Trassenpreise: Bernreiter fordert Klingbeil zu Gesprächen auf
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 09:32 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFinanzierung des Regionalverkehrs gerät unter Druck
- Christian Bernreiter fordert Bundesfinanzminister Lars Klingbeil zu Gesprächen über die Trassenpreise auf.
- Die Verkehrsministerkonferenz tagt am Mittwoch und Donnerstag im bayerischen Hohenschwangau.
- DB InfraGo plant für den Schienenpersonennahverkehr 2027 ein Plus der Gebühren von 7,7 Prozent.
Trassenpreise setzen Regionalverkehr unter Druck
Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter sieht wegen steigender Trassenpreise das Bundesfinanzministerium und Lars Klingbeil am Zug. Er warnt vor Einschnitten im Fahrplan und höheren Ticketpreisen für Millionen Bahnreisende.
Bernreiter sagte im ARD-„Morgenmagazin“, er fordere, dass Bundesfinanzminister Lars Klingbeil an den Tisch komme. Hintergrund sind die Gebühren, die Verkehrsunternehmen der Bahntochter DB InfraGo für die Nutzung des Schienennetzes zahlen.
Länder verlangen Geld vom Bund
Der CSU-Politiker ist derzeit Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz und macht gemeinsam mit weiteren Landesministern Druck auf die Bundesregierung. Aus Sicht der Länder muss der Bund ihnen die notwendigen Finanzmittel für den Schienenpersonennahverkehr bereitstellen.
Bernreiter verwies auf die Folgen der Bahnreform und sagte, im Grundgesetz sei die Verpflichtung des Bundes zur Finanzierung dieser Aufgabe klar festgelegt. Die Länder hätten bereits Abbestellungen im Schienenpersonennahverkehr vorgenommen; Schleswig-Holstein habe dabei massiv vorangehen müssen.
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EuGH-Urteil beendet Preisbegrenzung
Auslöser des Konflikts ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom März. Das Gericht kippte die Trassenpreisbremse, die Unternehmen im Schienenpersonennahverkehr bislang vor stark steigenden Gebühren geschützt hatte.
Die Schienenmaut fällt für Güter-, Fern- und Regionalverkehr unterschiedlich aus. DB InfraGo will die Preise im Schienenpersonennahverkehr 2027 um 7,7 Prozent erhöhen; 2028 sollen die Gebühren erneut deutlich steigen.
Verkehrsminister beraten in Hohenschwangau
Die Verkehrsministerkonferenz kommt am Mittwoch und Donnerstag im bayerischen Hohenschwangau zusammen. Neben den Trassenpreisen dürfte dort auch ein Vorschlag für ein weiteres digitales Ticket für Gelegenheitsfahrer im Nahverkehr beraten werden.
Bernreiter hat diesem Vorstoß bereits eine Absage erteilt. Im Mittelpunkt steht damit auch die Frage, wie Länder und Bund den Regionalverkehr angesichts steigender Infrastrukturkosten dauerhaft finanzieren.
Der Streit über die Trassenpreise verbindet eine europarechtliche Entscheidung mit einer zentralen Finanzierungsfrage des deutschen Nahverkehrs. Der Europäische Gerichtshof kippte im März die bisherige Begrenzung der Entgelte für den Schienenpersonennahverkehr. Damit müssen die Länder und Verkehrsverbünde künftig höhere Kosten in ihre Bestellungen bei den Bahnunternehmen einrechnen.
Für die Länder entsteht dadurch ein doppelter Druck: Sie müssen laufende Verkehrsverträge finanzieren und zugleich ihre Haushalte gegen steigende Infrastrukturkosten absichern. Nach Angaben des schleswig-holsteinischen Verkehrsministeriums könnten die Mehrkosten dort 2027 rund 20 Millionen Euro betragen. Bayern beziffert seine zusätzliche Belastung auf 72 Millionen Euro jährlich. Die konkrete Höhe unterscheidet sich nach Netz, Verkehrsleistung und Vertragsstruktur.
Folgen für Fahrgäste und Länder
Wenn Bund und Länder keine zusätzliche Finanzierung vereinbaren, haben die Besteller des Regionalverkehrs grundsätzlich weniger Spielraum für Zugleistungen. Kürzungen würden vor allem Pendler, Schüler und Menschen in Regionen mit wenigen Alternativen zum Auto treffen. Zugleich könnte ein Rückzug bei Verbindungen die politischen Ziele für Klimaschutz und den Umstieg auf die Schiene erschweren.
Die Verkehrsministerkonferenz in Hohenschwangau bietet den Ländern deshalb ein gemeinsames Forum, um eine Reform der Trassenpreisfinanzierung und zusätzliche Regionalisierungsmittel zu verlangen. Offen bleibt, ob das Bundesfinanzministerium die Forderungen übernimmt und wie eine dauerhafte Lösung zwischen Infrastrukturfinanzierung, Länderbestellungen und europarechtlichen Vorgaben aussehen soll.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau.de: „Höhere Trassenpreise, weniger Regionalzüge? Was die Verkehrsministerkonferenz dagegen tun soll“ (21.10.2026)
Der Beitrag bestätigt den Zusammenhang mit dem EuGH-Urteil und stellt die Forderung Schleswig-Holsteins nach einer Entlastung durch den Bund heraus. Anders als die dpa-Meldung nennt er konkrete Mehrkosten des Landes und beschreibt einen Vorschlag zur Neuverteilung der Erhaltungskosten des Schienennetzes.
n-tv: „Minister: Länder mit Kosten des Schienenverkehrs am Limit“ (21.10.2026)
Der Bericht greift die erwartete Erhöhung der Trassenpreise für 2027 und die Sorge vor Einschränkungen im Regionalverkehr auf. Sein Schwerpunkt liegt auf der finanziellen Belastungsgrenze der Länder; die politische Forderung nach einer Beteiligung des Bundes bildet den gemeinsamen Kern.
Die Beiträge stimmen darin überein, dass steigende Netzentgelte die Finanzierung des Regionalverkehrs belasten. Unterschiede gibt es vor allem bei den regionalen Beispielen und bei den vorgeschlagenen Wegen zu einer Entlastung.

