Befristung: Koalition plant bis zu 4 Jahre ohne Sachgrund
Veröffentlicht: 10.07.2026 um 08:13 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Laut einer heute veröffentlichten Gallup-Studie zeigen weltweit nur 20 Prozent der Beschäftigten eine hohe Einsatzbereitschaft. 64 Prozent leisten lediglich Dienst nach Vorschrift, 16 Prozent haben innerlich gekündigt.
Für Unternehmen bedeutet das erhebliche wirtschaftliche Risiken. Ungebundene Mitarbeiter zeigen seltener Eigeninitiative und weisen eine höhere Fluktuationsneigung auf.
Produktivität steigt – auf Kosten der Beschäftigten
Der Druck in den Betrieben hat spürbar zugenommen. Eine aktuelle IFES-Studie befragte 1.500 Betriebsratsvorsitzende. Mehr als die Hälfte gab an, dass die Produktivität in den letzten drei Jahren gestiegen sei – häufig zulasten der Beschäftigten.
73 Prozent der Betriebsräte sehen die Produktivitätssteigerung als das wichtigste Thema. Zwar erachten 61 Prozent die Prozessoptimierung als Hebel für Effizienz. Doch begleitende Maßnahmen wie Weiterbildungen oder stärkere Mitarbeiter-Einbindung hinken laut der Erhebung deutlich hinterher.
Die Belastung zeigt sich auch im Umgang mit der eigenen Gesundheit. Eine Umfrage unter 2.000 Erwerbstätigen ergab: 95,2 Prozent haben bereits trotz Krankheit gearbeitet. Viele Beschäftigte spüren bei Krankmeldungen einen Rechtfertigungsdruck oder fürchten berufliche Nachteile. 86 Prozent sehen die Arbeitgeber in der Pflicht, ein gesundheitsförderndes Klima zu schaffen.
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Neue Regeln für Befristung und Gesundheitsleistungen
Die Koalition plant eine Ausweitung der sachgrundlosen Befristung. Einstellungen sollen bis Ende 2030 für bis zu vier Jahre ohne Sachgrund möglich sein, mit bis zu sechs Verlängerungen. Bisher lag die Grenze bei zwei Jahren und drei Verlängerungen. Verbände begrüßen die Flexibilität, Institute warnen vor prekären Beschäftigungsverhältnissen.
Parallel verschärft die Finanzverwaltung die Anforderungen an betriebliche Gesundheitsleistungen. Nach einer Verfügung des Bayerischen Landesamts für Steuern ist für die Steuerfreiheit von Präventionsleistungen künftig ein individueller Teilnahmenachweis nötig. Pauschale monatliche Übersichten ohne konkreten beleg genügen den Anforderungen nicht mehr.
Strukturen statt Einzelfälle
Die Organisationssoziologin Judith Muster betonte Anfang Juli: Das Scheitern in Unternehmen liege selten an einzelnen Individuen, sondern an den Rahmenbedingungen. Verhältnisse prägten Verhalten, weshalb Führungskräfte die Strukturen in den Fokus nehmen müssten.
Einige Unternehmen setzen bereits auf gezielte Programme:
- Eine Pflegeeinrichtung in Hamburg steigerte durch einen Veränderungsprozess und eine Zertifizierung für Vielfalt ihre Attivität für Fachkräfte. Serviceroboter entlasten das Personal bei Routineaufgaben.
- Dienstleister ermöglichen E-Auto-Leasing per Gehaltsumwandlung, was Arbeitnehmern rund 40 Prozent Ersparnis gegenüber privatem Leasing bringt.
- Laut dem Bericht „State of Corporate Purpose 2026“ gewinnen gesellschaftliches Engagement und Freiwilligenarbeit an Bedeutung. 94 Prozent der CEOs unterstützen entsprechende Programme.
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Großindustrie unter Druck
Trotz dieser Ansätze bleibt die Lage angespannt. Bei Volkswagen protestierten gestern bundesweit Vertrauensleute und Betriebsräte gegen Sparpläne. Im Raum stehen ein Stellenabbau von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen weltweit sowie mögliche Werksschließungen.
Auch beim Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen steht ein Abbau von 14.000 Stellen bis 2028 an. Personalvorständin Dr. Lea Corzius betonte die Notwendigkeit, die menschliche Perspektive in Restrukturierungsprozessen mit belastbaren Zahlen zu untermauern.
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