt aus Solarenergie.

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