Befristungen, Bundesregierung

Befristungen: Bundesregierung plant Ausweitung auf 48 Monate und sechs Verlängerungen

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 22:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine HR-Erhebung zeigt mehr geplante Befristungen, während Beschäftigte zugleich häufiger psychische Belastungen und Stress melden.

Befristete Jobs nehmen zu: Unternehmen reagieren auf wirtschaftlichen Druck
Ein minimalistischer, leerer Industrieraum mit großen Fenstern und einfallendem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die deutsche Wirtschaft reagiert auf den anhaltenden wirtschaftlichen Druck mit einer deutlichen Ausweitung flexibler Beschäftigungsmodelle. Wie eine im dritten Quartal 2026 durchgeführte HR-Befragung von Randstad und dem ifo-Institut unter 469 Personalverantwortlichen zeigt, planen 26 % der Unternehmen, künftig vermehrt befristete Verträge einzusetzen.

Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 12 %. Gleichzeitig sank der Anteil der Betriebe, die weniger Befristungen anstreben, von 23 % auf 18 %. Mehr als die Hälfte der Unternehmen, nämlich 56 %, plant den Einsatz in gleichbleibendem Umfang beizubehalten.

Struktur der Befristungen und Zeitarbeit

Bereits jetzt nutzen 30 % der Betriebe das Instrument der Befristung, wobei deutliche Unterschiede zwischen den Branchen und Unternehmensgrößen bestehen. In der Industrie greifen 42 % der Unternehmen auf befristete Verträge zurück, während es im Handel 22 % und im Dienstleistungsbereich 24 % sind.

Besonders prägend ist die Befristungspraxis bei Großunternehmen, von denen 59 % dieses Modell nutzen. Bei Kleinbetrieben liegt der Anteil hingegen bei etwa 20 %.

Neben Befristungen bleibt die Zeitarbeit ein wesentlicher Pfeiler der personellen Flexibilität. Laut der Erhebung nutzen 22 % der Unternehmen Zeitarbeitskräfte. Auch hier zeigen sich Großunternehmen mit einer Nutzungsquote von 50 % als Hauptanwender. Um auf künftige Anforderungen zu reagieren, planen 33 % der befragten Firmen zudem die verstärkte Nutzung von Arbeitszeitkonten, 21 % setzen auf Mehrarbeit durch Überstunden und 15 % auf Outsourcing.

Wirtschaftlicher Druck und Restrukturierung

Als wesentlicher Treiber dieser Entwicklung wird von 44 % der Befragten der wirtschaftliche Druck der vergangenen zwölf Monate angeführt. In der Industrie gaben 17 % der Unternehmen an, dass Restrukturierungen und Stellenabbau die Personalplanung prägen.

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Flankiert wird diese Entwicklung durch politische Weichenstellungen: Die Bundesregierung kündigte im Juli 2026 an, die Möglichkeiten für sachgrundlose Befristungen auf bis zu 48 Monate und sechs Verlängerungen auszuweiten. Bisher waren maximal zwei Jahre und drei Verlängerungen zulässig.

Besonders in der Automobilindustrie führen Sparpläne zu Spannungen. Mercedes erwägt Berichten zufolge Einsparungen bei den Arbeitskosten in Höhe von bis zu 800 Mio. Euro. Das Management forderte in diesem Zusammenhang eine Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit von 35 auf 40 Stunden bei gleichbleibendem Gehalt.

Am 21. September 2026 demonstrierten bundesweit rund 175.000 Beschäftigte bei Aktionen der IG Metall gegen drohenden Arbeitsplatz- und Sozialabbau in der Branche. Allein in Sindelfingen beteiligten sich rund 20.000 Menschen an den Kundgebungen.

Belastungen und Gesundheit im Dienstleistungssektor

Während die Industrie mit strukturellen Umbrüchen kämpft, zeigt sich im Dienstleistungssektor eine hohe psychische Belastung der Beschäftigten. Laut einer Sonderauswertung zum DGB-Ausbildungsreport 2026 berichten 64,7 % der Auszubildenden im Hotel- und Gastgewerbe von psychischen Belastungen. Fast die Hälfte der Auszubildenden in diesem Bereich leistet regelmäßig Überstunden.

Auch eine Befragung der Gewerkschaft NGG unter mehr als 2.000 Beschäftigten verdeutlicht die Problematik: 71 % der Befragten dachten über einen Branchenwechsel nach, und 79 % berichteten von kurzfristigen Dienstplanänderungen.

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Eine weitere Studie von ifo-Institut, IAB und der Universität Konstanz weist zudem darauf hin, dass die Digitalisierung in Berufen ohne klassischen Bürokontext mit einem schlechteren Wohlbefinden korreliert. In stark digitalisierten Umgebungen fehlen Beschäftigte dieser Sparten im Schnitt rund 20 % mehr Tage pro Jahr.

Wandel der Arbeitszeitwünsche

Trotz des Drucks zur Mehrarbeit in einigen Industriesektoren zeigt sich bei den Beschäftigten ein Wunsch nach mehr Freizeit. Laut der zehnten „State of Hybrid Work“-Studie von Owl Labs würden 58,1 % der Beschäftigten in Deutschland für eine Vier-Tage-Woche Gehaltseinbußen akzeptieren.

Bei der jüngeren Generation (Gen Z) liegt die Bereitschaft, für mehr Freizeit weniger zu verdienen, sogar bei 74,2 %. Gleichzeitig arbeiten bereits 52,7 % der Beschäftigten in Deutschland hybrid, was im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz darstellt. Dennoch berichten 33,8 % der Befragten von höherem Stress als im Vorjahr, und 29 % sorgen sich um ihre Jobsicherheit.

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