Baubranche, Fachkräfte

Baubranche: 25 Prozent Fachkräfte bis 2035 verloren

Veröffentlicht: 11.07.2026 um 01:48 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Bis 2035 droht dem Bauhauptgewerbe der Verlust von 25 Prozent der Belegschaft. Betriebe setzen auf internationale Anwerbung, Roboter und digitale Schulungen.

Fachkräftemangel am Bau: Hybride Strategien gegen Personallücke
Bauarbeiter und Personalvermittler schütteln sich die Hände, vor dem Hintergrund von digitalen Lösungen und internationalen Flaggen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Bis 2035 gehen der Branche demografisch bedingt rund 25 Prozent ihrer Erwerbsbevölkerung verloren. Die Unternehmen reagieren mit hybriden Personalstrategien, internationaler Anwerbung und digitalen Schulungszentren.

Kostenfalle Personalgewinnung

Die Rekrutierung neuer Fachkräfte hat ihren Preis. Für die Direktvermittlung einer Fachkraft zahlen Betriebe zwischen 15 und 25 Prozent des Jahresbruttogehalts. Bei internationaler Anwerbung aus Polen oder Tschechien fallen pro Kopf 2.000 bis 5.000 Euro an. Zeitarbeit schlägt mit Aufschlägen von 30 bis 60 Prozent auf den Tariflohn zu Buche.

Wichtig für Betriebe: Die gesetzliche Höchstüberlassungsdauer liegt bei 18 Monaten, nach neun Monaten greift der Equal-Pay-Anspruch.

Zweisprachige Betreuung senkt Fluktuation um 35 Prozent

Der Erfolg internationaler Rekrutierung steht und fällt mit der Integration. Branchenbeobachter berichten: Eine zweisprachige Begleitung steigert die Haltequote um bis zu 40 Prozent. Das Bauunternehmen Leonhard Weiss belegt den Effekt: Ein strukturierter Onboarding-Prozess mit muttersprachlicher Unterstützung senkte die Fluktuation um 35 Prozent.

Gehaltsschere öffnet sich – besonders in Sachsen-Anhalt

Die Nachfrage nach Führungspersonal treibt die Gehälter. Niederlassungsleiter verdienen 100.000 bis 150.000 Euro, Oberbauleiter 90.000 bis 130.000 Euro, Projektleiter 75.000 bis 110.000 Euro. Bauleiter und Kalkulatoren kommen auf 60.000 bis 95.000 Euro, Poliere auf 45.000 bis 68.000 Euro.

Regional klaffen die Unterschiede um 15 bis 20 Prozent auseinander. Besonders zugespitzt hat sich die Lage in Sachsen-Anhalt: Dort stieg die Zahl der Engpassberufe laut Arbeitsagentur auf 22. Neben Bauberufen sind auch Mechatronik und Energietechnik betroffen.

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Roboter entlasten – ersetzen nicht

Die Branche setzt zunehmend auf Technik. Ein Entsorgungsbetrieb in Meppen eröffnete am 10. Juli 2026 ein digitales Schulungszentrum für Kanalberufe. Kamerasysteme und digitale Inspektion sollen mentale Hürden abbauen und die körperliche Belastung reduzieren. Die Einarbeitungszeit liegt bei sechs bis zwölf Monaten.

In Weil am Rhein testete der Entwickler ConBotics einen Malerroboter. Das Gerät benötigt noch menschliche Betreuung, entlastet Fachkräfte aber bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten. Industrievertreter aus Baden-Württemberg betonen: Solche Technologien gefährden keine Arbeitsplätze – sie sind die notwendige Unterstützung im Fachkräftemangel.

Neue Zentren und schärfere Kontrollen

Mehrere regionale Initiativen sollen den Standort sichern. In Leipzig öffnete am 9. Juli 2026 ein Zentrum für internationale Fachkräfte, das Zuwanderer bei Qualifikationsanerkennung und Sprachausbildung unterstützt. In Baden-Württemberg ging am 1. Juli 2026 eine Unternehmensbörse online, die Betriebsnachfolgen im Handwerk verbessern soll – rund 28.000 Betriebe stehen dort in den nächsten fünf Jahren vor der Übergabe.

Parallel dazu verschärfen Behörden die Kontrollen. Bei landesweiten Aktionstagen gegen Schwarzarbeit in Nordrhein-Westfalen Ende Juni 2026 prüften Beamte über 100 Baustellen. Das Ergebnis: Bei fast 90 Prozent der Betriebe gab es Mängel, besonders im Arbeitsschutz. 77 Strafverfahren wurden eingeleitet, eine Baustelle stillgelegt.

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Neben dem Arbeitsschutz rücken auch formale Pflichten wie die korrekte Dokumentation der Arbeitszeiten verstärkt in den Fokus der Behörden. Mit diesem kostenlosen Ratgeber und der passenden Mustervorlage stellen Sie sicher, dass Ihr Betrieb alle gesetzlichen Vorgaben zur Zeiterfassung rechtssicher erfüllt. Kostenlose Mustervorlage: In 10 Minuten zur gesetzeskonformen Arbeitszeiterfassung

Gewerkschaften fordern höheres Rentenniveau

Der politische Druck wächst. Die IG BAU fordert angesichts der harten Arbeitsbedingungen einen erleichterten Rentenzugang und ein Rentenniveau von mindestens 53 Prozent. Nur so, argumentiert die Gewerkschaft, ließen sich Bauberufe für künftige Generationen attraktiv halten.

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